Martin Luther als Musical-Star

07.07.2008 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, mit fast 1 800 Menschen erlebte ich am Samstagabend die Uraufführung des Musicals "Martin L." bei den 15. Domstufen­festspielen. Das Musical erzählt die Geschichte des jungen Reformators Martin Luther an dem Ort, an dem er einst selbst wandelte. Während wir einen ungehinderten Blick auf die beeindruckende Kulisse mit ihren 14 über­dimensionierten Nägeln hatten, lauschten Hunderte Zaungäste und Kneipenbesucher den eingängigen Melodien.

Im September 2003 wurde der Theaterneubau im Brühl mit Peter Aderholds Oper "Luther" eingeweiht. Jetzt, nach fünf Jahren, wendet sich das Theater Erfurt erneut der Persönlichkeit Martin Luther zu. Luther wird in der Inszenierung des norwegischen Autoren-Duos Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) nicht als der große Gelehrte und Reformator dargestellt, sondern als Mensch mit all seinen Widersprüchen und Zweifeln – versinnbildlicht mit der stets präsenten Figur des Jörn, seinem Alter Ego – und mit dem Mut, die Welt zu ändern. Und so wird einem der rastlose Musical-Held, der ständig auf der Suche nach Liebe und nach Gott scheint, schnell sehr nah. Ob es nun die fiktive Liebesbeziehung des jungen Studenten mit Ursula ist, oder seine konsequente Hinwendung zum Glauben, die Figur Luther kommt stets authentisch und sympathisch daher.

Dass dieses Musical in Erfurt beginnt, kommt nicht von ungefähr: Hier schrieb sich Martin Luther 1501 an der Universität Erfurt ein und hier verlebte der spätere Reformator prägende Jahre. Heute ist er unser berühmtester Student. Das schicksalhafte Gewitter im Juli 1505 in Stotternheim gab seinem Leben die entschei­dende Wende. Anstatt sich der Juristerei zu widmen, wie es sein Vater wünschte, hielt Luther sein unter Todesangst ausgesprochenes Versprechen an die Heilige Anna, die Schutzpatronin der Berg­leute, und wird Mönch. Am 17. Juli 1505 tritt Luther in das Kloster der Augustiner­eremiten, das heutige Augustinerkloster ein und studiert Theologie. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Der Konflikt mit dem Ablassprediger Tetzel, die 95 Thesen an der Schloss­kirche Wittenberg, der Ketzerprozess, Luthers Kirchenreform­programm, sein Aufent­halt auf der Wartburg und die Übersetzung des neuen Testamentes ins Deutsche, das Wormser Edikt und die zunehmende Spaltung der Kirche. Mit Luthers Verstrickung in den Bauernkrieg 1525 endet das Musical. Die ehemalige Nonne Katharina von Bora, seine spätere Frau, bleibt leider unerwähnt – doch die gibt es mit "Mein lieber Herr Katharina" auf einer anderen Bühne zu sehen.

Erfurt und Luther gehören einfach zusammen. Mit dieser kurzweiligen und bildgewaltigen Inszenierung erfüllen die Domstufen­festspiele wieder alle Erwartungen. Doch "Martin L." ist mehr als eine kulturelle Geschichtsstunde, das Musical steht auch für unsere Verbundenheit mit Luther. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Besuch, es gibt noch Restkarten.

Ihr

Andreas Bausewein