Erfurt sportlich

18.08.2008 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, ob Olympia­fieber oder Thüringen Derby, den Erfurtern wird derzeit viel Sport geboten. Doch während bei Erst­genanntem das olympische Motto "Dabei sein ist alles" das ist, was zählt, geht es beim Zweitem nur um den Sieg. Und die Erfurter zeigen sowohl in Peking als auch in ihrer Heimat was in ihnen steckt.

Die meisten von uns waren auf die Olympischen Spiele in Peking sehr gespannt. Wie würde dieses doch so ferne und fremde Land dem olympischen Gedanken Rechnung tragen? Würden die Athleten den Mut aufbringen und gegen die Verstöße der Menschenrechte protestieren? Wird sich der "olympische Geist" entfalten können? Mit der Eröffnungs­feier waren viele Vorurteile verflogen oder so weit zurück­gedrängt, dass man sich nur noch auf das konzentrieren kann und will was zählt, den Sport. Schade nur, dass die meisten Wettkämpfe in der Nacht oder während der Arbeitszeit übertragen werden, ansonsten wäre die Olympia­begeis­terung sicher noch größer. Und so bleibt uns nicht anderes übrig, als die Erfolge der deutschen Sportler zeitversetzt zu bejubeln. Allen voran der knappe dritte Platz der Bahnrad-Sprinter mit dem Erfurter René Enders, die sich im Andreasried auf die Spiele vorbereiteten.

Apropos olympischer Geist, ein wenig davon täte einigen Fußballfans sehr gut. Denn während die Olympischen Spiele das Sinnbild für friedliche Wettkämpfe zwischen Sportlern verschiedener Nationalitäten, Ethnien und Religionen sind, scheint sich das Motto einiger Fußballfans mit dem Wort "Konfrontation" zusammenfassen zu lassen. Beflügelt durch das Pokal-Spiel gegen die Bayern, schienen die Rot-Weißen vergangenen Freitag wieder zur Höchstform aufzulaufen und gewannen klar gegen ihren Erzrivalen Carl Zeiss Jena. Doch was der einen Freud, ist der anderen Leid. Und so sehr ich mich über den Sieg der Erfurter gefreut habe, so sehr bestürzt mich das Verhalten einiger Fans – Erfurter wie Jenaer.

Diese so genannten Fans schaden dem Sport mehr als sie nützen. Und hier geht es um weit mehr als die Beschädigung privaten und öffentlichen Eigentums, die notwendigen Polizeieinsätze und Steuergelder, die diese Einsätze kosten. Randale, in welcher Form auch immer, ist schädigend für die Stadt, den Ruf des Vereins und seiner Fans. Und vor allem führt sie dazu, dass die große fußballbegeisterte friedliche Masse – unter ihnen viele Kinder und Jugendliche – nicht mehr ohne Angst ins Stadion kann. Auf aggressive und randalierende Fans können wir ganz klar verzichten!

Freuen wir uns also über den Sieg der Rot-Weißen und lernen wir, auch mit Niederlagen zu leben. Und vor allem, genießen Sie die letzte Woche der Olympischen Spiele in Peking, denn diese finden, im Vergleich zum nächsten Fußballspiel, erst in vier Jahren wieder statt.

Ihr

Andreas Bausewein