Blick hinter die Fassade

15.09.2008 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, mit dem Europäischen Tag des offenen Denkmals endete am Sonntag die Denk­mal­woche, die in diesem Jahr mit der Einweihung eines Hauses begann und endete: Auf das westliche Wachhaus am Hirsch­garten folgten diesen Sonntag die "Augustiner-Waidhäuser". Der Neubau, der zukünftig als Herberge genutzt wird, ersetzt die im zweiten Weltkrieg zerstörten Häuser.

Einheimische wie Gäste nutzten die Gelegenheit für eine Besichtigung des Evangelischen Augustiner­klosters zu Erfurt. Mit einem Festgottesdienst wurde der Tag des offenen Denkmals eröffnet und nach der anschlie­ßenden Segnung das Waidhaus seinen zukünftigen Nutzern übergeben. Als eine Oase der Ruhe wird der Neubau das bisherige Tagungs- und Herbergs­angebot des Augustiner­klosters ergänzen. Selbstverständlich konnten sich die Besucher auch vom Baufortgang der ebenfalls im Krieg zerstörten Klosterbibliothek überzeugen.

Aber es hatten noch viele Denkmale mehr geöffnet, eines davon, das Museum für Thüringer Volkskunde. Doch dieses geschichtsträchtige Haus am Juri-Gagarin-Ring besuchten die Erfurter noch aus einem ganz anderen Grund: Der Ausstellungs­eröffnung "Feine Leute – Mode und Luxus zur Zeit des Empire". Einen passenderen Termin hätte sich Museums­direktorin Dr. Martina Moritz nicht aussuchen können, denn wahre Hundertschaften waren auf den Beinen und nutzten die Gunst des Tages – darunter viele Stamm­gäste des Hauses aber auch Neugierige.

Das Volkskundemuseum, das sich sonst eher dem Leben der "kleinen Leute" widmet, konzentriert sich in dieser Sonder­ausstellung auf das Leben der "feinen Leute" und ist der museale Höhepunkt unseres diesjährigen kulturellen Jahres­themas.

Das so genannte Empire formte sich als Repräsen­tations­stil Napoleons nach dessen Kaiserkrönung 1804 aus und prägte den europäischen Lebensstil bis in die 1840er Jahre – also weit über Napoleons Lebenszeit hinaus. Mode, Kunsthand­werk, Innen­ausstattung, Architektur, das Lebensgefühl einer ganzen Epoche, orientierte sich an französischen Vorbildern. Frau Dr. Moritz und ihr Team begaben sich auf Spuren­suche nach Zeugnissen dieser Zeit und wurden fündig.

Die mehr als 300 Leihgaben anderer Museen und privater Sammlungen entführen die Gäste dieses Ausstellungsprojektes in die Welt der Begüterten, Adligen und Mächtigen Europas. Nutzen auch Sie die Gelegenheit, tauchen Sie ein in die Welt der feinen Leute und blicken Sie hinter deren Fassade. Erfahren Sie, wie diese Menschen damals lebten, wie sie heirateten oder wie es um die Emanzipation der Frau stand. Und sollten Sie dann noch offenen Fragen haben, empfehle ich Ihnen das Buch zur Ausstellung.

Eine schöne Woche wünscht Ihnen

Ihr

Andreas Bausewein