20 Jahre nach dem Mauerfall

05.01.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  in diesem Jahr jährt sich die fried­liche Re­vo­lution der Deut­schen und die daraus resul­tieren­de poli­tische Wende zum 20. Mal. Am 9. Novem­ber vor 20 Jahren fiel die Berli­ner Mauer. Zu den gewon­nenen Frei­heiten zählte auch die Wahl­frei­heit, ein Recht, von dem Sie in diesem Jahr hoffent­lich Gebrauch machen.

Das Jahr 1989 war für alle Deutschen ein aufregendes Jahr: Während die DDR-Führung den 40. Jahres­tag der DDR vorbereitet, wollen viele Menschen ihr Land verlassen und hoffen, über Ungarn nach Österreich und damit in die Freiheit zu gelangen. Unter denen, die dieses Risiko auf sich nehmen, sind auch viele Erfurter­innen und Erfurter – bis zum Ende des Jahres 1989 werden gut 4 000 ihre Heimat verlassen. Die, die bleiben, organisieren sich vielfach in Bürgerinitiativen wie "Neues Forum", "Demokratischer Aufbruch" und "Demokratie Jetzt" oder treten im Laufe des Jahres demokratischen Parteien bei.

Ende Oktober münden die Proteste in öffentliche Demonstrationen und Kund­gebungen. Kirchliche Vertreter und die Bürgerbewegung erzwingen die Aufnahme des Dialoges zwischen den Bürgern und dem Rat der Stadt. Im vollbesetzten Stadtverordnetensaal des Rathauses kommt es zu kontroversen Diskussionen zwischen den Vertretern der Bürgerbewegung und der Oberbürgermeisterin, eine zweite Versammlung findet in der Thüringenhalle statt. Nach Friedensgebeten, unter anderem in der Prediger-, der Michaelis-, der Lorenz-, der Wigbert- und der Kauf­manns­kirche, fordern Zehntausende von Erfurtern am 26. Oktober auf dem Domplatz eine sofortige demokratische Erneuerung. Die regelmäßig stattfindenden Donnerstagsdemonstrationen und die Forderungen nach Reform und Veränderung des Systems finden immer größeren Zuspruch.

Als am 9. Novem­ber die Grenzen geöffnet werden, beginnt eine Welle der Aus­wan­der­ungen. Trotzdem finden weitere Demonstra­tionen statt. Eine der größten am 19. November, zu der sich gut 20 000 Menschen auf Initiative Erfurter Künstler auf dem Domplatz versammeln. Am 4. Dezember erzwin­gen die Bürger­initiativen die Kontrolle über das MfS in der Andreasstraße. Am folgenden Tag gründet sich das Bürgerkomitee. Während am 10. Dezember tausen­de Erfurter einen Bürgerwall entlang der inneren Stadtmauer bilden, um gegen den drohenden teilweisen Abriss der historischen Altstadt zu protestieren, tritt die Ober­bürger­meisterin Rosemarie Seibert zurück. Am 13. Dezember bildet sich der "Runde Tisch" in Erfurt und markiert die weitere Entwicklung der kommenden Monate in Erfurt.

Eine Errungenschaft der politischen Wende sind freie Wahlen und viele Menschen folgten im kommenden Jahr dem Ruf an die Urne. Daran sieht man auch, welch großer Stellenwert diesen Wahlen eingeräumt wurde. Während die Wahl­betei­ligung bei den Bundes­tags­wahlen nahezu gleich blieb, nahm sie bei Landtags- und Kommunal­wahlen stetig ab. Nicht einmal die Hälfte der wahlberech­tigten Erfurter­innen und Erfurter machte bei der letzten Kommunal­wahl von ihrem Recht Gebrauch – dabei sind es gerade die Kommunalparlamente, die vor Ort etwas bewegen können.      

Daher hoffe ich, dass sich die Menschen in diesem Superwahljahr – und gleichzeitig dem 20. Jahrestag des Mauerfalls – der Bedeutung des Wahlrechtes bewusst werden und dieses Recht für sich in Anspruch nehmen. Eine hohe Wahlbeteiligung garantiert nicht nur die bestmögliche Vertretung gesamtgesellschaftlicher Interessen sie hilft auch, extremistische Minderheiten den Einzug in das Stadtparlament zu verwehren. Darum bitte ich Sie: Gehen Sie wählen!

Ihr
 

Andreas Bausewein