Erfurter Schatz in London

23.02.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  "Treasures of the Black Death" – Schätze der Pest – ist der Name der Aus­stellung, die am vergan­genen Mitt­woch in der Londoner Wallace Collection eröffnet wurde. Nach Speyer, Berlin, Paris und New York ist London die nunmehr fünfte Station des Erfurter Schatzes, der ab Herbst dauerhaft in Erfurt zu sehen sein wird.

Die Wallace Collection, eines der renommiertesten Londoner Museen, präsentiert derzeit den "Erfurter Schatz", der 1998 bei archäologischen Unter­suchun­gen in der Erfurter Michaelis­straße 43 gefunden wurde. Vermutlich gehörte er einem Kaufmann, der er aus Angst vor der Judenverfolgung im Jahr 1349 versuchte, seinen wertvollen Besitz in Sicherheit zu bringen. Der Einladung des Museums, der Ausstellungs­eröffnung beizuwohnen, bin ich sehr gerne nachgekommen. Selbst­verständlich habe ich die Gelegenheit dieser kurzen Dienstreise in eine der größten Metropolen Europas auch dafür genutzt, für unser schönes Erfurt "im Herzen des Kontinentes" – wie die Briten Europa häufig nennen – zu werben. Die Gelegenheit dazu war günstig, hatten doch die meisten der gut 300 Gäste, die der Einladung der Wallace Collection folgten, zum ersten Mal von Erfurt gehört.

Doch nicht nur ich bemühte mich darum den Bekanntheitsgrad Erfurts zu steigern. So sorgten auch die mitgebrachten Materialien der Tourismus GmbH Erfurt und des Tourismus­verbandes Thüringen sowie die große Resonanz in der britischen Presse dafür, dass Erfurt nun als weit mehr als nur eine Stadt bei Weimar bekannt ist – und überdies vieles mehr zu bieten hat. Dass sich der Name unserer Stadt einprägen wird, dafür spricht aber auch die Tatsache, dass die Londoner Ausstellungsmacher nicht von einem jüdischen Schatz sprechen – wie er bei uns häufig genannt wird – sondern stets vom "Erfurt treasure", also dem Erfurter Schatz. Eine Begrifflichkeit, die wir hier in Erfurt sehr gerne übernehmen.

Kernstück der Ausstellung sind drei jüdische Hochzeitsringe, der Ring aus Weißen­fels, einer aus Colmar und der beeindruckende Erfurter Ring – der die Einladungs­karte zierte und Titelmotiv des Kataloges ist. Treasures of the Black Death zeigt aber weit mehr als das. Die kleine aber feine Ausstellung präsentiert auch unzählige Münzen, Schmuckstücke, Silbergeschirr und ein Parfüm-Set, dem der Guardian gleich eine ganze Seite widmete. Alle Ausstellungsstücke sind mit viel Liebe zum Detail ins rechte Licht gerückt. Und um die filigranen Details besser sehen zu können, werden alle Museumsbesucher mit Lupen ausgestattet.

Bis zum 10. Mai wird die Ausstellung in London zu sehen sein. Doch bevor der Erfurter Schatz dauerhaft in der Alten Synagoge zu sehen sein wird, soll er noch in Jeru­salem ausgestellt werden. Sollte Ihnen der Weg nach London oder Jerusalem zu weit sein, dann merken Sie sich doch schon mal den 27. Oktober vor. Dann öffnet nämlich die Alte Synagoge ihre Pforten.  

Ihr

Andreas Bausewein