Zum Frauentag

09.03.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  Blumen auf dem Früh­stücks­tisch vom Partner oder Ehemann sowie Gebas­teltes von den Kindern oder Enkel­kindern standen zum gestrigen Interna­tionalen Frauen­tag sicher bei vielen Erfurter Familien ganz hoch im Kurs und sorgten für strahlende Gesichter. Warum wir diesen Tag begehen wissen aber nur die wenigsten.

Der 8. März wird seit 1975 offiziell von der Uno als Internationaler Frauentag gewürdigt. An diesem Tag machen Frauen weltweit durch Aktionen, Kundgebungen oder auch Demonstrationen auf ihre Benachteiligungen im öffentlichen und privaten Leben aufmerksam und fordern ihr Recht auf Gleichberechtigung ein. Auch in Deutschland gab es zahlreiche Aktionen anlässlich des Frauentages. In Erfurt wird es sogar noch bis einschließlich Freitag Veranstaltungen rund um den Frauentag und Frauen betreffende Themen geben.

Die historischen Wurzeln dieses Tages liegen in den Protesten New Yorker Arbeiter­innen begründet, die 1857 erstmals auf die Straße gingen und gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und für gleichen Lohn demonstrierten. Fünfzig Jahre später traten Tabak- und Textilarbeiterinnen in den Streik. Sie protestierten für bessere Arbeits­bedingungen, für ein Frauenwahlrecht, für kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne. In Deutschland wurde diese Entwicklung insbesondere durch Clara Zetkin vorangetrieben, die auf der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen den Antrag einbrachte, einen internationalen Frauentag ins Leben zu rufen. Er wurde einstimmig angenommen. Der erste internationale Frauen­tag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt, 1921 wurde der 8. März festgelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Frauentag in Ost und West sehr unterschiedlich begangen. Erst mit der offiziellen Würdigung des Tages durch die Uno erfuhr er das Interesse und Gewicht, das ihm noch heute beigemessen wird.

Auch wenn sich die Stellung der Frau in Gesellschaft, Beruf und Politik in Deutsch­land stark verbessert hat, so hat der Frauentag doch längst nicht an Bedeutung verloren. Man muss nicht bis in die armen Länder dieser Welt blicken um Ungerech­tigkeiten festzustellen. Während sie sich dort vorrangig um die Grund- und Menschen­rechte drehen, beziehen sie sich in Deutschland insbesondere auf Nachteile im beruflichen Werdegang – vom Lohnniveau bis hin zu den Karriere­chancen –, sowie auf die für viele Frauen alltägliche Doppelbelastung durch Familie und Beruf. Unser lokales Bündnis "Stark für Familie – Stark für Erfurt" kümmert sich um alle Fragen rund um die Familie insbesondere aber auch um die Belange der Frauen und die bundesweite Kampagne "FrauenMachtKommune" nahm im Jahr 2008 – dem Jahr mit den großen Jubiläen 90 Jahre Frauenwahlrecht und 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz – von Erfurt aus ihren Lauf. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Bei aller formalen Gleichberechtigung lässt es sich nicht leugnen, dass Frauen vielfach noch immer schlechter gestellt sind. Wir als Stadtverwaltung arbeiten an diesem Problem, tun Sie es in Ihrem Unternehmen sowie im Alltag auch!

Darum meine Herren: Schenken Sie ruhig weiterhin Blumen – gerne auch öfters –, aber leisten auch Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zur Chancen­gleich­heit und Gleich­berech­tigung.

Ihr

Andreas Bausewein