Mitgefühl und Hilfe für Winnenden

16.03.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  die Nachricht von dem Amoklauf in Winnenden hat mich zutiefst betroffen gemacht und sehr geschockt. Wie für die meisten Erfurterinnen und Erfurter, wurden auch für mich die Bilder des Attentates am Gutenberg-Gymnasium von 2002 wieder wach. Wir alle fühlen mit den Opfern, ihren Familien und den Betroffenen und können nachempfinden, wie die Lage in der Baden-Württembergischen Gemeinde ist. 

Es war furchtbar erfahren zu müssen, dass solch eine grauenvolle Katastrophe nun eine weitere Schule, eine weitere Stadt ereilt hat. Wieder müssen unschuldige Opfer zu Grabe getragen werden. Wir Erfurterinnen und Erfurter können sehr genau nach­empfinden, wie sich die Menschen in Winnenden in diesen Tagen fühlen, denn vor fast sieben Jahren, am 26. April 2002, hat unsere Stadt eine ähnliche Katastrophe durchleiden müssen. Unsere Stadt war damals vor Entsetzen wie gelähmt. Bereits damals wussten wir: Erfurt wird nie wieder wie es war. Denn obwohl nach einiger Zeit wieder "Normalität" in den Alltag einkehrte, holen uns die Ereignisse doch immer wieder ein.

Nach dem Attentat am Erfurter Gutenberg-Gymnasium wurde in der Thüringer Landeshauptstadt ein Kriseninterventionsteam gebildet, dem sowohl Vertreter der Stadt, des Kultus­ministeriums, aber auch der Polizei und Rettungskräfte angehören und das in Situationen wie diesen schnell reagieren kann. Dieses Team besteht bis heute. Und da sich niemand auf so eine Situation vorbereiten kann, haben wir den Winnendenern spontan unsere Hilfe angeboten. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt und zwei Kollegen des Kultusministeriums waren für zwei Tage in Winnenden. Sie gaben den betroffenen Kollegen vor Ort das Gefühl, mit ihren Nöten und den zu bewältigenden Aufgaben nicht allein zu sein, waren wichtige Ansprech­partner und halfen beim Aufbau eines kommunalen Führungsstabes. Unsere Hilfe war sehr kurzfristig, sie wird aber nicht kurzzeitig sein. Wenn es die Winnendener wünschen, werden wir Mittel und Wege finden, sie auf dem vor ihnen liegenden Weg zu begleiten. Unser Hilfsangebot gilt zu jeder Zeit.

Ich denke in diesen Tagen aber auch an die Familien der Opfer des Attentates am Gutenberg-Gymnasium, an die Lehrer und an die Schüler. Ich wünsche Ihnen die notwendige Kraft, die kommenden Wochen gut zu überstehen, denn für viele werden sie von schmerzlichen Erinnerungen geprägt sein. Die Bilder aus Erfurt sind unvermeidbarer Bestandteil der Berichterstattung der Medien und auch die uns allen bekannten Debatten über Computerspiele oder auch das Waffenrecht werden neu geführt – dieses Mal hoffentlich mit mehr Erfolg.

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, ich glaube für Sie alle sprechen zu können wenn ich sage: Wir alle fühlen mit den Opfern und wünschen den Angehörigen und Betroffenen Kraft in dieser schweren Zeit.

Ihr

Andreas Bausewein