Gedenkort Topf & Söhne

20.04.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,   auf dem Gelände der Firma Topf & Söhne wird in den kommenden Monaten im ehe­maligen Verwaltungs­gebäude ein Gedenk­ort entstehen. Das war der ausdrück­liche Wunsch der Stadt­verwaltung Erfurt, als das Areal vor gut zwei Jahren von einem Insolvenz­verwalter an den jetzigen Investor verkauft wurde.

Am 12. April 2001 wurden Teile der Industriebrache besetzt. Während der Vorbe­sitzer die zumeist jugendlichen Besetzer duldete, möchte der private Investor, der die Brache im Februar 2007 kaufte, das gesamte Areal erschließen – einschließlich der besetzten Bereiche. Vergangenen Donnerstag wurde das Gelände nach vielen ver­mittelnden, letzten Endes aber gescheiterten Gesprächen zwischen der Stadtver­waltung – die eine Fortführung der alternativen Projekte unter geordneten Verhält­nissen stets unterstützte – und den Hausbesetzern durch die Polizei geräumt.

Einer der Gründe dafür, dass die Bürgermeisterin und ich den Hausbesetzern die Hand reichten und Ausweichobjekte anboten war der, dass es eben jene Besetzer waren, die die Geschichte der Firma Topf & Söhne mit Führungen und Informations­tafeln in das Bewusstsein der Menschen zurückholte und damit am Anfang des Weges für einen Gedenkort stehen: Die Firma J. A. Topf & Söhne wurde im Jahre 1878 in Erfurt durch J. A. Topf gegründet, der an der Verbesserung industrieller Feuerungsanlagen aller Art arbeitete. Ab den 20er und 30er Jahren belieferte Topf & Söhne städtische Krematorien in ganz Deutschland und in aller Welt. Soweit gab es gegen die Arbeit dieses Erfurter Unternehmens nichts einzuwenden. Aber in den 40er Jahren entschloss sich Topf & Söhne zur Zusammenarbeit mit der SS. Das Unternehmen fertigte Entlüftungsanlagen für die Gaskammern in Auschwitz und entwickelte große leistungsfähige Krematoriumsöfen für Auschwitz, Buchenwald, Dachau und andere Konzentrationslager der Deutschen.

Nach der Räumung des Besetzten Hauses begann der Investor umgehend mit dem Abriss der alten Bausubstanz, lediglich das Verwaltungsgebäude blieb stehen und wird nach dessen Sanierung als Gedenkort genutzt. Dafür mietet die Stadtverwaltung zwei Etagen – die früher unter anderem die Zeichensäle beherbergten – als Museum an. Diese werden sowohl die Ausstellung "Techniker der Endlösung" beherbergen als auch Räume für die pädagogische Arbeit, insbesondere mit Schulklassen. Als Eröffnungsdatum ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, der 27. Januar 2011, vorgesehen.

Um den Gedenkort und die Bereitstellung von Fördermitteln nicht zu gefährden, sah sich der Investor zur Räumung gezwungen. Diese Räumung hat nichts mit der Missachtung alternativer Wohn- und Kulturprojekte zu tun, denen ich nach wie vor offen gegenüberstehe. Diese kann die Stadt aber nur unter entsprechenden Rahmen­bedingungen mit konkreten Ansprechpartnern, zum Beispiel in Vereinen, fördern. Dazu stehe ich.

Ihr

Andreas Bausewein