1. Mai

27.04.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,   der erste Tag des "Wonne­monats" Mai hat für viele Menschen ganz unter­schied­liche Bedeu­tungen: Während die einen in den Mai hinein­tanzen und einfach nur feiern möchten, begrüßen andere den Frühling und ver­treiben wieder andere Hexen und böse Geister. Der "1. Mai" ist aber auch ein gesetz­licher Feiertag, der Tag der Arbeit.

Wenn am Abend des 30. April um 21:45 Uhr auf dem Domplatz das traditionelle Maifeuer entzündet wird, ist das für viele der Höhepunkt des Tages. Den ganzen Tag über herrscht Volksfeststimmung und das Thüringer Folkloreensemble begleitet das Maibaumsetzen mit traditionellen Frühlingstänzen und Musik der Folkband "Saitensprung". Die Erfurter haben damit sehr alte mit modernen Bräuchen vermischt. Denn was die wenigsten wissen, die Nacht vor dem ersten Mai ist auch als Beltane oder Walpurgisnacht bekannt.

Ursprünglich feierten die Kelten in der Nacht zum ersten Mai ein Frühlings- und Fruchtbarkeitsfest, von dem heute nur noch das Feuer, der Maisprung und die Wahl der Maikönigin übrig geblieben sind. Wahrscheinlich stammt aber auch der heute noch übliche Maibaum-Brauch aus diesen Tagen, denn seinerzeit schmückten die Menschen ihre Häuser und Stallungen mit dem ersten frischen Grün. Im Mittelalter lebten diese Bräuche in der Walpurgisnacht fort, die sich im Laufe der Christianisierung aber veränderten: Von dem Sieg des Frühlings über den Winter hin zu einem Fest der Reinigung. Die Menschen gedachten in dieser Nacht der heiligen Walburga, einer Äbtissin aus England und Schutzheiligen gegen die Pest. Indem sie durch die Glut des Maifeuers liefen, glaubten sie, sich zu reinigen und Seuchen fern zu halten. Heute steht eindeutig der Spaß im Vordergrund: Viele Elemente früherer Maibräuche, von Hexen bis Gesang, sind noch immer geläufig, wobei der Tanz in den Mai zunehmend Volksfestcharakter hat.

Am ersten Maitag wird zwar immer noch gefeiert aber auch anderen Belangen Gehör verschafft. Der "1. Mai" ist ein Erbe der Arbeiterbewegung und geht auf Massen­streiks und die erste Arbeiter­versammlung am 1. Mai 1886 in Chicago zurück. Während die Menschen damals auf die Straße gingen, um ihren Arbeitstag auf einen Achtstundentag zu reduzieren, haben wir heute beinahe umgekehrte Verhältnisse. Denn heute geht es darum, überhaupt eine Arbeit zu erhalten. In Deutschland wurde der erste Mai 1919 zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Seitdem gehen an diesem Tag Menschen auf die Straße und demonstrieren für ihre Rechte – längst nicht mehr nur als Arbeiter, sondern als Arbeitnehmer. Unter dem Motto "Arbeit für alle bei fairem Lohn" lädt der DGB Thüringen zur zentralen Kundgebung nach Erfurt ein.

Wie auch immer Sie in den Mai hineinkommen: Ich wünsche Ihnen, dass der sprichwörtliche Wonnemonat hält, was er verspricht.

Ihr

Andreas Bausewein