Domstufenfestspiele: Fortuna schickte Regen

10.08.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, am Sams­tag feierten die Dom­Stufen-Festspiele 2009 Premiere. Während sich das Wetter zur General­probe von seiner besten Seite zeigte, musste die Pre­miere der "Carmina Burana" nach einer guten Stunde leider ab­ge­brochen werden. Gegen die Launen der Schicksalsgöttin Fortuna ist man einfach machtlos …

Ich habe mich sehr gefreut, dass Carl Orffs "Carmina Burana" nach 15 Jahren auf die Domstufen zurückkehrt. Die farbenprächtig inszenierte Kantate mit einem der berühmtesten Chöre der Musikliteratur bildete 1994 einen fulminanten Auftakt der DomStufen-Festspiele. Mit einem Schlag wurden die Festspiele über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, mittlerweile genießen sie europaweit einen guten Ruf und locken Jahr für Jahr Gäste aus vielen Teilen Deutschlands und der Welt nach Erfurt. Am Samstag kehrte Orffs szenische Kantate – die auf eine von ihm im Kloster Benediktbeuern gefundene mittel­alterliche Handschrift mit Trink- und Liebesliedern aus verschiedenen Teilen Europas zurückgeht und damit bestens zu unserem stark mittelalterlich geprägten Erfurt passt – auf die Domstufen zurück. 

Im Mittelpunkt des bunten Treibens steht die Gestalt der Göttin Fortuna, als Sinnbild der Schicksalsabhängigkeit des Menschen. Genauso wenig wie wir das Schicksal beeinflussen können – wenn es denn ein solches gibt – können wir das Wetter beeinflussen. Nach Regengüssen und minutenlanger Zwangspause brach Intendant Guy Montavon die Premiere der DomStufen-Festspiele 2009 mit den Worten "Das ist Freiluft, das ist Theater" ab und entschuldigte sich bei den enttäuschten Zuschauern. Doch die Sicherheit und Gesundheit der Darsteller geht vor, mehrere Tänzer waren auf der rutschigen Bühne gestürzt, der Chor vollkommen durchnässt.  

Um das ewige Kreisen der Welt zwischen Glück und Unglück und die Schicksals­abhängigkeit des Menschen geht es auch beim traditionellen Filmkonzert am 16. August sowie den erstmals stattfindenden Domino-Festspielen für die Kleinen. Ab dem 15. August können junge und jung gebliebene Theaterfreunde gemeinsam mit den Bremer Stadtmusikanten das Schicksal in die eigene Hand nehmen. Und noch ein weiteres Novum gibt es: das Mitternachts-Spezial. In der Produktion des Erfurter Theatersommer e. V. verwirklichen vier "Mitarbeiter" einer Sicherheitsfirma ihre eigenen Festspiele, erzählen die Gründungsgeschichte von Dom und St. Severi und führen ein Mysterienspiel aus den Anfängen der mehr als 600-jährigen Festspiel­tradition am Dom auf.

Die DomStufen-Festspiele sind ein Synonym für unterhaltsame wie anspruchsvolle Sommerabende. Mit den Premierengästen hat es Fortuna zwar nicht gut gemeint, dennoch möchte ich Ihnen einen Besuch der DomStufen-Festspiele sehr empfehlen! Ich selbst werde das "Schicksal" an einem anderen Abend erneut herausfordern und Orffs Carmina Burana dann hoffentlich von Anfang bis Ende erleben dürfen.

Ihr

Andreas Bausewein