Filmfestival: Ausnahme | Zustand

31.08.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, Erwach­sen­werden ist kein Kinder­spiel. Die Lebens­welten unserer Kinder und Jugend­lichen sind mit früheren Kindheits­verläufen nur bedingt ver­gleich­bar. Das bundes­weite Film­fest "Ausnahme|Zustand – Verrückt nach Leben", das ab Donners­tag in Erfurt Station macht, will auf die Krisen, Ängste, Hoff­nun­gen und Träume von jungen Menschen in Deutsch­land auf­merk­sam machen.  

Am Donnerstag startet das Filmfestival im Haus der sozialen Dienste mit einer Filmvorführung und einem Expertengespräch. Im Kinoklub Hirschlachufer werden eine Woche lang ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die von der Gedanken- und Gefühlswelt Heranwachsender erzählen: von ihrer Sehnsucht nach Liebe und Halt, von ihren Krisen und Grenz­erfahrungen, von ihrer Selbst­behauptung inmitten einer unsicheren, destruktiven Welt der Erwachsenen, von ihrer Kraft und ihren eigenen Wegen. Einsamkeit, Angst, Armut, Schulversagen, Hoffnungslosigkeit, Gewalt, Drogen, Suizid werden hierbei genauso thematisiert wie Freundschaft, Respekt, gebraucht und geliebt zu werden.  

Warum wir ein solches Filmfest brauchen? Weil zwanzig Prozent aller Kinder und Jugendlichen als psychisch auffällig gelten und über 1,5 Millionen Kinder mit Eltern zusammenleben, die an einer schweren psychischen Erkrankung leiden. Weil körperliche Erkrankungen zunehmend von psychischen Erkrankungen verdrängt werden. Weil Lern­defizite, Gewalt an Schulen, Jugendarbeitslosigkeit und Perspektiv­losigkeit Eltern, Lehrern, Politikern, Ärzten und nicht zuletzt Unternehmern immer stärker Anlass geben, sich Gedanken zu machen über neue Ansätze für eine zukunftsorientierte Förderung unserer zum Teil überforderten Kinder und Jugend­lichen. Und weil Depressionen, erhöhte Krankheits­anfälligkeit, Suchterkrankungen, Essstörungen und aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen längst keine Randgruppen­probleme mehr sind.

Das Filmfestival "Ausnahme|Zustand – Verrückt nach Leben" dient der Aufklärung und Prävention. Es möchte junge Menschen für das Thema psychische Gesundheit sensibilisieren; Ängste, Vorurteile und soziale Distanz abbauen und Toleranz fördern sowie regionale Netzwerke zur Beratung und Hilfe stärken. Die Filme richten sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 27 Jahren, aber auch an Multiplikatoren wie Eltern, Lehrer und Berufsausbilder, an Sozialarbeiter, Therapeuten und Ärzte sowie an Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und ihre Angehörigen.

Von Donnerstag bis Mittwoch nächster Woche finden täglich 17 Uhr öffentliche Filmvorführungen statt, die Vormittagsangebote richten sich insbesondere an Schulklassen. Ich würde mich freuen, wenn das Festival die Resonanz erfährt die es verdient.  

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Andreas Bausewein