Ehrenbürgerwürde

30.11.2009 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, Joachim Otto Kaiser wird heute das Ehren­bürger­recht der Landes­haupt­stadt Erfurt ver­liehen. Eine Aus­zeich­nung, die seit der poli­tischen Wende nur vier Per­sonen zuteil wurde. Im Rahmen einer fest­lichen Sitzung des Erfurter Stadt­rates würdigen wir damit die Ver­dienste Joachim Otto Kaisers zum Wohle seiner Heimat­stadt.

Eine Ehrenbürgerschaft geht weit über das übliche Maß einer Auszeichnung hinaus. Sie ist ein Zeichen der Anerkennung, wie sie eine Kommune nicht eindrucksvoller vergeben kann. Mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts bringen die Stadträte – stellvertretend für die Erfurter Bürgerinnen und Bürger – außer­gewöhnlich enga­gierten Menschen gegenüber ihren Dank und die hohe Wertschätzung für die Verdienste für Erfurt zum Ausdruck. Joachim Otto Kaiser ist eine außerge­wöhnliche Persönlichkeit.

In erster Linie ehren wir heute einen begnadeten Künstler dieser Stadt. Herrn Kaiser wurde die künstlerische Ader von seinem Vater, dem Eisenkunstschmied Mitbegründer der Erfurter Kunstgewerbeschule Otto Kaiser, in die Wiege gelegt. In seiner 40-jährigen Tätigkeit schuf Joachim Otto Kaiser unzählige sakrale und viele Kunstgegenstände im weltlichen Bereich. Aber nicht nur als Künstler machte er sich einen Namen, sondern auch als Politiker: So war er einer der führenden Köpfe in den Wendejahren 1989/1990, engagierte sich im Erfurter Stadtrat und als ehrenamtlicher Beigeordneter für Kultur. Joachim Otto Kaisers Leben ist ein Leben für die Kunst und für seine Heimatstadt Erfurt – das ist aller Ehren wert.

Der Erfurter Stadtrat ist mit der Verleihung des Ehrenbürger­rechts immer sehr zurückhaltend umgegangen und gerade das macht den ganz besonderen Wert dieser Auszeichnung aus. Sie wurde nach der politischen Wende bisher nur vier Persönlichkeiten zuerkannt: 1992 erhielt der Bibliotheksrat i. R. Dr. Lorenz Drehmann diese hohe Auszeichnung. Die Stadt würdigte damit seine Verdienste bei der Förderung der Vereinigung der Heimattreuen Erfurter, seinen Einsatz bei der Erhaltung städtischer Denkmale und Kunstwerke und anerkannte sein Bemühen, Erfurter Bürger in ihrer Heimatstadt wieder heimisch werden zu lassen.

Im Jahre 1998 haben wir Gunda Niemann-Stirnemann – der erfolgreichsten Eis­schnellläuferin aller Zeiten – das Ehren­bürgerrecht verliehen. Die einmalige Bilanz ihrer sportlichen Laufbahn, ihr beispiel­haftes Auftreten in der Öffentlichkeit und ihr anhaltender Einsatz für die Belange unserer Stadt haben uns dazu bewogen. Seit dem Jahr 2002 ist der erfolgreiche Behindertensportler Andreas Müller Ehrenbürger. Er steht beispielhaft für ein selbstbestimmtes Leben, sportliche Fairness, das Streben nach Höchstleistungen und soziales Engagement. Die erste Ehrenbürgerurkunde die ich im Auftrag des Stadtrates übergeben durfte nahm 2006 Ilse Franke entgegen. Zwei Jahre zuvor machte sie ihrer Heimatstadt ein ganz beson­deres Geschenk:: Eine mehr als 14.000 Werke umfassende Grafiksammlung, die "Schenkung Rudolf und Ilse Franke", die wichtigste mäzenatische Gabe an die Stadt Erfurt seit den Tagen ihres großen Kunst- und Kulturförderers Alfred Hess.

Heute nun wird Joachim Otto Kaiser Ehrenbürger unserer Stadt. Sein Wirken ist eine Referenz an seine Heimatstadt Erfurt und ich bin stolz, ihn auszeichnen zu dürfen.

Ihr
 

Andreas Bausewein