Erinnern

10.05.2010 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, der eine oder andere von Ihnen wird sie viel­leicht schon gesehen haben, die über­großen Stelen mitten auf dem Anger. Sie bilden die Aus­stell­ung "Stoi – von Stalin­grad nach Weimar. 1942 - 1994" und wurden zum 65. Jahres­tag der Befrei­ung am Sams­tag auf­gestellt. 52 Jahre waren Sol­daten der 8. Garde­armee in Thüringen statio­niert, Jahre, die es sich genauer an­zu­schau­en lohnt!

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren es nicht die Soldaten der Russischen Armee, sondern Amerikanische Truppen, die in Erfurt einmarschierten. Ab 1944 ertönen auch in Erfurt immer häufiger die Luftschutzsirenen, durchschnittlich 8 bis 10 Stunden verbrachte die Bevölkerung pro Tag in den Luftschutzräumen der Stadt. Sie Situation verschlechterte sich noch, als am 1. April 1945 die Einheiten der 3. US-Armee westlich von Eisenach die thüringische Landesgrenze überschritten und sich innerhalb weniger Tage dem Erfurter Gebiet näherten. Am Nachmittag des 10. Aprils kam es zu massiven Tieffliegerangriffen, am folgenden Tag war Erfurt von den amerikanischen Truppen eingeschlossen und am 12. April 1945 besetzt.

Die amerikanische Militärverwaltung, sie bezog Quartier im Regierungsgebäude am Hirschgarten, blieb aber nur wenige Wochen. In Folge des 1. Londoner Zonen­protokolls und aufgrund der Beschlüsse der Konferenz von Jalta wurde Erfurt am 16. Juni Thüringen zugeordnet, woraufhin am 3. Juli Einheiten der sowjetischen Armee die Stadt übernahmen. Erfurt wurde Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone.

Der Krieg war vorbei, es kam zur Gründung von zwei Deutschen Staaten und es folgte die politische Wende 1989/1990. All die Jahre präsent, die 8. Gardearmee. Die Ausstellung "Stoi" dokumentiert das politisch diktierte Nebeneinander zwischen der Roten Armee und den Thüringern. Ein Nebeneinander mit vielen Facetten: von Angst und Misstrauen über verordnete Freundschaften bis hin zu zwischenmenschlichen Episoden. Nehmen Sie sich die Zeit, erinnern Sie sich und gewinnen Sie bisher weitgehende unbekannte Einblicke in dieses Kapitel deutsch-russischer Geschichte.

Blicken Sie zurück in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und auf das Kriegsende. Erinnern Sie sich an den Aufstand im Juni 1953 und seine Niederschlagung. Denken Sie zurück an den Kalten Krieg, rufen Sie sich die atomare Bedrohung ins Gedächtnis. Nutzen Sie die Möglichkeit, bisher unbekannte Einblicke in den Alltag des Kasernenlebens zu nehmen. Und vor allem, kommen Sie miteinander ins Gespräch.    

Eine Zeitung schrieb, die Stelen seien vom Rost der Zeit überzogen. Viele Jahre mussten vergehen, dass man sich in dieser Offenheit mit der Geschichte auseinander setzen kann. Bis Ende Mai haben auch Sie dazu Gelegenheit.

Ihr

Andreas Bausewein