Jüdisches Leben

25.10.2010 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, mit ihren drei Sy­na­gogen, dem Erfurter Schatz und der Mikwe weist die Landes­haupt­stadt einzig­artige Zeugnisse jüdi­schen Lebens auf. Zeugnisse, die nicht nur in der Vergangenheit liegen, sondern gegenwärtig sind, wie die Ordi­nierung des ersten Erfurter Rabbiners nach dem Zweiten Welt­krieg oder auch die Jüdisch-Israe­lischen-Kultur­tage zeigen.     

Erfurts jüdische Zeugnisse stehen nicht nur für die Vergangenheit des Judentums, über das Netzwerk "Jüdisches Leben Erfurt" sind sie in die Gegenwart eingebettet. Auch die jährlich stattfindenden Tage der jüdisch-israelischen Kultur hauchen diesem historischen Erbe Leben ein und geben allen Gästen einen Einblick in die Vielzahl jüdischer Lebenswelten. In diesem Jahr stehen die Tage der jüdisch-israelischen Kultur, die am 31. Oktober beginnen, unter dem Schwerpunkt "Israel und Europa". Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt – nicht nur wegen den generell einzigartigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, sondern insbesondere aufgrund der engen Beziehungen zu unserer Partnerstadt Haifa.

Wer sich für das jüdische Leben und gelebte jüdische Kultur interessiert, muss längst nicht bis Israel reisen – wenngleich ich Ihnen eine solche Reise nur empfehlen kann – all das kann man auch in der Landeshauptstadt kennenlernen und erleben. Die jüdische Landesgemeinde Thüringen zählt mehr als 800 Mitglieder, die meisten von ihnen leben in der Landeshauptstadt. An Gelegenheiten, unsere jüdischen Mitbürger kennenzulernen, mangelt es nicht. Ob in der Synagoge, bei Festen oder im Rahmen der Kulturtage – Gelegenheiten gibt es viele. Während der 18. Kulturtage erwarten Sie in sieben Thüringer Städten Vorträge, Lesungen und Konzerte, in denen das Land Israel und die jüdische Kultur in all ihren Facetten vorgestellt werden. Außerdem wird im Rahmen der Kulturtage eine weitere DenkNadel eingeweiht. Der Förderverein Alte & Kleine Synagoge e. V. leistet mit der Ausrichtung dieser Veranstaltungsreihe eine wichtige Arbeit für das kulturelle Leben in Erfurt.

Wenn Sie sich für die historischen Aspekte jüdischen Lebens in Erfurt interessieren, kann ich Ihnen einen Besuch der Alten Synagoge empfehlen. Bis zum 6. November ist dort auch die Sonderausstellung "Von pestbringenden Dämpfen und reiner Luft" zu sehen, durch die es am 29., 30. und 31. Oktober Sonderführungen gibt. Darüber hinaus wird am 26. Oktober – ein Jahr nach der feierlichen Eröffnung des Hauses – unter dem Titel "Erfurter Hebräische Handschriften" der dritte Band der Museumstrilogie der Alten Synagoge Erfurt präsentiert. Nach den Bänden 1 "Alte Synagoge und Mikwe" und 2 "Erfurter Schatz", widmet sich der dritte Band den erhaltenen schriftlichen Zeugnissen des jüdischen Gemeindelebens im mittelalterlichen Erfurt.  

Sie, die Erfurterinnen und Erfurter aber auch die Gäste unserer Stadt, sind herzlich eingeladen, sich auf Begegnungen bei den Kulturtagen, in der Synagoge und mit der jüdischen Gemeinde einzulassen und eine andere Kultur kennenzulernen.

Ihr
Andreas Bausewein