Erfordia helau

28.02.2011 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, liebe Närrinnen und Narren, die fünfte Jahres­zeit neigt sich ihrem Ende und damit zu­gleich ihrem Höhe­punkt ent­gegen. Täg­lich finden nun­mehr Karnevals­ver­an­stal­tungen statt und ziehen kostü­mierte Jecken durch die City. Schlips­träger seien darauf hin­ge­wiesen, dass am Donners­tag "die Weiber" los sind, am Sams­tag wird das Rat­haus gestürmt und am Sonn­tag findet der große Fest­um­zug statt.    

Wer denkt, Karneval sei eine Erfindung der Neuzeit oder habe sich erst in den Jahren nach der politischen Wende entwickelt, der irrt. Die karnevalistische Tradition der Landeshauptstadt reicht zurück bis ins Mittelalter. So sind bereits für das Jahr 1342 Fastnachtsveranstaltungen im Rathaus belegt. Nachdem in der Zeit der Reformation ein Fastnachtsverbot galt, wurde die Fastnachtstradition erst im 18. Jahrhundert wieder belebt. Der erste Erfurter Maskenball soll am 5. Februar 1704 in der Kurmainzischen Statthalterei stattgefunden haben. Die Feierlichkeiten zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch entwickelte sich auch für das Bürgertum zu einer festen Größe – in der Stadt und in den Ortschaften traf man sich zum Feiern, ähnlich wie heute.

In Folge des ersten Weltkrieges wurde das fastnachtliche Vergnügen untersagt und der Wiederbelebung in den 1930er Jahren mit dem ersten nachgewiesenen Erfurter Karnevalsumzug im Jahre 1934 bereitete der Zweite Weltkrieg ein Ende. Die Entwicklung des Faschings in der DDR verlief erst zögerlich, nahm aber schnell Fahrt auf. Sie führte nach der Gründung des Marbacher Karneval Clubs 1962 zu zahlreichen Gründungen, von denen die fünf tragenden Vereine im "Stadtarbeitskreis Karneval", dem Vorläufer der GEC, organisiert und dem Stadtrat für Kultur unterstellt waren. Mit der politischen Wende erfuhr das karnevalistische Vereinsleben einen regen Auftrieb, es wurden Kontakte zu Vereinen außerhalb Erfurts und zu den Karnevalshochburgen der alten Bundesländer geknüpft.  

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich Erfurt neben Wasungen zur zweiten Hochburg des Thüringer Karnevals entwickelt. Der Narrenfahrplan der GEC – Gemeinschaft Erfurter Carneval – gibt einen Überblick über das närrische Treiben in der Landes­hauptstadt und führt die Veranstaltungen der zwölf Mitgliedsvereine der GEC sowie die Termine des Prinzenpaares auf. Das Prinzenpaar, Prinzessin Silke IV. und Prinz Carsten I., führen die Narrenschar 2010/2011 unter dem Kampagnenmotto "Mit Rad und Dom gegen den Strom" an. Höhepunkt ihrer Amtstätigkeit ist der Festumzug am kommenden Sonntag, den die GEC gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisiert. In den letzten Jahren wuchs der Umzug auf rund 2600 Narren aus 60 Vereinen sowie Firmen an, die mit Festwagen und Fußgruppen durch die Erfurter Altstadt zogen und rund 100.000 Zuschauer an den Straßen erfreuen.

Ich würde mich freuen, wenn auch Sie am kommenden Sonntag dabei sind! Der Umzug startet um 13 Uhr vom Domplatz. Ich wünsche Ihnen eine närrisch gute Zeit und grüße Sie mit einem Erfordia helau

Ihr
 

Andreas Bausewein