Geschichte erleben

05.09.2011 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  gestern eröff­nete im Rahmen der Denk­mal­woche die mittel­alter­liche Mikwe hinter der Krämer­brücke. Damit wurde der Staffel­stab von den Bau­schaf­fenden an die Kultur­schaf­fenden über­geben. Das Interesse war riesig – mehr als 500 Landes­haupt­städter und Gäste unserer Stadt besuch­ten das jüdische Ritual­bad bereits am Tag seiner Einweihung.        

Als im Jahr 2007 die mittelalterliche Mikwe hinter der Krämerbrücke gefunden wurde, war das nicht nur eine Sensation für Erfurt, sondern eine Seltenheit von nationaler Bedeutung. In Deutschland gibt es nur wenige Ritualbäder aus dieser Zeit, beispielsweise in Speyer, Worms, Köln oder auch Sondershausen. Dass diese nunmehr um den Erfurter Mikwen-Fund ergänzt werden, ist eine Besonderheit, die nicht nur in Wissenschaftlerkreisen für Aufmerksamkeit sorgte, sondern auch auf überregionale Medienresonanz stieß.

Das Bewusstsein der Landeshauptstädter, der Experten und der Medienvertreter für das mittelalterliche jüdische Erbe Erfurts hat sich in den letzten Jahren enorm geschärft. Einen wesentlichen Anteil daran trägt die Alte Synagoge, die im Oktober 2009 eröffnete und die in einem direkten Zusammenhang zur mittelalterlichen Mikwe steht, denn beide geben Aufschluss über das alltägliche und religiöse Leben der jüdischen Gemeinden Erfurts. Diese Bauwerke sowie das sogenannte "Steinerne Haus" sind einmalige authentische Bauzeugnisse und damit von Bedeutung für unsere Pläne zur Unesco-Bewerbung. Dem jüdischen Teil der Erfurter Geschichte wird schon heute große Bedeutung zugemessen. Mit der Aufnahme auf die Unesco-Weltkulturerbeliste, würde ihnen eine noch größere Würdigung zuteil.

Im Rahmen der Denkmalwoche werden weitere Führungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten angeboten. Die Denkmalwoche steht in diesem Jahr unter dem Motto "Fundamente" und ermöglicht Ihnen bis zum 11. September ungewöhnliche Einblicke in Erfurts größte kulturelle Schätze – seine Denkmale. Das Motto wurde angeregt durch die Lutherdekade 2017. Zum Einen sind Fundamente in ihrer technischen Dimension als die Basis jeder Baukonstruktion ein äußerst interessantes und vielfältiges Themenfeld für die Denkmaltage. Zum Anderen sollen Fundamente auch die Auseinandersetzung im philosophischen Sinne anregen – mit der Suche nach den Grundsteinen für die Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit und deren Facetten. Auch die Themen der vergangenen Jahre – Türme, Keller, Form und Funktion, Glocken, Brücken, Parkanlagen, öffentliche Bauten, Klöster, Krieg und Frieden, Die Franzosen kommen, Sakral, Zu Gast, Avantgarde, Glaubenszeichen – sind wieder Programmbestandteile.  

Nutzen Sie die Angebote der Denkmalwoche und besuchen Sie darüber hinaus die Sonderausstellung in der Alten Synagoge, in der Peter Seidel unter dem Titel "Ganz rein! Jüdische Ritualbäder" Fotografien von jüdischen Ritualbädern aus ganz Europa präsentiert.  

Da ich in der kommenden Woche erstmals unsere chinesische Partnerstadt Xushou besuche, lesen Sie an dieser Stelle erst wieder am 19. September von mir. Bis dahin eine gute Zeit und viele Grüße  

Ihr
 

Andreas Bausewein