Erfordia Helau!

13.02.2012 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  die Karnevals­saison ist voll im Gange und das karnevalis­tische Treiben strebt seinem Höhe­punkt entgegen – dem Umzug durch die histo­rische Alt­stadt am kom­menden Sonn­tag. Bis dahin finden nun fast täglich Faschings­veran­stal­tungen statt und sind viele Karne­valis­ten unterwegs – in der Stadt und ins­beson­dere in den Ort­schaften. Alle Krawatten­träger seien noch darauf hinge­wiesen, dass am Donners­tag die "Weiber" los sind… 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mich an das närrische Volk erst gewöhnen musste. Aber mittlerweile sind mir die vielen Aktiven der unzähligen Erfurter Vereine ans Herz gewachsen und jeder Saison sehe ich mit großer Spannung entgegen: den Tanzdarbietungen der Garden, den Bands und vor allem natürlich den Büttenreden, in denen auch ich immer wieder mein Fett weg kriege.

So sehr der eine oder andere Witz unter die Gürtellinie gehen mag, die Büttenredner schauen dem Volk "aufs Maul" und bringen genau das zur Sprache, was die Erfurterinnen und Erfurter bewegt. Klar, dass sie dabei weder vor der "großen" noch vor der "kleinen" Politik haltmachen. Und so ist es nur logisch, dass in diesem Jahr auch die anstehende OB-Wahl thematisiert wird – sowohl bei den Prunksitzungen als auch beim Karnevalsumzug. Erste Bilder vom Festwagen des Komitees der Gemeinschaft Erfurter Carneval wurden ja bereits veröffentlicht.  

Wer glaubt, Karneval sei eine neuzeitliche Erfindung oder sei erst nach der Wende nach Erfurt gekommen, der irrt. Die karnevalistischen Wurzeln der Erfurter reichen zurück bis ins Mittelalter: So sind bereits für das Jahr 1342 Fastnachts­veranstaltungen im Rathaus belegt. Nachdem in der Zeit der Reformation ein Fastnachtsverbot galt, wurde diese Tradition im 18. Jahrhundert wieder belebt. Der erste Erfurter Maskenball soll am 5. Februar 1704 in der Kurmainzischen Statthalterei stattgefunden haben. Die Feierlichkeiten zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch entwickelte sich auch für das Bürgertum zu einer festen Größe – in der Stadt und in den Ortschaften traf man sich zum Feiern, ähnlich wie heute.  

In Folge des ersten Weltkrieges wurde das fastnachtliche Vergnügen untersagt und der Wiederbelebung in den 1930er Jahren mit dem ersten nachgewiesenen Erfurter Karnevalsumzug im Jahre 1934 bereitete der Zweite Weltkrieg ein Ende. Die Faschingsversuche in der DDR verliefen erst zögerlich, nahmen dann aber schnell Fahrt auf. Sie führte nach der Gründung des Marbacher Karneval Clubs im Jahr 1962 zu zahlreichen Gründungen. Auf die politische Wende folgte ein weiterer Schub, zahlreiche Kontakte zu Vereinen außerhalb Erfurts und zu den Karnevalshochburgen der alten Bundesländer wurden geknüpft und bereichern das karnevalistische Leben in der Landeshauptstadt.

Feste Größe im Erfurter Karneval ist das Prinzenpaar. In dieser Saison führen Prinzessin Tanja I. und Prinz Jan Helge I. die Narrenschar unter dem Campagnen­-Motto "Ohne Atom – unter Strom" äußerst energiegeladen und mit vielen kreativen Ideen an. Höhepunkt ihrer Amtstätigkeit ist der Festumzug am kommenden Sonntag ab 13 Uhr, den die GEC gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisiert.

In den letzten Jahren wuchs der Umzug auf mehr als 2600 Narren aus 60 Vereinen sowie Firmen an, die mit Festwagen und Fußgruppen durch die Erfurter Altstadt zogen und rund 100.000 Zuschauer an den Straßen erfreuen.

Ich würde mich freuen, wenn auch Sie am kommenden Sonntag dabei sind, wünsche Ihnen eine närrisch gute Zeit und grüße Sie mit einem Erfordia Helau!

Ihr
 

Andreas Bausewein