Okzident und Orient auf den Domstufen

09.07.2012 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,  das Bühnen­bild, eine riesige Düne, steht, die Proben laufen auf Hoch­touren, die Premiere für die 19. Dom­Stufen-Fest­spiele des Theaters Erfurt steht ins Haus. In diesem Jahr erwartet die Besucher eine Begeg­nung zwischen Okzident und Orient: "Die Lom­barden" von Giuseppe Verdi werden in diesem Sommer auf der wohl schönsten Open-Air-Bühne des Frei­staates aufgeführt. Die sakrale Kulisse von Marien­dom und Severi­kirche steht im Kontrast zu dem kargen Wüsten­land Jerusalem, das die Muslime vertei­digen und die Christen erobern möchten.   

Die DomStufen-Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum, mit Giuseppe Verdi. "Die Lombarden" mit dem Libretto von Temistocle Solar ist ein frühes und weitgehend unbekanntes Werk Verdis, es erweist sich aber ausgesprochen aktuell: Der Begriff "Kampf der Kulturen" wurde zwar erst Ende des letzten Jahrhunderts geprägt, dieser Konflikt jedoch ist so alt wie die Menschheits­geschichte.

Bei den diesjährigen DomStufen-Festspielen geht es um große Gefühle, um Verrat und um Vergebung. Und es geht um die Liebe. Sie heizen bestehende Konflikte an, aber sie setzen sich auch darüber hinweg. So wie die Christin Giselda, die den muslimischen Oronte liebt. Und wie der religiöse Fanatiker Arvino, der seinem Bruder Pagano auf dessen Sterbebett schließlich verzeiht.  

Liebesduette und Arien, vor allem aber die großen Chorszenen und das beeindruckende und zugleich schlichte Bühnenbild machen die am Donnerstag beginnenden Festspiele zu einem unvergesslichen Opernerlebnis. "Die Lombarden", die im vergangenen Sommer bei den St. Galler Festspielen Premiere feierten und hoch gelobt wurden, enden mit einem Sieg der Kreuzritter in Jerusalem. Doch der Religionskonflikt ist damit nicht beendet – weder bei Verdi noch aktuell. Und so lade ich die Erfurter Festspiel-Gäste zu einer Open-Air-Inszenierung ein, die zwar nach drei Stunden endet, deren Thematik aber nachhallt.  

Eine ganz gegensätzliche Figur erwartet das junge Publikum der DOMINO-Festspiele. Pippi Langstrumpf, eine der berühmtesten Figuren der Kinderliteratur, öffnet die Türen ihrer Villa Kunterbunt und erlebt gemeinsam mit Thomas und Annika, ihrem Pferd und ihrem kleinen Affen Herrn Nilsson allerhand Abenteuer. Das Musical von Georg Riedel verspricht jede Menge Spaß – nicht nur für die jungen Gäste, sondern auch deren Eltern, die die Erinnerungen an ihre Kindheitsabenteuer aufleben lassen können.  

Für beide Inszenierungen gibt es noch Karten, allerdings werden sie langsam knapp. Ich wünsche allen Besuchern der DomStufen-Festspiele unterhaltsame Stunden in der Landeshauptstadt Erfurt, an die Sie sich noch lange und gut erinnern mögen.

Ihr
 

Andreas Bausewein