Helau zur fünften Jahreszeit

04.02.2013 00:05

Liebe Erfurterinnen und Erfurter,

die Karnevals­saison ist voll im Gange und das karnevalis­tische Treiben strebt seinem Höhe­punkt entgegen – dem Umzug durch die histo­rische Alt­stadt am kom­menden Sonn­tag. Bis dahin finden nun fast täglich Faschings­veran­stal­tungen statt und sind viele Karne­valis­ten unterwegs – in der Stadt und in den Ort­schaften.

Andreas Bausewein
Foto: Andreas Bausewein Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Auch ich habe die ersten Karnevalsveranstaltungen hinter mir und kann resümieren, dass das närrische Volk in diesem Jahr besonders feierwütig zu sein scheint. Ich selbst musste mich nach meinem Amtsantritt vor sechs Jahren, das ist ein offenes Geheimnis, erst an das närrische Volk und seine Gewohnheiten gewöhnen. Aber mittlerweile sind mir die vielen Aktiven der unzähligen Erfurter Vereine ans Herz gewachsen und jeder Saison sehe ich mit großer Spannung entgegen: den Tanzdarbietungen der Garden und Tanzgruppen, den zahlreichen Bands und den Büttenreden, in denen auch ich immer wieder mein Fett weg kriege.

So sehr der eine oder andere Witz unter die Gürtellinie gehen mag, die Büttenredner schauen dem Volk "aufs Maul" und bringen genau das zur Sprache, was die Erfurterinnen und Erfurter bewegt. Klar, dass sie dabei weder vor der "großen" noch vor der "kleinen" Politik haltmachen. "Rette uns wer kann!" lautet das Motto der Gemeinschaft Erfurter Karneval in diesem Jahr. Wie es guter Brauch ist, erwidere ich zum Karnevalsauftakt am 11.11. einen Reim auf das Motto der Saison – und der begann in dieser Kampagne so:

Zu Recht nennt man Euch Narrenvolk,
wenn Ihr gerettet werden wollt.
Selbst ist der Narr, lautet die Devise,
nicht nur, aber vor allem, in Zeiten der Krise.

Und Krisen sind heute längst nicht nur lokal,
sie greifen um sich, auch global.
Ein Schirm soll unsren Euro retten,
wie’s ausgeht – darauf will ich nicht wetten,

Für Obama kam Sandy im rechten Moment.
Doch wer rettet uns wenn der Haushalt brennt?
Löcher so groß wie ein Schweitzer Käse,
Dank Minister Voß haben wir die Maläse.
Da helfen weder Sandy noch Schirm,
da helfen nur Kreativität und Hirn.

Den Haushalt für 2013 müssen wir meistern,
die anstehenden Kürzungen werden niemanden begeistern,
sicher ist: ohne Einschnitte wird es nicht gehen,
ich hoffe, auch unsere Stadträte werden das verstehn.

Wer übrigens glaubt, Karneval sei eine neuzeitliche Erfindung oder gar erst nach der Wende nach Erfurt gekommen, der irrt. Die karnevalistischen Wurzeln der Erfurter reichen zurück bis ins Mittelalter: So sind bereits für das Jahr 1342 Fastnachts­veranstaltungen im Rathaus belegt. Auch in der DDR wurde Fasching gefeiert. Eine Ausstellung in der Sparkasse am Fischmarkt widmet sich diesem Stück Karnevalsgeschichte.

In dieser Saison wird das Erfurter Narrenvolk übrigens von Prinz Jürgen I. und Prinzessin Anja I. angeführt. Höhepunkt ihrer Amtstätigkeit ist der Festumzug am kommenden Sonntag, den die GEC gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisiert und der 13 Uhr auf dem Domplatz startet. In den letzten Jahren wuchs der Umzug auf mehr als 2600 Narren aus 60 Vereinen sowie Firmen an, die mit Festwagen und Fußgruppen durch die Erfurter Altstadt ziehen und jährlich rund 100.000 Zuschauer an den Straßen erfreuen.

Getreu dem diesjährigen Motto noch ein letzter Reim: Ob Neben-, Vorder- Hintermann, ein jeder rette wen er kann! In diesem Sinne, Ihnen allen eine schöne Faschingszeit, ich würde mich freuen, wenn auch Sie am kommenden Sonntag dabei sind. Närrische Grüße und ein herzliches Erfordia helau!

Ihr

Andreas Bausewein