Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb

09.05.2007 00:00

Im Jahr 2001 wurde der Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb erstmalig ausgeschrieben. Der Wettbewerb entsprang einer Initiative des Erfurter Studentenzentrums Engelsburg und der Kulturdirektion Erfurt. Dass der spätmittelalterliche "Dichterkönig" und Erfurter Professor für Sprache, Poesie und Rhetorik an der Erfurter Universität dem Wettbewerb seinen Namen gegeben hat, ist nicht nur eine lokale Reminiszenz. In der Erfurter Engelsburg diskutierte der junge und lebensfrohe Dichter mit seinen Freunden über Dichtkunst, Zeitgeschehen und Politik, sodass sie bald nur noch "Poetenburg" genannt wurde.

Es ist das Anliegen der Initiatoren, dass mit dem Schreibwettbewerb die Engelsburg auch zukünftig ein Zentrum literarischer Produktivität und kritischer wie konstruktiver Diskussion bleibt. In diesem Sinne soll der Wettbewerb Gelegenheit zu kritischer gesellschaftlicher und  literarischer Auseinandersetzung für junge Autoren mit der Gegenwart bieten.

Am Wettbewerb können Bewerberinnen und Bewerber aus ganz Thüringen teilnehmen, die zwischen 15 und 35 Jahre alt sind. Es können Texte aller literarischen Genres eingesandt werden. Jede Einsendung kann nur ein Genre umfassen. Der Umfang für Prosatexte soll fünf Schreibmaschinenseiten bzw. für Lyrik drei Gedichte nicht überschreiten. Die Texte sollen in 6-facher Ausführung ohne Namenskennzeichnung eingesandt werden. Den Einsendungen bitte eine kurze Darstellung der Lebensdaten (Geburtsdatum, Adresse/E-Mail, gegenwärtige Tätigkeit, bisherige literarische Aktivitäten) anfügen.

Einsendeschluss ist der 3. September 2007.

Die anonymisierten Einsendungstexte werden von einer Jury durchgesehen und bewertet. Die Jury besteht aus: Ingrid Annel (Autorin, Erfurt), Marion Fritzsche (Lehrerin, Gebesee), Ellen Zschiesche (Thüringer Kultusministerium), Stefan Schütz (Autor, Erfurt) und Georg Egloff (Sparkasse Mittelthüringen). Die Jury fasst ihre Beschlüsse durch einfache Mehrheit.

Insgesamt werden 7 Preise mit einem Gesamtwert von 1.650 Euro vergeben. Der 1. Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird von der Stadt Erfurt vergeben; der 2. Preis (400 Euro ) wird von der Sparkasse Mittelthüringen und der 3. Preis (300 Euro) vom Förderverein der Engelsburg vergeben. Aus den 3 nachplatzierten Texten wird am Abend der Preisverleihung der Publikumspreis gewählt (150-Euro-Büchergutschein für Buch-Habel). Außerdem werden vom Thüringer Kultusministerium drei Förderpreise für Schülerinnen und Schüler der Thüringer Regelschulen und Gymnasien vergeben (jeweils 100 Euro).

Von der Wettbewerbsjury werden besonders die Arbeiten in die engere Auswahl einbezogen, deren Autorinnen und Autoren es vermögen, sich über das Schreiben kreativ auszudrücken und die eigene Erlebniswelt literarisch zu durchdringen, die mit ihren Arbeiten die Wirklichkeit poetisch in Gedanken fassen und die in literarischen Bildern von unserer Zeit, unserer Gegenwart und unserer Zukunft zu erzählen vermögen. Die Bewerber/innen sollen sich mit ihren literarischen Beiträgen um künstlerische Eigenständigkeit und persönliche Authentizität bemühen. Die Beiträge sollen zur kritischen literarischen Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen und Auffassungen der Gegenwart beitragen. Die Preisverleihung findet am 1. November in der Erfurter Engelsburg statt.

Der Wettbewerb wird vom Studentenzentrum Engelsburg und der Stadt Erfurt veranstaltet. Unterstützt wird er vom Thüringer Kultusministerium, der Sparkasse Mittelthüringen, der Universität Erfurt, der Universitätsgesellschaft Erfurt und Buch-Habel. Medienpartner sind Thüringer Allgemeine und Radio F.R.E.I.. Der Wettbewerb ist in die »Leseinitiative« des Thüringer Kultusministeriums eingebettet.

Einsendungen sind zu richten an: Studentenzentrum Engelsburg, Stichwort: Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb, Allerheiligenstraße 20/21, 99084 Erfurt, oder per E-Mail an: hessus@eburg.de

Ausschreibung und Infos unter: http://www.hessus.eburg.de/

Helios Eobanus Hessus (1488-1540) war eines der erstaunlichsten poetischen Naturtalente des deutschen Humanismus. 1504 an der Erfurter Universität immatrikuliert, fand der junge Poet im Kreise Gleichgesinnter seine geistige Heimat. Der "Hessische Knabe" wurde zum Stolz der Dichtkunst. Aufgenommen und gefördert im Kreis der ersten Generation der Humanisten um Nicolaus Marschalk und Conradus Mutianus, entwickelte Hessus Persönlichkeit und Individualität. Begleitet von liebevoller Kritik erblühte in der Erfurter Poetenschule sein literarisches Talent, seine angeborene Begabung, Wortfülle und grazile Sprache. Alsbald als Dichter verehrt und gefeiert, verkörperte er ein Stück europäischer Identitätsgeschichte. Indem Hessus als Universitätsprofessor für klassische Sprache, Poesie und Rhetorik 1517 dann im zweiten Mutianischen Kreis die führenden Repräsentanten des Erfurter Humanismus in der Erfurter Engelsburg um sich versammelte und sich in seinen Werken auch politischen Themen zuwandte, trat er gemeinsam mit Ulrich von Hutten gewissermaßen an die Spitze der nationalen Richtung innerhalb des deutschen Humanismus. Den "Reuchlinschen Streit", den Höhepunkt des geistigen Machtkampfes zwischen Scholastik und Humanismus, empfanden die Erfurter Humanisten als Angriff gegen alle Freunde der Wissenschaft. In den "Epistolae obscurorum virorum2 ("Dunkelmännerbriefe") geißelten humanistische Autoren mit unvergleichlichem Spott Dummheit, Unbildung und Heuchelei, gaben Pfaffentum wie Mönche der Lächerlichkeit preis und versetzten die gelehrte Welt Europas in helle Aufregung. Wichtige Indizien legen die Beteiligung solcher jungen Humanisten wie Crotus Rubianus, Eobanus Hessus, Ulrich von Hutten und Peter Eberbach am verfassen dieser unübertroffenen Satire des 16. Jahrhunderts nahe. Kritische Auseinandersetzungen zwischen altem und neuen Denken, der Gegensatz zwischen Aberglaube und Wissenschaft sowie Pflege der Sprache charakterisierte das Streben der Humanisten. In Ihrem Ringen um religiöse Toleranz, für die unantastbare Würde des Menschen, um Vernunft und humanistische Bildung und in ihrem Streben nach individueller Freiheit liegen die Wurzeln unseres heutigen Wertekanons. Eobanus Hessus war ein Meister der Sprachkunst. Seine umfassende Bildung war Voraussetzung dafür, seine Gedanken und Sichtweisen ausdrücken zu können. Seine Sprachmacht ermöglichte es ihm, seinen Lesern ein Bild vom Glück der individuellen Selbstbestimmung, der Schönheit des Lebens, von Liebe, Lust, Gerechtigkeit und Frieden zu zeichnen. Hessus verbindet ursprüngliche Kraft und Fülle der Empfindung und des Ausdrucks mit Gelehrsamkeit. Er ergreift engagiert das Wort für seine Wertvorstellungen und vermittelt so den Geist für gesellschaftliche Veränderungen.