Qualitätszertifizierte Erfurter Volkshochschule geht gut aufgestellt ins neue Semester

23.01.2008 00:00

Im Jahr 2007 konnte die Volkshochschule ihr Angebot stabilisieren und im Kernbereich weiter festigen. Allerdings muss - dem allgemeinen Trend in Thüringen folgend - ein Rückgang an Teilnehmern, Unterrichtsstunden und Kursen konstatiert werden.

Personell hatte die Volkshochschule im Jahr 2007 einen gehörigen Aderlass zu verzeichnen. Neben dem Wechsel in der Leiterposition von Peter Kinsinger zu Torsten Haß befindet sich die Neubesetzung vakanten Bereichsleiterstelle Sprachen nunmehr kurz vor dem Abschluss. Vor allem der Wegfall zweier Stellen in der internen Verwaltung und der weitere Abbau einer Stelle im Bereich der Schülerakademie sowie Langzeiterkrankungen haben die Arbeit innerhalb der VHS erschwert. Die gesamte Arbeit liegt nunmehr auf den Schultern von neun Mitarbeitern. Dies entspricht einer Halbierung der Mitarbeiterzahl in den letzten zehn Jahren.
Angesichts von 4 796 Teilnehmern, 585 Kursen und 194 Dozenten ein nahezu unmögliches Unterfangen. Nur durch ein weit überdurchschnittliches Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters und Dozenten und durch den Einsatz von Lehrlingen und Praktikanten war die Aufrechterhaltung und Fortentwicklung des Kursangebotes überhaupt noch möglich.
Große Hoffnungen ruhen nun auf dem neu gebildeten Amt für Bildung. Hier sollen Aufgaben neu geordnet, Abteilungs- und Einrichtungsabläufe gestrafft und Schwerpunkte neu gesetzt werden.

Der städtische Zuschuss im Bereich der Volkshochschule betrug 2007 insgesamt 142.597 Euro. 77,6 Prozent der Kosten der VHS konnten durch Gebühren und den Landeszuschuss gedeckt werden.
Um den Zugang zur VHS allen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen und um den Erwerb von Schulabschlüssen für die Erfurterinnen und Erfurter überhaupt noch bezahlbar zu machen, verzichtet die Stadt auf weitere Einnahmen in Höhe von 44.000 Euro von 56 Schülern, 75 Studenten, 40 ALG II-Beziehern und 110 Teilnehmern, die einen Schulabschluss anstreben. Hier leistet die VHS entsprechend ihres Bildungsauftrages und des Erwachsenenbildungsgesetzes eine erhebliche sozialpolitische Arbeit und ermöglicht Erfurterinnen und Erfurtern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in ihrer Stadt, so dass der eigentliche Kostendeckungsgrad in der VHS bei 84,5 Prozent lag.
Im Bereich Schülerakademie/Malschule schulterte die Stadt 198.173 Euro. Wobei hier nur 19,9 Prozent der Kosten durch Gebühren und den Landeszuschuss gedeckt werden konnten. Das Land fördert hier seit Jahren konstant mit einem Projektzuschuss von 8.000 Euro. Ein Hauptgrund, warum sich nur noch Erfurt die einzige kommunale Kinder- und Jugendmalschule Thüringens leisten kann und muss. In diesem Bereich werden die Angebote von etwa 10 Prozent der Teilnehmer kostenfrei besucht, da sie aufgrund Sozialpass bzw. ALG II-Bezug der Eltern frei gestellt sind. Auch hier leisten die beiden Einrichtungen für diese 116 Kinder und Jugendlichen einen unschätzbaren gesellschaftliche Arbeit. Der Kostendeckungsgrad würde ansonsten bei 22,2 Prozent liegen. In diesem Bereich ist anzumerken, dass sowohl die Schülerakademie, als auch die Erfurter Malschule mittlerweile nur noch von jeweils einer Person hauptamtlich betreut, organisiert, geplant und abgesichert werden.

Das Einsparpotential ist in allen Bereichen der VHS ausgereizt und kann nur noch mit Leistungseinschnitten und Abbau von Angeboten erkauft werden. Dies ist aber angesichts der gesellschaftspolitischen Entwicklungen und der aktuellen Hortdiskussion, der Strategien und Forderungen nach lebenslangem Lernen und der Funktion der Volkshochschule als Begegnungs-, Lern- und Bildungsstätte undenkbar.

Im Jahr 2008 werden in der Volkshochschule folgende Kurse neu aufgelegt:

  • Bürgerhaushalt Erfurt: Was sie schon immer zu den städtischen Finanzen wissen wollten
  • Sprachkurse Thailändisch und Kurdisch
  • Line-Dance
  • Vorträge über Alaska, Neuseeland, Chile u. a.

Daneben werden bereits ab dem Frühjahrssemester Kurse zur Altersvorsorge und zur Riester-Rente angeboten, die nicht im Jahresprogramm enthalten sind. Im Herbstsemester wird die VHS weiterhin einen Kurs zum Thema "Wie funktioniert eigentlich Kommunalpolitik" für interessierte Bürgerinnen und Bürger und eventuelle Kandidaten zur Kommunalwahl 2009 anbieten. Ebenfalls in Vorbereitung sind Kurse zum Thema "Pokern" und "Skat-Spielen" für Einsteiger.
Daneben wird die VHS Erfurt spätestens im 2. Halbjahr damit beginnen, Integrationskurse und Einbürgerungstests nach der neuen Integrationskursverordnung durchzuführen.