"Bilderbogen" und "Vom Boot aus": Ekkehard Franz und Lothar Hammer im Kulturhof Krönbacken

16.04.2008 00:00

Ekkehard Franz "Vom Boot aus"
Geboren 1947 im Harzort Dedeleben, schloss der Künstler nach einer Lehre als Orgelbauer in Bautzen 1975 ein Studium an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle (Saale) als Diplom-Designer ab und wurde im gleichen Jahr Mitglied des Verbandes Bildender Künstler.
Seit 1976 freiberuflich in Thüringen, seit kurzem in Quedlinburg ansässig, faszinierte ihn neben der Malerei das Arbeiten mit Holz, so dass über Jahre hinweg immer auch Objekte - Schatullen, Truhen, Schränke, Wandobjekte bis hin zu baubezogenen Arbeiten - und szenografische Installationen entstanden. Seinen Schwerpunkt setzte er daher langjährig im Kunsthandwerk. Auf dieses Spektrum seiner Möglichkeiten greift er auch in der thematischen, stärker auf Malerei orientierten Ausstellung "Vom Boot aus" zurück und schreibt dazu selbst: "Das Boot – ein Ort, der es erlaubt, auf bequeme Art und Weise zu sehen, zu beobachten, Erlebtes festzuhalten als Bild oder Erinnerung. Das Boot – ein Ort, an dem ich mich einrichten kann, der mich ohne Mühe trägt, von dem aus ich zum Ufer hin rufen und winken kann. Das Boot – ein Ort, der mir erlaubt, das Ufer und das Geschehen dort mit Abstand zu betrachten, unbeteiligt daran vorbei zu gleiten und beliebig das auszuwählen, was mir bedeutend erscheint, um es dann als Bild festzuhalten. Das Boot – ein Ort, der von der Strömung mitgerissen, zu schnell an allem vorbei gleitet, wo nichts mehr zu notieren oder festzuhalten ist, nur Fetzen der Erinnerung kein Ganzes mehr entstehen lassen. Das Boot – ein Ort, der irgendwo strandet, wenn Nebel oder Krankheit mir die Sicht nehmen. Das Boot – ein Ort, mit dem ich Schiffbruch erleiden kann. Was, wenn ich im Sturm das rettende Ufer erreichen muss und angewiesen bin auf Hilfe in der Not und habe aber vorher Hilferufe vom Ufer her nicht beachtet ..."
Die Ausstellung überrascht mit vielfältigen, unerwarteten bildnerischen Interpretationen dieser Gedanken. Weitere Informationen unter http://www.franzdesign.de/
Lothar Hammer "Bilderbogen"
Immer war er tätig! Wenn er nicht wissenschaftlich arbeitete, so hat er gemalt. Farbkasten, Stifte und Kreiden, auch eine kleine Flasche Wasser trug er stets bei sich, weil er gewappnet sein wollte für den Augenblick, wo er das Bildmotiv für sich entdecken würde, das seine zeichnerische Lust anzuregen und seine Freude am phantasievollen bildnerischen Fabulieren zu wecken verstand. So sind wohl unzählige Malereien, Zeichnungen und Skizzen entstanden, zumeist Bilder auf kleinem Format, die das künstlerische Lebenswerk von Lothar Hammer heute krönen.
Darunter finden sich zahlreiche Motive thüringischer Landschaften, aber auch städtischer und dörflicher Architektur, See- und Bergwelten, die er auf seinen Reisen an die Ostsee oder in ferne Länder erfasst hat, wir finden Blumen und Tiere, Früchte und Gegenstände als Stillleben komponiert und immer wieder Menschen: im Zirkus, im Museum, an der See, in vielfältigen Bewegungen und Beziehungen, lustvoll und feinsinnig humorvoll beobachtet.
Der große Meister des kleinen Bildformats hat in seinen Bildern das Alltägliche zum Besonderen erhoben, das Bewahrenswerte anschaulich gemacht, und er lehrt uns beim Betrachten, die Vielfalt der Erscheinungen in der Natur und der Kunst, den Reichtum an Farben und Formen genauer zu sehen und tiefer zu erleben. Seine persönliche Beziehung zur Welt, zum Menschen und zur Natur ist ihm stets Ausgang und Motivation für sein unbeirrtes künstlerisches Schaffen und seine optimistische Lebenshaltung gewesen.
Lothar Hammer gehörte zur Generation der Neulehrer, die nach dem furchtbaren Krieg, selbst noch sehr jung, nach kurzer Ausbildung Schüler unterrichten mussten. Bei allen Schwierigkeiten waren es für ihn, wie er immer betonte, die "schönsten Jahre seines Lehrerdaseins und Kunst das Lieblingsfach", für das er seine Schüler zu begeistern verstand.
Als er in Erfurt 1952 den Einjahresfachlehrgang Kunst erfolgreich absolviert hatte, blieb er in dieser Stadt und an der späteren Pädagogischen Hochschule. In seiner wissenschaftlichen Entwicklung hat er sich 1969 promoviert, 1974 habilitiert und wurde zwei Jahre später in Erfurt zum Professor für Kunstmethodik berufen. Ganze Kunsterziehergenerationen und junge Wissenschaftler/innen in der DDR hat er ausgebildet.
Dabei ist er seinem Bedürfnis nach eigener künstlerischer Produktivität täglich nachgekommen, ohne die anderen Aufgaben und Pflichten je zu vernachlässigen. Die Verbindung von wissenschaftlicher Aktivität und künstlerischer Kreativität war für Lothar Hammer Lebenselexier und   kennzeichnend für seine persönliche Einstellung. Als Mensch und als Kunsterzieher war er den Studierenden Vorbild. Obwohl anerkannter Wissenschaftler, hat er sich immer als Maler verstanden: "Die Freude, die mich trägt, ist das Malen. Hier versuche ich mich auszudrücken, indem ich Farben in Formen verwandle, die ich dann immer in eine Ordnung bringe…"
Mit dieser Ausstellung soll der Kunstpädagoge Prof. Dr. Lothar Hammer ( 2007) als Künstler in seiner Vielseitigkeit und Besonderheit vorgestellt und gewürdigt werden. Er wäre am 29. Juni in diesem Jahr 80 Jahre geworden.
Vernissage Ekkehard Franz: 02.05.2008, 18:00 Uhr Untergeschoss
Vernissage Lothar Hammer: 02.05.2008, 19:00 Uhr Obergeschoss
Ausstellungsdauer der beiden Ausstellungen : 02.05.2008 - 01.06.2008