Carillon - Konzert am Glockenspiel im Bartholomäusturm Erfurt

29.08.2008 00:00

Am Samstag, dem 30. August 2008 können wieder alle Passanten und Konzertfreunde zwischen 16:00 und 16:45 Uhr dem Carillon des Bartholomäusturmes lauschen.

Der Carillonneur Wilhelm Ritter aus Kassel lässt 45 Minuten die "Glocken klingen".
Carillon - Konzert am Glockenspiel im Bartholomäusturm? Was ist das? Worin liegt der Unterschied zwischen einem Carillon und einem Glockenspiel? Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen einem Cello und einem Streichinstrument: Glockenspiel ist der Überbegriff. Ein Carillon besitzt wenigstens 24 Bronzeglocken, die über einen Spieltisch mit Manual und Pedal von einem Carillonneur (oder Carillonneuse) angeschlagen werden. Der Anschlag mit Fäusten und Füßen erfolgt differenziert: mit Gefühl laut oder leise.

Das Glockenspiel im Erfurter Bartholomäusturm verfügt über 60 Glocken, die 1979 von der Firma Schilling in Apolda gegossen wurden. Das Gesamtgewicht der Bronzeglocken beträgt 13 Tonnen und 570 kg. Einschließlich Glockenstuhl, Spieltisch und Traktur (Verbindungen zwischen Spieltisch und Glocken) wiegt das Glockenspiel über 20 Tonnen. Es darf damit als das schwerste Musikinstrument Erfurts angesehen werden - es zu spielen ist es ebenso.
1992 wurde zusätzlich eine automatische Abspielvorrichtung eingebaut: computergesteuerte Magnethämmer schlagen, ohne differenzierte Stärke, die Glocken an. Täglich 10, 12 und 18 Uhr, im Anschluss an den Stundenschlag, sind verschiedene Melodien zu hören.
Wann hört man das Carillon? Leider kann nur selten konzertant gespielt werden. In den Sommermonaten, an jedem zweiten Samstag, von 16:00 bis 16:45 Uhr, erklingt das Carillon, gespielt vom Carillonneur Dr. Jürgen Buchner aus Würzburg. Die besten Konzertplätze bieten die Dachterrassen der Umgebung.
Das Carillon erklingt auch zu besonderen Anlässen, z.B. gemeinsam mit den Turmbläsern im Advent.
Die eingangs gestellte Frage nach dem Unterschied von Glockenspiel und Carillon wurde von der Fachfrau Margarete Schilling anschaulich und klar so beantwortet: automatisch ausgelöste Glockenspiele verhalten sich zu Carillons wie überdimensionale Spieldosen zu Konzertinstrumenten.