Erfurter Bach-Tage und Thüringer Bachwochen

27.03.2009 10:12

Anfang und Ende aller Musik pünktlich zum Geburtstag eines der größten Tonschöpfer dieser Welt, startet Erfurt sein Bachfest am 21. März 2009 mit einem Konzert im Rat­hausfestsaal. Nur wenige Tage später starten dann in schöner Symbiose am 4. April 2009 die Thüringer Bachwochen mit ihrem Konzertreigen in allen Thüringer Bachstädten.

Die Erfurter Bach-Tage und die Thüringer Bachwochen ergänzen sich so auf wunderbare Weise durch ihre unterschiedliche konzep­tionelle Ausprä­gung. Während die Erfurter Bach-Tage vorrangig den städtischen Be­zug und die regionale Musiktradition in den Mittelpunkt stellen, verpflichten die Thüringer Bachwochen insbesondere international anerkannte Künstler­persönlichkeiten und den hoffnungsvollen Nachwuchs.

Damit tragen beide Festivals arbeitsteilig zur Pflege einer großen Musik­tradition an den bachschen Wurzeln bei. Erfurt kann in das Bachfestival authentische Bachorte - die Lebens- und Wirkungsstätten seiner Vorfahren - einbringen:

Denn keine Stadt war so sehr mit der Familie verbunden, wie die heu­tige Landeshauptstadt Thüringens. Das Musikleben Erfurts wurde im 17. Jahrhundert maßgeblich von zahlreichen Mitgliedern der Familie Bach mitbestimmt, von denen drei nacheinander die Leiter der Erfurter Ratskapelle waren. Die Söhne von Johann Bach dem Spielmann (gest. 1626), Johann (1604-1673) - der 1635 nach Erfurt kam - und Christoph (1613-1661) begründeten im 17. Jahrhundert den musikalischen Ruf der Bache in Erfurt.

Die Erfurter Kaufmannskirche könnte eigentlich auch die Bachkirche sein, denn 61 Kinder sind von den Bachen hier getauft worden, 12 Bachpaare haben sich hier das Jawort gegeben und auf diesem Fleck sind auch alle begraben. In Erfurt lebten die meisten Mitglieder der Fa­milie und von hier aus hat sich die Dynastie über ganz Mitteldeutsch­land verbreitet. Johann Egydius (1645-1717) wurde Direktor der Rats­musik und Organist der Michaeliskirche. Sein Bruder Christoph (1613-1661) kam 1642 nach Erfurt. Dessen Sohn Johann Ambrosius (1645-1695) heiratete in der Kaufmannskirche die Erfurterin Elisabeth Läm­merhirt. 1671 zieht das Paar nach Eisenach, wo 1685 ihr fünfter Sohn Johann Sebastian (1685-1750) geboren wird. Johann Sebastian prüfte 1716 die Orgel der Augustinerkirche. Johann Christoph Bach (1671-1721), ältester Bruder von Johann Sebastian, war in Erfurt Schüler von Johann Pachelbel, dem Organisten der Predigerkirche.

Johann Gottfried Walther - ein Verwandter Johann Sebastians - war an der Erfurter Thomaskirche tätig. Johann Christian Lebrecht Kittel wurde als letzter Bachschüler 1756 Organist der Barfüßer- und kurz darauf der Predigerkirche.

Vom 21. März bis zum 26. April werden nun 12 Konzerte und 9 thematische Stadtführungen stattfinden.

Auch in diesem Jahr wird das Festival einen abwechslungsreichen Bogen spannen: Tradition und Neues, lokale Künstler und weitgereiste Gäste, Solisten und Ensembles, Kirchenmusik und weltliche Musikliteratur werden die Erfurter und die Gäste auf den Spuren Johann Sebastian Bachs erle­ben können.

Völlig "Bach in Erfurt" ist das Auftaktkonzert am 21. März um 17 Uhr im Rathausfestsaal, in dem Frieder Gauer und weitere Künstler Johann Sebastian als Familienmensch nicht allein nur musikalisch, sondern auch mit vielen Überlieferungen und Anekdoten vorstellen.

Das Lokale des Festivals wird in einer ganzen Reihe von Konzerten sehr bewusst betont, indem durch die Programmatik und Stückauswahl sowie durch die beteiligten Künstler ein enger Bezug zu Erfurt gesucht wird. Hierzu zählen auch die Konzerte am 10. April um 17 Uhr in der Regler­kirche, am 12. April um 16 Uhr im Refektorium des Predigerklosters und am 26. April um 10 Uhr in der Predigerkirche.

Ein Schwerpunkt im Erfurter Programm ist auch in diesem Jahr wie­der den Kindern gewidmet. Schon lange ausverkauft sind die beiden Konzerte "Bach für Kinder" im Rathausfestsaal. Und auch Vital Julian Frey, der junge Schweizer Cembalist, der schon mit den bekanntesten Orchestern gespielt hat, wird noch vor seinem Konzert im Rathausfestsaal Erfurter Schüler in einer ganz besonderen Unterrichtsstunde begeistern.

Max Reger war der Meinung: "Bach ist der Anfang und das Ende aller Musik". Eines steht zumindest fest, wohl jeder Komponist oder Musiker ist in die Schule von Johann Sebastian Bach gegangen. Sicherlich auch die beiden, deren Jubiläen in diesem Jahr weltweit gefeiert werden - Joseph Haydn (1732-1809) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), die für das Erfurter Bachfestival Anlass sind, über den musikalischen Tellerrand zu schauen. Eines der gefragten Quartette der jungen Generation - das Minguet-Quartett - wird am 11. April um 19:30 Uhr eine Brücke über den Kontrapunkt von Bach zu Haydn und Mendelssohn schlagen.

Die zweite Klammer von Bachkonzerten in Erfurt ist die intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Verein Thüringer Bachwochen e. V., in dem die Stadt Mitglied und Mitfinanzierer ist. Diese Konstellation ermög­licht es, dass Erfurt innerhalb des Verbundes der Thüringer Bachstädte auch in diesem Jahr wieder namhafte Künstler und Ensembles, herausra­gende Interpretationen und das Abschlusskonzert der Thüringer Bach­wochen erwarten kann:

  • Calmus Ensembles Leipzig, eines der führenden Vocalensembles,
    5. April um 17 Uhr, Kaufmannskirche
  • Vital Julian Frey, Wegbereiter einer neuen Cembalistengeneration
    23. April um 19:30 Uhr, Rathausfestsaal
  • Ulrich Walther, Preisträger des Bach/Liszt Orgelwettbewerbes 2008
    24. April um 19:30 Uhr, Cruciskirche
  • Gabriela Montero , ehemals Wunderkind und heute verzaubernde Pianistin
    25. April um 20 Uhr, Theater Erfurt
  • Rilke Ensemble & Silvius von Kessel, Abschluss der Bachwochen
    26. April um 19:30 Uhr, Dom St. Marien  

Insgesamt avanciert das Programm in seiner Verbindung von lokalem Colorit und überregionalem musikalischen Anspruch zu einem Festival mit einem besonderen Glanz, welches den Vergleich zu anderen Musikereig­nissen in Thüringen und darüber hinaus nicht scheuen braucht.
Dieses Programm drückt auch das gewachsene Selbstbewusstsein Erfurts als Bachstadt aus.

Um die Linien zwischen Bach und Erfurt kennen zu lernen, wird es auch in diesem Jahr wieder thematische Stadtführungen unter dem Titel "Die Bache in Erfurt" geben. Treffpunkt hierfür ist jeweils zweieinhalb Stunden vor den Konzerten die Touristinformation am Benediktsplatz 1. Diese von der Touris­mus GmbH Erfurt organisierten Führungen gelten gleichzeitig als eine Art "Vorprogramm" zu den einzelnen Konzerten. Sie enden immer eine halbe Stunde vor Konzertbeginn am jeweiligen Veranstaltungsort.

Möglich wird dieses umfangreiche Programm der Erfurter Bach-Tage ins­besondere durch die finanzielle Unterstützung der Sparkasse Mittelthürin­gen, welcher der besondere Dank gebührt.