Aktionstage "Frei leben - ohne Gewalt"

16.11.2010 15:30

25. November – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. Alljährlich am 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt.

Hintergrund für die Entstehung des Aktionstags war die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung der Geschwister Patria, Minerva und Maria Teresa durch Soldaten des Diktators Trujillo Jahr 1960 in der Dominikanischen Republik . Seit dem 25. November 1981 wird weltweit durch Aktionen, Veranstaltungen und Tagungen von Frauenprojekten und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder aufgerufen.
Die Stadtverwaltung Erfurt unterstützt die Veranstaltungen der jährlichen Aktionswoche. So wie in 850 deutschen Städten und Gemeinden wehen in dieser Zeit die Fahnen der Frauenrechtsorganisation Terre des femmes vor dem Erfurter Rathaus.

Aktionsbündnis gegen Gewalt an Frauen
Im Oktober 1990 wurde am Erfurter Buchenberg die erste Frauennotwohnung der Stadtverwaltung Erfurt eröffnet. Aus dem Frauenbüro der Stadtverwaltung kam die Initiative dazu, das erste Geld für die Einrichtung der Wohnung bewilligte der Oberbürgermeister noch persönlich. Das hat sich bis heute – 20 Jahre später- geändert. Geblieben ist die Verbindung der Verwaltungsspitze zum Thema durch die Frauenbeauftragte, Birgit Adamek, und die Verankerung der Antigewaltarbeit im Kriminalpräventiven Rat der Stadt in der Projektgruppe Häusliche Gewalt.

Die erfolgreiche Taschentücheraktion im Oktober 2009 veranlasste uns zur Fortsetzung. Besser als mit Flyern, kamen Mitarbeiterinnen aus Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen mit Passanten ins Gespräch, bestätigten den hohen Bedarf an Beratung und Unterstützung mit Beispielen aus ihrer unmittelbaren Nähe. Straßenaktionen sind deshalb für uns der richtige Weg, unsere Aufklärungs- und Informationsarbeit fortzusetzen.

Türhänger mit der Aufschrift "Frei leben - ohne Gewalt" sind in den diesjährigen Aktionstagen in den Einrichtungen, Ämtern der Stadtverwaltung, im Bürgerservice zu finden. In Arztpraxen, Kaufhäusern und Gaststätten fragen die Mitglieder der Projektgruppe an, ob die Türhänger in dieser Zeit an Türen und Kleiderhaken Platz finden. Sportbetrieb, Radio F.R.E.I. sind auch mit Plakaten ausgestattet, die auch am 100 Litfaßsäulen zu finden sind.

Gemeinsam vorbereitet, gemeinsam finanziert, gemeinsam durchsetzen!
Die Auftaktveranstaltung an diesem Freitag, dem 19. November um 13 Uhr im Festsaal des Rathauses unterstreicht die Notwendigkeit, häuslicher Gewalt konsequent zu begegnen und wendet sich an alle Partner in der Zusammenarbeit.

Mit dem Aufzeigen von Schnittstellen sollen die Kooperationen verbessert werden, das Miteinander im Vordergrund stehen. Das betrifft den Frauenschutz, den Kinderschutz, die Opferbetreuung und die Täterarbeit gleichermaßen. Viele Hellfeldstatistiken in verschiedenen Bereichen machen das Ausmaß deutlich: in der familienpädagogischen Hilfe, im Schlupfwinkel, Fälle in den FZ und FH, im Kinderschutz, in der Interventionsstelle, bei Einsätzen der Polizei …

Notwendig ist diese "Nabelschau", weil sich zum Jahresende ein anerkannter Träger der Frauenschutzarbeit aus der aktiven Arbeit zurückzieht: die Schwestern vom Guten Hirten. Seit 18 Jahren leisten sie in Erfurt an 365 Tagen im Jahr professionelle Frauenschutz- und Kinderschutzarbeit, haben Möglichkeiten der anonymen Geburt realisiert, das Projekt Ausweg kreiert. Schwester Benedikta, die 1991 nach Erfurt kam, wird an diesem Tag mit dem Ehrenbrief und der Ehrenmedaille der Landeshauptstadt ausgezeichnet.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter
19. bis 26.11.2010 Fahnenaktion "Frei leben ohne Gewalt", Rathaus
Frauenbüro Erfurt auf Initiative von Terre des Femmes

19.11.2010, 11.00 Uhr Livesendung Radio F.R.E.I. zur Verabschiedung der Schwestern vom Guten Hirten, Schw. Martina, B. Adamek, D. Bauer

19.11.2010, 13.00 Uhr Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche "Nein zu Gewalt gegen Frauen", Rathaus, Festsaal, Frauenbüro Erfurt, Stadtverwaltung

22.11.2010, 17.00 Uhr Was kostet wohl ein Sternenhimmel?, Theaterstück gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution, Kleine Synagoge/Ausländerbeauftragte, Frauenbüro Stadtverwaltung

23.11.2010, 18.00 Uhr Die "begeisterten Mägde", Vortrag, Regierungsstraße 28/Brennessel e. V. - Zentrum gegen Gewalt an Frauen

23.11.2010, 17.00 Uhr FrauenPolitischer Salon im FrauenZentrum Erfurt/Häusliche Gewalt - 20 Jahre nach dem Wendeherbst, Pergamentergasse 36

25.11.2010, 17.00 Uhr Lichteraktion "Ein Licht für jede Frau", Alter Angerbrunnen/Brennessel e. V., Aktionsbündnis Gegen Gewalt an Frauen im KPR

25. bis 26.11.2010 Internationale Konferenz "Gemeinsam gegen häusliche Gewalt", Kalisz (PL); Erfurt wird vertreten von B. Adamek, Schw. Martina und Edith Kirchhof, Opferbeauftragte PD Erfurt

Gewalt ist keine Privatsache
Gewalt gegen Frauen und Mädchen gilt als schwere Verletzung ihrer Menschenrechte. Häusliche Gewalt, Frauenhandel und bewaffnete Konflikte bedrohen sie allein aufgrund ihres Geschlechts.
Gewalt im Geschlechterverhältnis ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Gesundheit von Frauen. Seit der Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 ist das Thema "Gewalt gegen Frauen" auf jeder frauenpolitischen Agenda zu finden.

Die Unterdrückung von Frauen ist die älteste Unterdrückungsform, die bis heute einen der zentralen Widersprüche unserer Welt darstellt. Trotzt unglaublicher Entwicklungen, die die Menschheit bislang zu verzeichnen hat, ist es nicht gelungen, die Gleichstellung der Frau zu erreichen. Körperliche, sexuelle, psychische, ökonomische, soziale und politische Gewalt gegen Frauen sind weiterhin an der Tagesordnung.
Die Unterdrückung der Frau hat verschiedene gewaltsame Gesichter: Frauen werden unter dem Vorwand der Ehre, der Eifersucht, ja sogar "aus Liebe" ermordet. Genitalverstümmelung bei Frauen, Hinrichtung durch Steinigungen, Frauenhandel und Zwangsprostitution, Zwangsehen, Vergewaltigung etc. stellen nur die Spitze des Eisberges dar. Die Diskriminierung von Frauen geht sogar soweit, dass Frauen das Recht, geboren zu werden, entzogen wird. Presseberichten zufolge wurden allein in Indien innerhalb der letzten 20 Jahre 10 Millionen weibliche Embryos abgetrieben.

In der Bundesrepublik Deutschland wurden die Unterstützung und der Schutz der Opfer von häuslicher Gewalt verbessert, aber nach wie vor erlebt jede vierte Frau körperliche, seelische und/oder sexuelle Gewalt.

Auch die Thüringer Landesregierung hat ein Maßnahmepaket gepackt mit vielen Einzelmaßnahmen, die schon lange nur mit kommunaler Beteiligung laufen.
In den Staatsanwaltschaften wurden Sonderdezernate für "Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung" eingerichtet, das Landeskriminalamt erließ Richtlinien für die polizeiliche Bearbeitung von Sexualstraftaten gegen Frauen. Der Weiße Ring etablierte sich in Kommunen und Landkreisen als gefragte Anlauf- und Kontaktstelle für die Opferhilfe. Mit einer Richtlinie wurde der Aufbau eines mittlerweile ausgedünnten Netzes an Frauenschutzeinrichtungen in freier Trägerschaft unterstützt. Seit 2009 unterstützt die Landesregierung mit einem festen Zuschuss das ambulante Beratungsangebot, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung für insgesamt 20 Betreuungsplätze.

In Erfurt gehören die Schutzangebote für Frauen und Kinder je her zu pflichtigen Leistungen und legt mehr als das Dreifache drauf. Das ist beispielhaft für Thüringen.