Historische Gewölbebrücke in Marienthal

06.04.2011 16:38

Zu Beginn der neuen Fahrradsaison wird dem einen oder anderen Radfahrer aber auch vielen Interessierten auffallen, dass die neben dem beliebten Rastpunkt in Marienthal befindliche historische Gewölbebrücke baulich verändert wurde. Augenscheinlichstes Merkmal ist der Austausch des Kalksteinpflasters der Brücke durch einen bituminösen Fahrbahnaufbau. Was steckt hinter dieser Maßnahme?

Die Marienthalbrücke, erbaut 1752, besaß zum Ende der DDR-Zeit einen tristen baulichen Zustand. Fehlende Gelder, knappe Baustoffe, aber auch teilweise mangelndes Interesse an dem Baudenkmal ließen die Brücke allmählich zerfallen. Mit der deutschen Einheit wurde es möglich, dass dem Bauwerk mehr Aufmerksamkeit zuteil werden konnte. So hat die Gemeinde Ingersleben zu Beginn der 1990er Jahre eine Sanierung der Brücke in Auftrag gegeben. Diese Maßnahme prägte das Bild der Brücke bis heute. Mit der Gebietsreform 1994 wurde die Stadt Erfurt durch die Eingemeindung Molsdorfs Miteigentümer des Brückenbauwerks, welches bis dahin sowohl der Gemeinde Ingersleben als auch der Gemeinde Molsdorf gehörte. Fortan wurde durch das Tiefbau- und Verkehrsamt der Stadt Erfurt die Verwaltung, bauliche Unterhaltung und auch regelmäßige Zustandsprüfung des Bauwerks durchgeführt. Durch die kontinuierliche Überwachung der Brücke wurden recht schnell die noch vorhandenen statischen und konstruktiven Schwachpunkte der Gewölbebrücke deutlich. Diese führten über die letzten 17 Jahre zu immer stärker werdenden Schäden am Bauwerk. So wiesen die Gewölbe klaffende Risse auf, durch die oben einsickerndes Wasser unten wieder heraus lief. Der Fugenmörtel besitzt eine sehr schlechte Qualität und auch die Steine der Gewölbe zeigten, dass die Zeit nicht schadlos an ihnen vorüber gegangen war. Zudem führten die zunehmenden statischen Probleme zu Verlusten an der alten Bausubstanz. Leider, und das ist das traurige Resümee, hat die Sanierung in den 1990er Jahren die grundlegenden baulichen Probleme des Bauwerks nicht gelöst, in einigen Punkten wurden sie sogar verschärft.

Nach Auswertung der Ergebnisse der Brückenüberwachung und der durch die Stadt Erfurt beauftragten genauen Untersuchung des Baukörpers wurde deutlich, soll das Bauwerk noch lange als bauhistorisches Denkmal erhalten bleiben, so müssen kurzfristige Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Brücke ergriffen werden. So wurde die Notsicherung des Bauwerks, nach Abstimmung mit der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt,   noch vor dem harten Winter 2010/11 durch eine fachlich versierte Firma durchgeführt. Bei den Arbeiten wurde die Gründung der Brücke stabilisiert, ein Spannanker hält die auseinander treibenden Stirnmauern zusammen und die Steinausbrüche wurden saniert. Wichtigste Aufgabe war aber, den ungehinderten Zutritt des Oberflächenwassers in das Bauwerk zu verhindern. In Anbetracht der Zeitnot und des nur temporären Einsatzes fiel die Entscheidung auf den Einbau einer bituminösen Fahrbahn. Nur sie gewährte unter den herrschenden Randbedingungen einen Erfolg unter Schonung der historischen Substanz. Bei den Arbeiten wurde penibel darauf geachtet, dass keine unumkehrbaren Tatsachen geschaffen werden. So wurde zum Beispiel das Kalksteinpflaster geborgen und sicher im Straßenbetriebshof der Stadt Erfurt bis zum Wiedereinbau eingelagert. Das eine Notsicherung nicht alle Auflagen im denkmalpflegerischen Sinn erfüllen kann, ist vor dem Hintergrund der Rettung des Baudenkmals das kleinere Übel.

Nach Fertigstellung einer Sanierungsplanung und vorbehaltlich der ausreichenden Verfügbarkeit von Geldern, soll die Gewölbebrücke wieder so instandgesetzt werden, dass sowohl das gewohnte Bild der Brücke wieder entsteht als auch alle denkmalpflegerischen Belange berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang sollen alle konstruktiven und statischen Probleme so gelöst werden, dass man sich noch sehr lange an dem historischen   Brückenbauwerk erfreuen kann.