Josel von Rosheim (1478 bis 1554) zwischen dem Einzigartigen und Universellen. Ein engagierter Jude im Europa seiner Zeit und im Europa unserer Zeit

09.03.2012 11:52

Am Montag, dem 12. März 2012, eröffnet die Kleine Synagoge um 19:30 Uhr die Sonderausstellung "Josel von Rosheim (1478 bis 1554) zwischen dem Einzigartigen und Universellen. Ein engagierter Jude im Europa seiner Zeit und im Europa unserer Zeit." Anlässlich der Eröffnung des deutsch-französischen Kooperationsprojekts unterzeichnen Bürgermeisterin Tamara Thierbach und Prof. Dr. Freddy Raphaël, Professor für Soziologie, einen Kooperationsvertrag zwischen Erfurt und Strasbourg. Außerdem sprechen die Leiterin der Begegnungsstätte Kleine Synagoge, Ines Beese, sowie Bertrand Leveaux, der Leiter des französischen Kulturbüros in Thüringen. Dr. Werner Transier, der das Ausstellungsprojekt wissenschaftlich betreut, hält einen Vortrag über das Leben und Wirken von Josel von Rosheim.

Bei der Ausstellung "Josel von Rosheim" handelt es sich um ein deutsch-französisches Kooperationsprojekt, das in Erfurt erstmalig in seiner deutschen Version gezeigt wird. Die Ausstellung wird bis 29. April 2012 in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge zu sehen sein und danach auf Wanderschaft gehen. Die Begegnungsstätte Kleine Synagoge verleiht sie von Erfurt aus an weitere Einrichtungen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Nächste Station der deutschsprachigen Ausstellung nach Erfurt ist Speyer.

Die Ausstellung "Josel von Rosheim" wurde von einem Team an französischen und deutschen Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Freddy Raphaël und Dr. Werner Transier erarbeitet. In Frankreich wurde sie bereits in Rosheim gezeigt und wird ab Mai 2012 in Strasbourg zu sehen sein.
Josel ben Gerschon von Rosheim (1478-1554) ist eine herausragende jüdische Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Er unterhielt enge Verbindungen zu Kaiser Karl V., die er nutzte, um die Rechtsstellung und Sicherheit der Juden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in einer Zeit des Umbruchs zu schützen. Die Reformation, die seit 1517 das Reich religiös zunehmend spaltete, führte zu tiefgreifenden Veränderungen, die sich zum Teil in gewalttätigen Übergriffen äußerten. In dieser Zeit wurden jüdische Gemeinden des Reiches häufig in die Position eines Sündenbocks gedrängt.
In Kooperation mit dem Historischen Seminar der Universität Erfurt wurde das Begleitprogramm "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" erarbeitet. Sieben Vorträge von Erfurter Doktoranden und Studierenden stellen unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Prof. Sabine Schmolinsky Beziehungen zwischen der Sonderausstellung und der Erfurter Stadtgeschichte her. Aber auch für Schulklassen bietet sich ein vertiefter Einblick in das Thema der Ausstellung. Für die Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 können begleitend zur Ausstellung ein Projekttag, ein Rollenspiel oder eine "Talk-Show" zur Vermittlung der Ausstellungsinhalte gebucht werden.