Einflüsse des Erfurter Rats auf das jüdische Quartier und die Universitätsgründung: Vortrag im Begleitprogramm der Sonderausstellung

13.03.2012 14:13

Am Dienstag, dem 20. März 2012 findet um 19:30 Uhr ein weiterer Vortrag des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Das deutsch-französische Kooperationsprojekt wird durch begleitende Vorträge um regionale Bezüge ergänzt. Das Begleitprogramm "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" besteht aus insgesamt sieben Vorträgen, die Promovierende und Studierende der Universität Erfurt sowie Erfurter Historikerinnen und Historiker erarbeitet haben.

Der zweite Vortrag des Begleitprogramms der Referentin Tanja Reumschüssel und des Referenten Tobias Zober zeigt die Einflüsse des Erfurter Rats auf das jüdische Quartier und die Universitätsgründung: Denn der Erfurter Stadtrat entwickelte im Laufe des 14. Jahrhunderts zunehmend obrigkeitliche Tendenzen und nahm Einfluss auf die Geschicke der jüdischen Bevölkerung. Nach dem Pogrom von 1349 und mit der Wiederansiedlung ab 1354 verschlechterte sich die rechtliche Stellung der zweiten jüdischen Gemeinde erheblich. Sie befand sich fast völlig unter der Aufsicht des Rates und die Mitglieder der Gemeinde wurden 1389 zum Bürgerrechtserwerb verpflichtet, um in der Stadt leben zu können. Der Rat gestaltete in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Umgebung des Rathauses als repräsentativen Ort der Stadt um. Mit der Gründung der Universität im Jahre 1392 gelang es dem Rat durch die Stiftungsurkunde des Kardinallegaten Philipp von Alle ç on, ein wissenschaftliches Zentrum in der Mitte Deutschlands zu etablieren.

Die Referentin Tanja Reumschüssel studierte Geschichts- und Literaturwissenschaft an der Universität in Erfurt. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Erfurt, wo sie derzeit promoviert. Der Referent Tobias Zober studierte Geschichts- und Staatswissenschaften an der Universität in Erfurt und promoviert ebenfalls seit 2011 an selbiger Universität.

Das Begleitprogramm "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" wurde in Kooperation zwischen dem Historischen Seminar der Universität Erfurt und der Begegnungsstätte Kleine Synagoge erarbeitet. Sieben Vorträge von Erfurter Promovierenden und Studierenden stellen unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Sabine Schmolinsky und Dr. Reiner Prass Beziehungen zwischen der Sonderausstellung "Josel von Rosheim", der Erfurter Stadtgeschichte und der Geschichte im Deutschen her.

Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen je um 19:30 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der Platzkapazitäten können nur Sitzplätze für 60 Personen garantiert werden. Deswegen empfiehlt sich frühzeitiges Erscheinen.