Das Ende der zweiten jüdischen Gemeinde in Erfurt

14.03.2012 14:09

Am Donnerstag, dem 22. März 2012 findet um 19:30 Uhr ein weiterer Vortrag des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Prof. Dr. Sabine Schmolinsky und Dr. Maike Lämmerhirt sprechen im Rahmen des Begleitprogramms "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" über das Ende der zweiten jüdischen Gemeinde in Erfurt. Das Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" besteht aus insgesamt sieben Vorträgen, die Promovierende und Studierende der Universität Erfurt sowie Erfurter Historikerinnen und Historiker erarbeitet haben.

Den dritten Vortrag des Begleitprogramms halten die Mittelalterhistorikerin Dr. Maike Lämmerhirt und die wissenschaftliche Betreuerin des Begleitprogramms Prof. Dr. Sabine Schmolinsky. In ihrem Vortrag zeigen die beiden Referentinnen die Ursachen und Hintergründe des Endes der zweiten Erfurter jüdischen Gemeinde auf. Denn: Die Sonderausstellung "Josel von Rosheim" zeigt anhand dieser bedeutenden jüdischen Persönlichkeit jüdisches Leben im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. Jahrhundert auf - einer Zeit, in der es in Erfurt ein Niederlassungsverbot für Juden gab.

Nach dem Pogrom von 1349 ließ der Erfurter Rat zwar bald wieder Juden in Erfurt siedeln. Durch starken Zuzug entwickelte sich die jüdische Siedlung zu einer der größten jüdischen Gemeinden ihrer Zeit. Diese kam in ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung der Gemeinde vor 1349 gleich. Doch wirtschaftliche Krisen und hohe Steuerlasten führten vor allem nach 1430 zur Abwanderung von Juden. Ab 1453 bemühte sich der Stadtrat aus religiösen, aber auch wirtschaftlichen Gründen um eine Aufkündigung des Judenschutzes. Im Jahr darauf hatten die Juden Erfurt bereits verlassen.

Die Referentin Dr. Maike Lämmerhirt studierte Mittelalterliche Geschichte, Neuere Geschichte und Kunstgeschichte. Sie promovierte in Mittelalterlicher Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu dem Thema " Juden in den wettinischen Herrschaftsgebieten : Recht, Verwaltung und Wirtschaft im Spätmittelalter". Die Referentin Prof. Dr. Sabine Schmolinsky studierte Germanistik, Geschichte, Politologie/Soziologie und Philosophie. Seit 2009 ist sie Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Erfurt. In dieser Funktion betreut sie das Begleitprogramm "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" wissenschaftlich.

Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen je um 19:30 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der Platzkapazitäten können nur Sitzplätze für 60 Personen garantiert werden. Deswegen empfiehlt sich frühzeitiges Erscheinen.