Martin Luther und Andreas Osiander. Zwischen Antijudaismus und "Religionsfreiheit"?

21.03.2012 13:21

Am Donnerstag, dem 29. März 2012 findet um 19:30 Uhr ein weiterer Vortrag des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Franziska Turre und Annemarie Pfeiffer sprechen im Rahmen des Begleitprogramms "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter" über Martin Luther und Andreas Osiander sowie deren Einstellungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung.

Martin Luther und Andreas Osiander waren Zeitgenossen, Kollegen und Freunde, die sich als Reformatoren in ihren Wirkungsbereichen für die gleichen Ideale einsetzten. Doch in ihrer Positionierung der jüdischen Bevölkerung gegenüber hoben sie sich klar voneinander ab. Martin Luther zeichnete sich im Laufe seines Lebens scheinbar durch kontroverse Äußerungen bezüglich der jüdischen Bevölkerung aus und forderte in seinen späteren Schriften ihre Vertreibung. Andreas Osiander hingegen befürwortete ein friedliches und tolerantes Miteinander der Religionen. Er vertrat unter anderem die Ansicht, dass Aspekte der jüdischen Religionslehre den Christen dazu verhelfen könnten, zur Intensivierung ihres Glaubens zu gelangen. Außerdem ging er maßgeblich auf den bereits seit dem Mittelalter existierenden Vorwurf des "Ritualmords" ein, welchen er als erster Reformator durch stichhaltige Argumente entkräftete und sich somit aktiv für das Judentum einsetzte.
Der Vortrag von Franziska Turre und Annemarie Pfeiffer gibt einen Einblick in die unterschiedlichen Standpunkte der beiden Reformatoren und verdeutlicht deren Gesinnungen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" statt. Die Vortragsreihe besteht aus insgesamt sieben Vorträgen, die Promovierende und Studierende der Universität Erfurt sowie Erfurter Historikerinnen und Historiker erarbeitet haben.
Die Referentin Franziska Turre studierte Geschichtswissenschaft und evangelische Religionslehre. Nach ihrem Bachelorabschluss setzte sie im Wintersemester 2011 ihr Studium der Geschichtswissenschaft im Masterstudiengang an der Universität Erfurt fort. Seit 2011 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Mittelalterliche Geschichte. Annemarie Pfeiffer studierte Geschichtswissenschaft und Religionswissenschaft. Im Winter 2011 nahm sie ihr Studium im Masterstudiengang Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt auf.

Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen je um 19:30 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der Platzkapazitäten können nur Sitzplätze für 60 Personen garantiert werden. Deswegen empfiehlt sich frühzeitiges Erscheinen.