Hebraismus-Streit und Humanismus. Die Dunkelmännerbriefe und ihre zeitgenössische Auswirkung

23.03.2012 14:31

Am Dienstag, dem 27. März 2012 findet um 19:30 Uhr ein weiterer Vortrag des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Nicole Ambrozus und Anne Weinbrecht führen in den Hebraismus-Streit, die Dunkelmännerbriefe und deren zeitgenössische Auswirkungen ein. Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms "Zusammenleben und Ausgrenzen. Jüdisch-christliche Beziehungen seit dem Mittelalter", das begleitend zur Sonderausstellung "Josel von Rosheim" in der Kleinen Synagoge stattfindet.

Der Hebraismus-Streit war eine Auseinandersetzung in der Gelehrtenwelt des frühen 16. Jahrhunderts. Auslöser war die Forderung des zum Christentum konvertierten Juden Johannes Pfefferkorn, alle jüdischen Schriften zu konfiszieren und zu vernichten. Gegen diese Wissensvernichtung setzte sich der Jurist Johannes Reuchlin, gleichzeitig Begründer des deutschen Hebraismus, zur Wehr. Die Auseinandersetzung entwickelte eine Eigendynamik, entfacht durch unterschiedliche Positionen der involvierten Gelehrten, die sich letztendlich bis auf die Reichsebene ausbreitete. Ihren Höhepunkt fand die Kontroverse in der Veröffentlichung der "Dunkelmännerbriefe", welche jedoch mehr ein Kampf des Humanismus gegen die Scholastik war, als eine Bewertung des jüdischen Schrifttums. Die Briefe, die ihren Ursprung im Erfurter Humanistenkreis hatten, zählen dabei zu den gelungensten Beispielen der humanistischen Satire. Sie zielten nicht auf Breitenwirkung, sondern waren als Amüsement an einen eng begrenzten Kreis der europäischen Bildungselite adressiert.

Die Referentin Nicole Ambrozus studierte Germanistik, Religionswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Seit 2011 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit an der Universität Erfurt. Anne Weinbrecht studierte Geschichtswissenschaft und Religionswissenschaft. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Erfurt. Beide Referentinnen sind derzeit mit ihren Promotionsprojekten beschäftigt.

Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen je um 19:30 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der Platzkapazitäten können nur Sitzplätze für 60 Personen garantiert werden. Deswegen empfiehlt sich frühzeitiges Erscheinen.