22. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in elf Thüringer Städten: Programm-Höhepunkte in Erfurt

21.10.2014 10:13

Am 24. Oktober beginnen die 22. Tage der jüdisch-israelischen Kultur, an denen sich elf Thüringer Städte beteiligen. Mehr als die Hälfte der insgesamt 70 Veranstaltungen finden in der Thüringer Landeshauptstadt statt und sind das Ergebnis einer engen Kooperation mit der Stadtverwaltung.

Die Kulturtage, in den letzten Jahren hauptsächlich vom Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. getragen, verstehen sich in diesem Jahr erstmalig als ein Projekt des Netzwerkes für jüdisches Leben in Thüringen.

Das Schwerpunktthema lautet: „Zwischen Orient und Okzident: Sephardim in der Diaspora“. Gemeint sind die spanischen Juden („Sephardim“ ist von der hebräischen Bezeichnung für Spanien [Sfarád] abgeleitet), die 1492 aus Spanien und wenige Jahre später aus Portugal vertrieben wurden. Sie siedelten sich daraufhin vor allem in den arabischen Ländern, im Osmanischen Reich und in den großen Handelszentren Westeuropas an.

In den davor liegenden ca. 700 Jahren muslimischer Herrschaft in Al-Andalus und in den christlich beherrschten Gebieten des heutigen Spanien gab es lange Zeitabschnitte des Miteinanders von Christen, Muslimen und Juden. Im verklärten Rückblick muss das mittelalterliche Andalusien den Menschen zeitweise wie ein Paradies vorgekommen sein. Davon wird in mehreren Veranstaltungen erzählt.

Jüdische Kultur ist jedoch aufgrund ihrer unterschiedlichen geographischen und historischen Bezüge sehr vielfältig. Und so spannen auch in diesem Jahr zahlreiche Konzerte, Lesungen, Theater- und Filmaufführungen, Vorträge, Workshops und Stadtführungen einen weiten Bogen zwischen unterschiedlichen Zeiten und kulturell-künstlerischen Entwicklungen.

Höhepunkte des Programms sind die Abende mit Marianne Sägebrecht, die in Erfurt und Meiningen Gedichte von Hilde Domin liest. Das deutsch-jüdische Theater "Bimah" aus Berlin gastiert in Mühlhausen und Jena mit Heinrich Heines „Hebräischen Melodien“ und in Weimar mit dem musikalisch-literarischen Programm „Shabat Shalom – ein Freitagabend in einer jüdischen Familie“. Die Sängerin Jalda Rebling und die Akkordeonvirtuosin Franka Lampe erzählen mit Liedern und Legenden die Geschichte des Raw Samson Luria, der im 13. Jahrhundert in Erfurt lebte.

Besondere Angebote für Familien sind die Gastspiele des jüdischen Puppentheaters „Bubales“, die in Erfurt, Nordhausen, Gera und Jena mit ihrem Stück „Die Koscher-Maschine“ mit lustigen Songs und vielen Tieren in die jüdischen Speiseregeln einführen.

Zwei in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge Erfurt stattfindende Workshops zur Zukunft der Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen und zur Weiterentwicklung des Netzwerkes für jüdisches Leben in Thüringen können Perspektiven entwickeln, die neue Partner in die Projektarbeit einbeziehen.