Der Deutsche Kulturrat schießt über das Ziel hinaus. Forum Konkrete Kunst auf der „Roten Liste“ – leider fehlerhaft

01.09.2016 16:47

Mit Verwunderung hat die Kulturdirektion der Landeshauptstadt Erfurt die ungeprüfte und in dieser Form fehlerhafte Darstellung des Forums Konkrete Kunst auf der Liste der bedrohten Kultureinrichtungen des Deutschen Kulturrats zur Kenntnis genommen.

Kunst-Installationen in der Klosterkirche
Foto: Forum Konkrete Kunst Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Es wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein etabliertes Museum, das geschlossen werde und nun dagegen opponiere. Ferner wird behauptet, es würde die Nachbesetzung zweier Personalstellen versagt und man sei gegen den Erhalt einer offenbar schon immer gewollten Dauerausstellung.

Die Kulturdirektion stellt richtig:

1. Das Forum Konkrete Kunst ist kein Museum. Es handelt sich um ein Forum, also einen Ausstellungsort, der wechselnde Expositionen konkreter Kunst zeigen soll. Die gegenwärtig dort versammelten Kunstwerke sind keine städtische Sammlung, es handelt sich um Leihgaben der Künstler/-innen. Eine Dauerausstellung war nie angestrebt worden.

2. Das Forum Konkrete Kunst ist eine städtische Einrichtung, sie opponiert also nicht gegen eine Schließung, es opponiert allenfalls der Förderverein, der auf der Roten Liste jedoch noch vor der Stadt als Finanzier genannt wird. Dies ist irreführend, auch wenn sich der Förderverein ehrenamtlich einbringt und punktuell zur Akquise von Fördermitteln beiträgt. Er ist nicht der Rechtsträger des Forums, dies ist allein die Stadt, die aufgrund objektiver Probleme den Betriebsmodus zu ändern gedenkt, denn:

3. Es gibt keine Personalstellen, die nachbesetzt werden könnten. Das Forum wurde ausschließlich – und damit schon immer prekär – über den zweiten Arbeitsmarkt betrieben. Aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen endet diese Möglichkeit, da es keine Freiwilligen mehr gibt, die in einem Kaltbau unter den dortigen Bedingungen Dienst versehen wollen. Zudem liegt eine Gefährdungsanalyse vor, die zu befolgen ist. Es ist fahrlässig, dies auszublenden.

4. Für die Perspektive – nach Restaurierung der romanischen Kirche, in der das Forum derzeit stattfindet – hat die Stadt temporäre Ausstellungen konkreter Kunst vorgeschlagen und kehrt damit zur Ursprungsintention zurück. Sie beabsichtigt, die historisch wertvolle Kirche breiter zu nutzen, als dies bislang der Fall sein konnte. Im Übrigen befasst sich mit der Perspektive der Stadtrat als demokratisch legitimiertes Gremium.

Die Landeshauptstadt Erfurt findet es befremdlich, dass sich der Deutsche Kulturrat nicht vor Veröffentlichung seiner Roten Liste gründlich informiert und offenbar ausschließlich den Darstellungen Dritter folgt. Dies ist weder objektiv, noch kulturpolitisch hilfreich. Die Rote Liste suggeriert zudem, dass jede Veränderung im institutionellen Bereich schädlich sei und zu vermeiden wäre. Der Sinn dieses Ansatzes ist stark zu bezweifeln. Kulturelle Infrastruktur lebt von der Veränderung, da sich auch die Nutzungsansprüche der Menschen ändern und jede Generation neue Ideen einbringt.