QR-Codes für die Reformation

22.09.2017 12:13

Das Stadtmuseum entwickelte für die Ausstellung „Barfuß ins Himmelreich“ gemeinsam mit Studenten der Fachhochschule Erfurt unter Anleitung von Prof. Rolf Kruse innovative Medienstationen als interaktiven Erlebnisraum. Darunter das Stifterbuch der Predigerkirche, das Jenseitsspiel in der Barfüßerkirche und eine Visualisierung des zerbombten Kirchengewölbes.

Moderne Medien in der Ausstellung „Barfuß ins Himmelreich? Martin Luther und die Bettelorden in Erfurt“

Person in Ausstellung
Foto: Das Stadtmuseum entwickelte für die Ausstellung „Barfuß ins Himmelreich“ gemeinsam mit Studenten der Fachhochschule Erfurt unter Anleitung von Prof. Rolf Kruse innovative Medienstationen als interaktiven Erlebnisraum Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Das Stifterbuch der Predigerkirche, das im Stadtmuseum zu erleben ist, ist durch ein Blätterbuch ergänzt, dessen Seiten von einem Trackingsystem erkannt werden. Damit kann jeder Besucher wie ein Archivar in der aufwendig illuminierten Handschrift schmökern. Ausgewählte Seiten werden wie von Zauberhand in modernes Deutsch übertragen und durch eine Hörebene ergänzt.

Im Langhaus der Barfüßerkirche besteht die Möglichkeit, das von den Bettelorden perfektionierte Konzept einer Jenseitsvorsorge durch fromme Gaben mittels Handy-App und Raumszenographie konkret nachzuerleben. Dabei wird man mit Entscheidungen konfrontiert, wie sie die Erfurter um 1500 zwischen Wollust, Gier und Seelenheil tatsächlich treffen mussten. Nichts ist erfunden – alle Konstellationen stammen aus authentischen Chroniken. Am Ende wird die „Seele“ jedes Teilnehmers gewogen und es entscheidet sich, ob er für Himmel, Hölle oder Fegefeuer bestimmt ist. Zudem wird in einer 360°-Visualisierung das 1944 zerbombte Kirchengewölbe rekonstruiert. Damit lassen sich die erhaltenen Bauzeugen wieder in das einst überwältigende Raumerlebnis einordnen.

Diese Medienstationen sind ein Angebot, um verstehen zu können, wie aus Bürgersinn und Angst vor ewiger Verdammnis unser Erbe an Bauwerken und Kunstschätzen entstand. Und da die Reformation dank des Buchdrucks als erstes Medienereignis der Geschichte gilt, entspricht ihre Aneignung durch Tablets und QR-Codes einem Thesenanschlag 2.0.