Bilder-Geschichten: Erfurter Kleinod im Weimarer Land. Die Wasserburg Kapellendorf

18.04.2016 07:00

Ritterlich und märchenhaft liegt die Wasserburg Kapellendorf inmitten des Städtedreiecks Apolda – Jena – Weimar. Sie befindet sich in dem Landschaftsgebiet der Ilm-Saaleplatte und ist in einer Talmulde des Sulzbaches und am Fuße des Sperlingsberges erbaut worden. Die spannende Geschichte der Wasserburg Kapellendorf beginnt bereits um 875, als sie das erste Mal urkundlich erwähnt wurde.

Wasserburg Kapellendorf: Ein Ausflug ins Weimarer Land

Schwarz-weiß-Ansicht einer Burg
Foto: Wasserburg Kapellendorf Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Bildbeschreibung

Der Fotograf unseres Bildes steht auf einem naturbelassenen Gehweg und schaut auf die Burganlage von Kapellendorf. Die Äste der Bäume auf der linken und rechten Seite rahmen das Schwarzweiß-Bild ein und vermitteln eine nahezu mystische Stimmung. Da die Bäume keine Blätter oder Knospen zeigen und auch auf dem Boden kein Laub erkennbar ist, wurde das Bild offenkundig im Spätherbst oder beginnenden Frühjahr aufgenommen.

Folgt der Betrachter des Bildes dem fotografierten Weg mit seinen Augen, so überquert er eine kleine Brücke und sieht ein langes Fachwerkhaus auf der linken Seite. Danach trifft er auf den Torturm, der in der Mitte der Fotografie abgebildet ist. Dieser ist mit einer im Bild nicht sichtbaren Burgbrücke verbunden.  Erst seit dem 16. Jahrhundert befindet sich dort der Eingang zum Inneren der Festung.

An den Turm schließen sich zu beiden Seiten längliche Bauten an. Das rechte Gebäude wurde als „Pferdestall“ genutzt; ursprünglich befand sich dort der ehemalige Eingang zur Burg, der heute noch im Mauerwerk erkennbar ist.  Als nächstes schließt sich der sogenannte  „Verliesturm“ an, der mit Zinnen bekrönt ist und dadurch von weitem gut sichtbar ist. Schwenkt der Betrachter seinen Blick nach links, findet er ein längliches Gebäude neben dem Eingangsturm. Es ist gegenüber dem Stall etwas tiefer angelegt und beinhaltete das Justiz- und Rentamt. Das dahinter liegende hochaufragende Gebäude mit dem markanten Dach ist die Kemenate – das ehemalige Haupthaus der Burg. Dieses war beheizbar und diente als Schlaf- und Wohnbereich.

Der Fotografie kann man gut ablesen, dass sich die Wasserburg Kapellendorf aus verschiedenen Bauten zusammenfügt. Diese unterschiedlichen Gebäude und Umbauten stehen in Beziehung zur wechselvollen Geschichte der Burg. Untersuchungen und Ausgrabungen ergaben, dass sich dort bereits in der Frühbronzezeit zwischen 2200 bis 1700 vor Christus eine Siedlung befand. Neben der urkundlichen Erwähnung im Jahr 875 des Grafen Kapellendorf finden sich erst wieder im zwölften Jahrhundert weitere Belege. Bis 1348 gehörte die Burganlage dem Burggrafen von Kirchberg. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verkaufte Hartmann von Kirchberg sein Besitz an einen nominellen Zwischenkäufer, der noch im selben Jahr den Erwerb Kapellendorfs durch Erfurt ermöglichte. Im Jahr 1446 überließ Erfurt die Burg dem Ritter Apel von Vitzthum, der sich zum gefürchteten Raubritter entwickelte. Im Bündnis mit den Herzögen von Sachsen gewann Erfurt Kapellendorf schließlich im Tausch gegen die Wachsenburg zurück. Schließlich musste Erfurt die Burg dennoch an Sachsen verpfänden, was einen wesentlichen Anlass der Unruhen des Erfurter „tollen Jahres“ von 1509 bildete. Die Räumlichkeiten wurden später als Sitz des Amtes genutzt, was Umbauten wie die Verlegung des Eingangs nach sich zog. Am 12. Oktober 1806 entschied Fürst Hohenlohe-Ingelfingen, die Burg als Hauptquartier der preußischen Teilarmee in der epochalen Schlacht bei Jena zu nutzen. Von diesem Zeitpunkt an wechselte die Nutzung der Räume. Zwischen 1866 und 1879 befand sich hier die Jenaer Irrenanstalt; Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Schule eingerichtet. Erst 1929 wurde die Wasserburg von dem Inhaber der Erfurter Firma Ernst Cämmerer erworben und kurze Zeit später an die Stadt Erfurt verkauft. Heute im Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, wird sie von den Geschichtsmuseen der Landeshauptstadt als Zweigstelle des Erfurter Stadtmuseums betrieben.

Ausstellung und Veröffentlichung

geographischer Plan der Wasserburg Kapellendorf
Bild: Lageplan der Wasserbug Kapellendorf Bild: © Stadtverwaltung Erfurt

Ausstellungstipp:

Zwischen Kornspeicher und Schreibstube
Das Justiz- und Rentamt der Wasserburg Kapellendorf
bis 31.05.2016

Buchtipp:

Marie Petermann und Gudrun Noll (Red.): Wasserburg Kapellendorf. Von den Anfängen bis 1806. Erfurt 2011.