11. Etappe Tour de Bildung: Lange Nacht der Wissenschaften.

25.11.2011 10:35

Diese Etappe hat es in sich und es zahlt sich aus, dass Boris mittlerweile auch ein Fahrrad hat. Gerade noch rechtzeitig treffen wir in der Sporthalle der Universität ein.

Textreportage

Diese Etappe hat es in sich und es zahlt sich aus, dass Boris mittlerweile auch ein Fahrrad hat. Gerade noch rechtzeitig treffen wir in der Sporthalle der Universität ein. Eberhard Loosch ist Professor für Sport- und Bewegungswissenschaften. Gemeinsam mit Universitätspräsident und Professor für antike Kultur Kai Brodersen untersuchte er in einem Seminar die Leistungsfähigkeit der Athleten zu Zeiten der antiken olympischen Spiele. Neben den Disziplinen Weitsprung mit Zusatzgewichten, Waffenlauf und Diskuswurf wurde auch die antike Ernährung erprobt. Gerste, Weizen, Linsen, Gemüse, Obst, Meeresfrüchte, Fleisch, Honig, Fischsoße, Nüsse und Wein bildeten die Ernährungsbasis der griechischen Athleten. „Vor allem der Verzicht auf Zucker machte einigen Studierenden zu schaffen. Insgesamt kam die Ernährungsumstellung aber gut an. Einige konnten sogar ihre sportlichen Leistungen verbessern. Um zu wissenschaftlich tragfähigen Ergebnissen zu gelangen, müssten wir die Studie allerdings größer anlegen. Die ersten Resultate sind jedoch recht vielversprechend“, erläutert Eberhard Loosch in seinem Vortrag. Dann geht es nach draußen. Das Publikum kann sich auf einer Sandfläche im antiken Diskuswurf erproben. Über fünf Kilo wiegt die flache Metallscheibe, dreißig Meter weit wurde sie damals geworfen. Um die zehn Meter sind die Bestweiten des heutigen Abends. Wir müssen mehrmals in Deckung gehen.

Wir fahren weiter zum Helios Klinikum, dort sind unter anderem die Operationssäle zu besichtigen. Auf dem Gang vor den OPs drängen sich die Besucher. Eine ältere Frau, die offenbar gerade an einer Führung teilgenommen hatte, bei der ein Video von der Einsetzung einer Hüftgelenksprothese gezeigt wurde, sieht ganz blass aus und muss sich setzen. Eine Schwester bringt ihr ein Glas Wasser. „Darauf sind wir natürlich vorbereitet. Meist geht das aber schnell vorbei“, sagt Professor Dirk Eßer, ärztlicher Direktor und Chefarzt der HNO-Klinik. An einer Plastikpuppe wird in den OP-Sälen außerdem der Ablauf einer Vollnarkose demonstriert und es können endoskopische Operationen an Schweinelebern nachvollzogen werden. „Wir sind ja neben Stadtverwaltung, Universität und Fachhochschule Mitinitiatoren der Langen Nacht und freuen uns, dass wir über die Jahre eine deutliche Zunahme von Besuchern haben. Diesmal haben wir mit der Teddyklinik und ähnlichen Angeboten auch sehr viel für Kinder im Programm. Den größten Andrang gibt es aber immer in den OP-Sälen, da können wir nur fünfzig Leute pro Stunde reinlassen. Die Pathologie ist auch sehr gefragt“, erklärt Dirk Eßer weiter.

Nach zwanzig frostigen Minuten auf dem Fahrrad erreichen wir die Fachhochschule. Wir haben uns eine Demonstration zum Thema Luftströmungen ausgesucht. Es dauert eine Weile, bis wir den Raum 9.E.08 finden. Laboringenieurin Sylvia Willing vom Fachbereich Gebäude- und Energietechnik willigt ein, eine letzte Vorführung zu geben - es ist immerhin kurz nach halb zwölf. Nach ein paar kurzen Erläuterungen nimmt sie das Licht zurück. Es zischt. Unsere Augen sind auf eine Holzkammer mit einer Glasscheibe gerichtet, die den halben Raum einnimmt. Eine sogenannte Raumströmungskammer mit verschiedenen Rohren, Düsen, und Luftauslässen. Im Scheinwerferlicht steigt von unten dichter Nebel auf. Es zischt erneut. Der Nebel kommt jetzt aus einer seitlichen Düse weiter oben und verteilt sich im Raum. „Achtzig Prozent der Zeit befinden wir uns drinnen, deshalb ist die Behaglichkeit in Räumen ein wichtiges Thema. In dieser Kammer können wir sichtbar machen, wie die verschiedenen Luftauslässe arbeiten, und die Studierenden sehen am konkreten Beispiel, welche Vor- und Nachteile es jeweils gibt“, erläutert Sylvia Willing die Darbietung. „Das ist für die Ingenieure in der Praxis wichtig, um den verschiedenen Anforderungen an das Raumklima in Räumen, die mechanisch be- und entlüftet werden, gerecht zu werden. Das können zum Beispiel Büros, Sporthallen oder Kinosäle sein.“

8.11.2011, Andreas Kubitza