1. Etappe Tour de Bildung: Sonntagsbrunch in der Magdeburger Allee bei Ladebalken

06.04.2011 11:06

"Ihr könnt auch was mit essen, wenn ihr kommt. Wir sehen uns dann Sonntag um 18:00 Uhr!" Erste Etappe: Sonntagsbrunch in der Magdeburger Allee. Als Boris und ich die Ladentür zur Stube öffnen, wird bereits gegessen.

Textreportage

"Ihr könnt auch was mit essen, wenn ihr kommt. Wir sehen uns dann Sonntag um 18:00 Uhr!" Erste Etappe: Sonntagsbrunch in der Magdeburger Allee. Als Boris und ich die Ladentür zur Stube öffnen, wird bereits gegessen. Um einen großen Tisch, sitzen Susanne und die anderen bei selbstgebackenem Kuchen, vegetarischen Brotaufstrichen, frischem Obst und Gemüse. Mehrere Hunde verschiedenster Größe beschnüffeln uns zur Begrüßung. Wir werden aufgefordert uns zu setzen und zuzugreifen, was wir uns nicht zwei mal sagen lassen. Ich lobe den Vollkornkirschkuchen, der ganz vorzüglich schmeckt. Boris nimmt Einstellungen an seiner Spiegelreflexkamera vor. "Eigentlich ist es ja ein bisschen spät zum brunchen", sagt Susanne, "aber wir können die Stube meist erst ab 18:00 Uhr nutzen."

Susanne Nöller ist Mitte zwanzig, studiert Anglistik und Romanistik und gründete gemeinsam mit Freunden den Verein K.U.H.B.I.K., was ausgeschrieben "Kommunikation, Unabhängigkeit, Hilfe, Bildung, Inklusion und Kunst" bedeutet. Der Name sei ihr sogar selbst eingefallen, wie sie lachend erklärt. Boris schraubt sein Objektiv einem der Hunde entgegen. Bildung und die aktive Gestaltung des persönlichen Umfeldes hat sich der junge Verein zum Ziel gesetzt. "Gerade hier in Erfurt-Nord ist ja viel Platz verschenkt und wir hoffen, Menschen animieren zu können, sich ihre Umgebung so zu schaffen, wie sie sie gerne hätten." Susanne ist da optimistisch. Elf Mitglieder hat K.U.H.B.I.K. zur Zeit. "Studenten, Arbeitslose, Arbeiter und Künstler. Wir hoffen, dass sich das Spektrum in Zukunft noch ein wenig verbreitert." Die Gruppe diskutiert über die Organisation eines Haarkunst-Workshops, der in ein paar Tagen stattfinden soll. "Wir machen erst mal viele kreative Dinge, weil man die sehr einfach im kleinen Rahmen vermitteln kann. Langfristig planen wir aber auch Sprachkurse oder beispielsweise Kfz-Kurse anzubieten. Und das möglichst kostenlos, weil wir möchten, dass Bildung keine Frage der Finanzen ist." Nach zwei Monaten in ihrem eigenen Laden Werkstadt, einem leerstehenden Uhrengeschäft gleich um die Ecke, dient zur Zeit die Stube in der Magdeburger Allee als willkommener Ort für die Vereinstreffen. Die Suche nach eigenen Räumlichkeiten sei aber bereits im Gange.

"Die Werkstadt war eines von vielen Projekten, die von uns hier im Norden gefördert wurden", sagt Karina Halbauer von Ladebalken, die mit am Tisch sitzt. Seit Oktober 2009 ist Ladebalken nun schon aktiv, vor allem um das Image der ungeliebten Nordstadt aufzubessern und jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, Stadtentwicklung mitzugestalten. "Hier im Norden ist vieles noch so offen und formbar. Man kann unheimlich viel ausprobieren". Die Stube, ein ehemaliges Ladengeschäft am Ende der Magdeburger Allee, ist seitdem Ausgangspunkt vielfältiger Aktivitäten: Wanderkino, Street-Art-Festival, Radiosendungen, Ausstellungen, Kunst- und Musikveranstaltungen auf ungenutzten Brachen - und natürlich Workshops. Neben K.U.H.B.I.K. trifft sich zur Zeit auch eine Gruppe, die einen Breakdance-Workshop anbietet regelmäßig in der Stube und es läuft eine Seminarreihe zum Thema Projektmanagement, erklärt Karina. "Bis jetzt haben wir schon viel erreicht. Damit es dieses Jahr so weitergeht, brauchen wir allerdings eine neue Förderung. Da sind wir gerade dabei, uns nach Finanzierungsmöglichkeiten umzuschauen."