16. Etappe Tour de Bildung: Naturerlebnisgarten Fuchsfarm

22.05.2012 10:44

Die Fuchsfarm hat den Auftrag, Stadtkindern Natur darzulegen, und das versuchen wir auf spielerische Art umzusetzen.

Textreportage

Boris und ich lassen die Fahrräder am Waldrand stehen. Den letzten Kilometer müssen wir zu Fuß zurücklegen, es geht bergan. Treffpunkt ist am Stern, mitten im Steiger. Die Schülergruppe, genauer gesagt die Arbeitsgemeinschaft Naturfreunde der Otto-Lilienthal-Schule, steht schon im Kreis und lauscht. Revierförsterin Uta Krispin, Jens Düring vom Umwelt- und Naturschutzamt, und Ralf Butze, pädagogischer Mitarbeiter der Fuchsfarm, haben sich viel vorgenommen für den heutigen Tag der Artenvielfalt. Die Erlebniswanderung kann beginnen: Kräutersammeln, Abrücke von Baumrinden nehmen, mit Spiegeln in die Wipfel schauen, Geräuschelandkarten malen – zwischendurch unbekannte Käfer, eine Eidechse und eine Spinne. Mit einem lauten „Kuckuck“ ruft Ralf Butze die Gruppe zusammen, nächste Station: Fuchsfarm. „Wir möchten Natur mit allen Sinnen erlebbar machen, das heißt hören, sehen, fühlen - und auch schmecken. Aus den Waldkräutern machen wir jetzt nämlich einen leckeren Kräuterquark“, erklärt er. Das Gelände der Fuchsfarm ist weitläufig. Eine große Wiese und ein Garten mit Teichen, Kräuterbeeten, Holzwerkstatt, einer kleinen Imkerei, Nisthilfen für Vögel, einer Weidenhütte, einem Lehmofen und vielem mehr. Hinweistafeln und Schaubilder erklären, wie alles funktioniert. „Das beste ist aber unser Meisen-TV.“ Stolz schaltet Ralf Butze den Bildschirm ein, als wir wenig später im Hauptgebäude stehen. Über den Monitor flimmert eine Live-Übertragung aus dem Nistkasten direkt vor dem Fenster.

Während die einen auf der Wiese herumtollen und die anderen Kräuterquark machen, bereiten Jens Düring und Uta Krispin auf einem kleinen Acker die Einweihung der Baumschule vor. „Wir fangen erst mal mit einheimischen Bäumen an, aber im Herbst sammeln wir noch ein paar exotische Samen. Hickory und Schwarznuss, die gibt es mittlerweile auch schon im Steiger.“ Revierförsterin Uta Krispin hantiert mit Plastiktüten, in denen sich die Baumsamen befinden. Dann ist es soweit: Jeder darf sich einen Samen nehmen und in die Erde setzen - zum Schluss noch etwas Wasser drauf. Wenn aus den Bucheckern, Eicheln und Kastanien kleine Bäume geworden sind, sollen diese in den Wald verpflanzt werden, möglichst von denselben SchülerInnen. „Wir wollten mit der Baumschule die Verbindung zwischen Wald und Fuchsfarm schaffen. Wichtig ist, dass mit einer solchen Patenschaft Schulklassen oder Schulen so ein Projekt langfristig begleiten können“, sagt Jens Düring, der die Fuchsfarm vom Umwelt- und Naturschutzamt aus leitet und sich zusätzlich noch im Verein engagiert.

Bei Kräuterquark, Stockbrot und Kartoffeln aus dem Lagerfeuer lassen die SchülerInnen den Tag ausklingen. „Die Waldwanderung hat mir am besten gefallen und hier auf der Fuchsfarm kann man sich prima austoben“, fasst der neunjährige Paul-Rudolf zusammen. Erzieherin Petra Starke erzählt, dass sie die AG Naturfreunde an der Otto-Lilienthal-Schule schon 1980 gründete. „Ich finde es wichtig, die Kinder für das Thema Natur zu interessieren. Weil es diese AG gibt und wir schon lange mit der Fuchsfarm zusammenarbeiten, wurden wir für das Baumschulprojekt ausgewählt und haben dafür heute extra unterrichtsfrei bekommen.“ Und Ralf Butze ergänzt: „Die Fuchsfarm hat den Auftrag, Stadtkindern Natur darzulegen, und das versuchen wir auf spielerische Art umzusetzen. Aber wir sind natürlich nicht nur für Schulklassen da, sondern auch für alle anderen Naturinteressierten. Man kann Führungen und Projekte zu verschiedenen Themen buchen von den Tieren des Waldes bis hin zur Imkerei.“ 

22.05.2012, Andreas Kubitza