25. Etappe der Tour de Bildung: Erfurter Brücke

20.12.2013 16:25

Gemeinsam mit Jugendlichen eine Brücke zwischen den Lebensstationen Schule, Berufsausbildung und Beruf bauen - das ist der Ansatz der "Erfurter Brücke". Die Bildungsangebote des Jugendhauses und der angeschlossenen Kompetenzagentur besuchen jährlich fast 700 Erfurter Schülerinnen und Schüler.

Textreportage

"Der Name hat durchaus Symbolgehalt. Wir wollen gemeinsam mit den Jugendlichen eine Brücke bauen, und zwar zwischen den verschiedenen Lebensstationen Schule, Berufsausbildung und Beruf", sagt Maud Ganzert. Sie ist Sozialpädagogin und Leiterin der "Erfurter Brücke", einem von der Caritas getragenen Jugendhaus in der Regierungsstraße. "Natürlich tragen wir auch ein Stück weit unseren Glauben mit in die Arbeit. Die meisten Kinder und Jugendlichen die herkommen sind aber ohne Konfession. Für die Inhalte, um die es uns geht spielt das auch eher eine untergeordnete Rolle." Die "Erfurter Brücke" empfängt täglich Schulklassen der Erfurter Regelschulen und Förderzentren. Fast 700 Schülerinnen und Schüler pro Jahr besuchen die Seminare zur Berufsorientierung oder das Konfliktlösungstraining.

Norbert Graebel, der die Seminare leitet, führt uns durch das Haus. Neben verschiedenen Seminarräumen gibt es auch einen "Entspannungsraum" mit bequemen Sitzsäcken. "Alle Spiele, Übungen und Methoden, die wir einsetzen, sollen ein eigenes Erfahren möglich machen. Beim Rollenspieltraining üben wir beispielsweise ein Bewerbungsgespräch. Die Schüler arbeiten aber auch in Gruppen und gestalten zum Beispiel gemeinsam ein Plakat", erklärt Norbert Graebel. "Worauf ich an dieser Stelle hinweisen möchte, sind die vielen Ehrenamtlichen, die uns bei den Seminaren unterstützen, weil sie Spaß an der Arbeit mit Jugendlichen haben." Der Rundgang durch das kleine Fachwerkhaus endet im Erdgeschoss. Hier gibt es einen kleinen Tresen mit Kochmöglichkeit, eine Couchecke und Kickertische. Neben der Berufsberatung ist die "Erfurter Brücke" auch ein ganz normales Jugendhaus.

Wir treffen Tobias Elß, der die "Kompetenzagentur" im Jugendhaus leitet. Hier können sich Jugendliche bis 27 Jahre über einen längeren Zeitraum individuell beraten und begleiten lassen. "Für viele sind wir tatsächlich das letzte Auffangnetz", sagt Tobias Elß, der gerade aus einem Beratungsgespräch kommt. Das Angebot richtet sich speziell an Jugendliche, die keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss haben oder Ausbildungen abgebrochen haben. Dazu kämen meist noch andere Probleme, wie Drogenkonsum, Wohnungslosigkeit oder Überschuldung.

"Grundsätzlich sind die Jugendlichen aber hier, weil sie noch einen eigenen Antrieb haben. Wenn wir den Jugendlichen kennengelernt haben, schauen wir, wo seine Ressourcen und Stärken liegen. Aber auch woran es in der letzten Zeit gescheitert ist. Wir ermitteln gemeinsam die Schritte, die zu einer erfolgreichen Integration nötig sind und gehen diese auch gemeinsam. Nach einer anfangs sehr intensiven Betreuungsphase kommen die Jugendlichen dann alle zwei bis drei Wochen zur Beratung."

70 Jugendliche betreut die Kompetenzagentur im Schnitt. Viele werden vom Jobcenter geschickt, vom Jugendamt oder sie erfahren durch Familie oder Freunde vom Beratungsangebot. "Mittlerweile weiß auch das Jobcenter unsere Arbeit zu schätzen. Was uns aber von einem Amt oder einer Behörde unterscheidet, ist, dass wir mit den jungen Leuten auf Augenhöhe arbeiten", betont Tobias Elß. "Den Ansatz der Kompetenzagentur würde ich auch nach sechs Jahren noch als sehr innovativ bezeichnen. Zudem arbeiten die verschiedenen Bereiche hier im Haus eng zusammen, so dass wir die Angebote gut aufeinander abstimmen können."

Andreas Kubitza
10.12.2013