28. Etappe der Tour de Bildung: Verkehrsgarten Petersberg

07.05.2014 14:55

Wer als Erfurter Schulkind sicheres Radfahren lernen will, kommt am Verkehrsgarten auf dem Petersberg nicht vorbei. An die 2.000 Erfurter Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen legen hier pro Jahr ihre Fahrradprüfung ab. Wir begleiten eine Klasse aus der Grundschule am Steigerwald an ihrem großen Tag.

Textreportage

Wer als Erfurter Schulkind sicheres Radfahren lernen will, kommt am Verkehrsgarten auf dem Petersberg nicht vorbei. An die 2.000 Erfurter Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen legen hier pro Jahr ihre Fahrradprüfung ab. Wir begleiten eine Klasse aus der Grundschule am Steigerwald an ihrem großen Tag.

Polizistin und Verkehrssicherheitsberaterin Gaby Michalski verteilt Helme und Sicherheitswesten. "Die vorgegebene Strecke kennt ihr noch? Zuerst eine Proberunde und danach wird gewertet. Nummer siebzehn, los geht's!" In einer langen Schlange stehen die Kinder neben ihren Rädern und warten bis sie an der Reihe sind. Auch Frieda und Charlotte fahren mit. Ein wenig aufgeregt sind sie schon, denn Frieda hätte die Vorprüfung mit neun Fehlern nicht bestanden. Gaby Michalsky beäugt das Geschehen kritisch. Noch darf sie Hinweise geben: "Vorfahrt klären! Einen großen Bogen, Nummer acht! Den zweiten Schulterblick nicht vergessen!" Dann beginnt die Wertung. Vorsichtig fahren die Prüflinge durch den Parcours. Gaby Michalski macht Kreuze auf ihrem Klemmblock.

Die Übungsstrecke besteht aus Einmündungen und Kreuzungen, Verkehrszeichen, Fahrbahnmarkierungen und einer Ampelanlage. Insgesamt vier Übungseinheiten müssen die Viertklässler während der Radfahrausbildung absolvieren: Das Anfahren vom Fahrbahnrand, Vorbeifahren an einem Hindernis, Linksabbiegen und die Beachtung der vorfahrtsregelnden Verkehrszeichen. "Die Schwierigkeit dabei ist, dass die verschiedenen Situationen hier ganz nah beieinander liegen. Die Kinder müssen also sofort umdenken und haben nicht viel Zeit sich auf die neue Verkehrssituation einzustellen", erklärt Gaby Michalski.

Nach Vorprüfung, die sich an die vierte Übungseinheit anschließt, wird es beim fünften Besuch dann ernst. Denn bei weitem nicht alle bestehen beim ersten Mal. "Was das Abschneiden bei der Prüfung angeht, gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen. In manchen Gruppen bestehen fast alle, in anderen fällt fast die Hälfte durch", sagt Gaby Michalski, die seit 1997 im Auftrag der Landespolizeiinspektion Erfurt den Verkehrsgarten betreut. "In den letzten Jahren gibt es auch immer mehr Kinder in den vierten Klassen, die sehr unsicher auf dem Fahrrad sind oder überhaupt noch nicht fahren können."

Lehrer Alexander Jaschke, der die Klasse begleitet, ist heute nur Zuschauer. "Im Heimat- und Sachkundeunterricht ist die Verkehrserziehung immer mal wieder Thema. Wir behandeln, was zu einem verkehrssicheren Fahrrad gehört, sprechen über Verkehrsregeln und Verkehrszeichen. Während der Verkehrsausbildung übernehmen wir den theoretischen Teil, hier im Verkehrsgarten findet dann die Praxis statt." Die Unterrichtsmaterialien stellt die Landesverkehrswacht Thüringen zur Verfügung.

Inzwischen haben alle ihre Prüfungsrunde absolviert und Gaby Michalski bittet die Klasse zur Auswertung in den Seminarraum. Mit großen Augen erwarten die Schüler ihr Ergebnis. Als Frieda und Victoria an der Reihe sind, ist die Freude groß. Beide haben bestanden. "Null Fehler! Und das obwohl ich in der Vorprüfung so viele Fehler hatte", jubelt Victoria. Auch Frieda ist zufrieden: "Ich hab mich von neun auf drei Fehler verbessert." Stolz halten beide ihren frisch ausgestellten Fahrradpass in den Händen.

"Obwohl der Fahrradpass für das Radfahren nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, ist er für die Kinder sehr wichtig", sagt Gaby Michalski. "Wenn die Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren wollen, kommt es vor, dass manche Schulen den Pass verlangen – wie auch bei Fahrradausflügen an Wandertagen." Durchgefallen ist heute übrigens nur ein einziger Schüler. In ein paar Wochen ist Nachprüfung.

Andreas Kubitza
28.04.2014