Videodokumentation: Barrierefreiheit in Erfurt

25.11.2014 10:00

Schüler des Heinrich-Mann-Gymnasiums haben im Rahmen einer Seminarfacharbeit zum Thema Barrierefreiheit in Erfurt ein Video erstellt.

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Hintergrund

Der Film thematisiert die Barrierefreiheit in der Erfurter Innenstadt mit einem besonderen Schwerpunkt auf aktiven Rollstuhlnutzern. Hierbei wird eine mögliche Tagestour durch Erfurt gezeigt. Diese beinhaltet, unter anderem, den Besuch historischer Denkmäler wie den Dom und die Krämerbrücke, sowie einen Ausflug in den Erfurter Steigerwald.

An den jeweiligen Stationen werden positive und negative Aspekte hinsichtlich der Zugänglichkeit für Rollstuhlnutzer aufgezeigt und einige generelle Fakten zu den Orten genannt.

Durch die Recherche im Rahmen der Seminarfacharbeit und der Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Erfurt, Herrn Wolfgang Zweigler, konnten wir einen angemessenen Informationsgehalt in den Film einfließen lassen.

Der Film soll sowohl als Informationsquelle für Touristen und Bewohner der Stadt Erfurt, die einen Rollstuhl nutzen, dienen, als auch zur Sensibilisierung gegenüber Personen, die bisher nicht in Kontakt mit dem Thema Barrierefreiheit kamen.

Friedrich Schneider und Richard Sprott

Untertiteltext

Erfurt – eine mittelalterliche Stadt mit vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten. Im Mittelalter gab es bekanntlich noch keine Rollstühle. So stellt die ziemlich altertümliche Bauweise in der Altstadt ein Problem für Menschen im Rollstuhl dar. Wie kommt man in Erfurt mit dem Rollstuhl zurecht? Inwiefern kann man die Stadt als barrierefrei in Bezug auf Rollstuhlfahrer bezeichnen? Um all diese Fragen soll sich dieses Video drehen. Wir sind die Seminarfachgruppe barrierefreies Erfurt vom Heinrich-Mann-Gymnasium. Ein Teammitglied hat sich für die genauere Erforschung der Fragen in einen Klapprollstuhl gesetzt. Er steht hierbei stellvertretend für einen aktiven Rollstuhlfahrer, welcher sich selbständig mit Muskelkraft voran bewegt. Deshalb und wie lange die Person im Rollstuhl sitzt, ist hierbei nicht relevant. Wie auf dem Stadtplan erkennbar, haben wir eine Strecke gewählt, die mit ihren unterschiedlichen Stationen eine Tagestour abdeckt. Der längste Aufenthalt ist hierbei in der Erfurter Altstadt und ein Besuch im Erfurter Steigerwald bildet den Schluss.

Als Start des Ausfluges dient der Domplatz. Er ist etwa 3,5 ha groß und diente früher als Marktplatz.

Jährlich finden hier die Domstufenfestspiele und der Erfurter Weihnachtsmarkt statt.
Welcher zu den schönsten und größten Deutschlands zählt.

Der direkte Weg über die Domstufen hin zum Dom bleibt einem Menschen im Rollstuhl verwehrt. Stattdessen führt jedoch an der rechten Seite ein stufenloser Weg nach oben.

Als aktiver Rollstuhlfahrer ist dieser durchaus zu bewältigen. Die hohe Steigung erweist sich jedoch sehr als kraftraubend und ist alleine nur im körperlich leistungsfähigen Zustand überwindbar.

Der Dom – Eines der größten Erfurter Wahrzeichen ist der wichtigste und älteste Kirchenbau der Stadt. In der Mitte des 8. Jahrhunderts diente der Dom als Bischofssitz. Seitlich kann ein ebenerdiger Zugang genutzt werden.

Wieder unten am Domplatz angekommen, wird nun der Fischmarkt als nächstes Ziel angesteuert.

Der Fischmarkt – Einst wurden hier, wie der Name es schon verrät, Fische gehandelt. Des Weiteren gilt dies als historischer Mittelpunkt der Stadt. Der Boden unterliegt einer Pflasterung, der jedoch eine annehmbare Gleichmäßigkeit aufweist. Nicht speziell ein Problem am Fischmarkt, aber hier auch vertreten, ist die generelle Schieflage des Bodens. Konstruiert um einen optimalen Wasserabfluss zu garantieren, wird diese Bodengegebenheit schnell unangenehm durch das dauerhafte Lenken entgegen der Steigung.

Durch die automatisch öffnende Haupteingangstür, gelangt man zur Informationsstelle des Rathauses. Hier wird einem nach kurzer Nachfrage der Zugang zum Fahrstuhl gewiesen, da direkt nach der Informationsstelle das Treppenhaus beginnt. Der Fahrstuhl befindet sich rechts neben dem Haupteingang in den Räumlichkeiten der Sparkassen.

Im ersten Stock angekommen, steht man nun vor einer Feuertür, die es zu durchqueren gilt, um das Rathaus erkunden zu können. Mit etwas Geschick, lässt sich die manuell zu öffnende Tür überwinden. An einer komfortableren Lösung wird bereits gearbeitet.

Gleich um die Ecke befindet sich ein Behinderten-WC, welches im Rollstuhl keine Probleme bei der Benutzung birgt.

Alle Gänge auf einer Etage sind ohne Probleme befahrbar.

Die Grundsteinlegung des Rathauses war im Jahre 1870 bis zum heutigen Stand durchlief es drei Bauabschnitte.

Längs am Rathaus vorbei, führt der Weg zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt, der Krämerbrücke.

Die Krämerbrücke ist die einzig bewohnte Brücke nördlich der Alpen.

Beide Seiten sind stufenlos zugänglich. Die hohe Steigung verlangt jedoch einen hohen Kraftaufwand.

Die Bodenpflasterung ist relativ gleichmäßig. Und im gegebenen Fall oben auf der Brücke ohne Probleme befahrbar.

Die meisten der 32 Häuser werden heute als Läden genutzt. Ein großes Problem beim Befahren der Läden stellen die Stufen dar, sowohl am Eingang als auch im Innenbereich.

Wie auch an vielen anderen Stellen der Altstadt trifft hier Denkmalschutz auf Barrierefreiheit, so dass auf den Besuch der meisten Läden einfach verzichtet werden muss.

Die nächste Station ist das Angermuseum. Hier gilt es den Anger zu überqueren. Einst war der Anger Haupthandelsplatz für Waid, Wein, Weizen und Wolle. Heute ist er Sammelpunkt aller Stadtbahnlinien und bietet vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Im Gegensatz besteht der Boden hier nicht aus alten Pflastersteinen sondern aus geschnittenen Granitplatten. Das Befahren der Fußgängerzone bildet hier keinerlei Probleme und ist sehr komfortabel. Bordsteine sind nicht vorhanden bzw. kaum wahrnehmbar flach. Lediglich an den Bahnhaltestellen sind die Bordsteine erhöht. So dass auch im Rollstuhl das Einsteigen in die Bahn alleine möglich ist.

Das erbenerdige zugängliche Angermuseum bietet temporäre und dauerhafte Kunstausstellungen zu unterschiedlichen Themenbereichen. Das Kunstmuseum der Landeshauptstadt ist mit einem Rollstuhl angenehm zu besuchen. Die Gänge sind breit, die Etagen ebenerdig und der Fahrstuhl geräumig.

Um nun das letzte Ziel für den heutigen Tagesausflug zu erreichen, gilt es in den Erfurter Steigerwald zu gelangen. Hierfür kann der Öffentliche Personennahverkehr genutzt werden. Mit den Stadtbahnlinien 1, 3, 4, 5 und 6 gelangt man zum Hauptbahnhof. Von dort aus hat man die Umsteigemöglichkeit zu allen Stadtbuslinien.

Der Erfurter Hauptbahnhof zählt zu den wichtigsten Knotenpunkten des Deutschen Eisenbahnverkehrs. Täglich steigen hier ca. 34.000 Fahrgäste ein und aus.

In der Bahnhofsunterführung hält sowohl der Stadtbus als auch die Bahn. Der Bordstein ist ein sehr langes Stück angehoben, so dass Ein- und Ausstieg in Bus und Bahn in beliebige Richtungen keine Probleme darstellen. Trotz möglich geradezu ebenerdiger Absenkung ist der Bordstein nicht komplett entfernt, um weiterhin ein praktisches Feedback für Blinde zu gewährleisten. Speziell für den Hauptbahnhof wurde der Erfurter Sonderbord entwickelt, um den Einstieg mit dem Rollstuhl zu erleichtern. Der Busfahrer navigiert den Bus hierfür direkt mit dem Reifen an den unteren Abschnitt des Sonderbords und senkt mittels Neigetechnik das Fahrgestell ab. Der Boden des Busses bildet im Optimalfall nun eine Ebene mit dem Bord. Wie in diesem Fall kann es passieren, dass der Busfahrer den Rollstuhlfahrer zu spät bemerkt und den Sonderbord nicht nutzt. Die in jedem Erfurter Stadtbus eingebaute Klapprampe kann nun bei Bedarf herausgeklappt werden, um einen Einstieg für den Rollstuhlfahrer zu ermöglichen. Hierfür ist jedoch die Hilfe eines Passanten oder des Busfahrers selbst nötig.

Für einen gemütlichen Waldausflug oder zur sportlichen Betätigung eignet sich der Steiger. Mit der Linie 60 lässt sich die Haltestelle Rhodaer Chaussee entspannt erreichen. Von dieser aus führt ein asphaltierter Weg zum Stern. Hier treffen sich Wege aus allen Richtungen des Steigers, wobei nicht alle für Rollstuhlfahrer geeignet sind.

Einen der sinnvollsten Wege zum Behindertensportpfad ist der Asphaltierte in nördlicher Richtung. Dieser ist zwar etwas länger als dessen Parallelweg ist jedoch hinsichtlich des Untergrundes komfortabler.

Ganz und gar lassen sich nichtasphaltierte Wege im Steiger jedoch nicht vermeiden. Auch auf dieser Route ist ein Teil schwieriger zu bewältigen.

Am Behindertensportpfad angekommen, stellt sich doch schnell heraus, dass dieser stark heruntergekommen ist. Überwuchert von Vegetation sind die Sportgeräte nur noch schwer zu erkennen. Außerdem gestaltet sich die Benutzbarkeit sehr schlecht durch die zunehmende Vermoderung und Verwitterung.

Als Fazit lässt sich sagen: Eine vollkommen barrierefreie Stadt ist Erfurt nicht. Unter anderem auch, da Erfurt eine sehr historische Stadt ist, wo Denkmalschutz an vielen Stellen im Konflikt mit Barrierefreiheit steht. Trotzdem wird in fast allen Bereichen der Altstadt sehr viel für die Verbesserung der Zugänglichkeit getan, so dass man sich in Erfurt gut mit dem Rollstuhl zurecht finden kann.