Zum zweiten Mal geht eine Sammlung internationaler Spitzenwerke der Moderne aus den Kunstmuseen Krefeld mit 57 ausgewählten Gemälden und Skulpturen aus der Zeit von 1891 bis 1962 auf Reisen.
Das Spektrum reicht von Hauptwerken des Impressionismus über den Expressionismus bis zur Abstrakten Kunst. Die gezeigten Werke markieren die Emanzipation der Farbe in der Malerei: von Claude Monets impressionistischer Farblandschaft an der Themse, über die kraftvollen Farben der Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff oder Heinrich Campendonk bis zur Autonomie der Farbe in den Werken von Piet Mondrian und Yves Klein.
Konsequenterweise bilden drei monochrom weiße Bilder von Piero Manzoni, Antoni Tàpies und Lucio Fontana den Schlussakkord der Ausstellung.
Bild der Woche: Thematische Führung in der Ausstellung "Farbwelten. Von Monet bis Yves Klein"
Mittwoch, dem 17. Februar, 12:30 Uhr
Auguste Rodin, Skulpturen
Pierre Puvis de Chavannes, 1890/91 und der Kleine Kopf mit Stupsnase , 1880/1890
Waren die französischen Impressionisten Meister in der Darstellung des sich ständig bewegenden Lichts, so kann man den Bildhauer Auguste Rodin (1840-1917) als einen Meister der bewegten Körper und Oberflächen bezeichnen. Natürlich spielt auch dabei das Licht eine große Rolle.
Rodin lässt uns auch im Bronzeguss sehen, wie er die Figur aus vielen kleinen Tonklümpchen aufgebaut und modelliert hat. Bei ihm entfällt das bis dahin übliche letzte Finish der Gipsentwürfe, das Glätten und Strukturieren der Oberflächen. Der Effekt ist nicht nur, dass wir auf diese Weise beobachten können, wie die Figuren gemacht sind, wir also gleichsam dem Bildhauer in die Werkstatt schauen, sondern auch, dass sich das Licht in den zahlreichen kleinen Dellen und Erhebungen fängt und reflektiert. Dabei entsteht der Eindruck einer bewegten und sich nach außen hin öffnenden Oberfläche
Dies zeigen in der Ausstellung "Farbwelten, Von Monet bis Yves KLein" die Büste des befreundeten Malerkollegen Pierre Puvis de Chavannes aus den Jahren 1890/91 und der Kleine Kopf mit Stupsnase, der zwischen 1880 und 1890 modelliert wurde.
Die Büste des Malers strahlt gesammelte Stärke, innere Ruhe und trotzdem eine bemerkenswerte Wachheit aus. Dagegen erscheint der kleine Mädchenkopf wie eine Momentaufnahme aus einem größeren Bewegungszusammenhang, den wir in Gedanken ergänzen oder weiterführen sollen.
Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt.
Mittwoch, den 24. Februar, 12:30 Uhr
JohanThorn Prikker Frau auf dem Feld, 1891 Öl auf Leinwand
Friedrich Deneken, erster Direktor des 1897 eröffneten Kaiser Wilhelm Museum, setzte sich dafür ein, dass der niederländische.Künstler JohanThorn Prikker (1868-1932) 1904 an die Krefelder Kunstgewerbeschule zum Leiter der Malklasse berufen wird. Dessen Leben und Werk war fortan eng mit der Stadt Krefeld verbunden. Als Lehrer von Helmuth Macke und Heinrich Campendonk - von Campendonk werden in der Erfurter Ausstellung ebenfalls 4 Werke präsentiert- öffnet er den jungen Künstlern die Augen für die moderne zeitgenössische Malerei. Fasziniert von der modernen französischen Malerei gilt Prikkers Interesse stets der Erscheinung von Farbe als Licht.
Das wird besonders deutlich in dem Gemälde "Frau auf dem Feld", das seine belebende Wirkung aus den starken farblichen Kontrasten zwischen reinem Gelb, Violett, Blau und Grün bezieht. Die gleichmäßige Verteilung dieser intensiv leuchtenden Farben über Bildfigur- und Grund, vordere und hintere Bildzonen, verleihen dem Bild eine große Geschlossenheit. Alles scheint mit allem zusammenzuhängen, ineinander zu verschmelzen. So nimmt man die zitronengelb strahlende Schürze der Frau anfangs wie einen Teil der umgebenden Natur wahr.
Abbildung: JohanThorn Prikker, Frau auf dem Feld, 1891, Öl auf Leinwand, Copyright by VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt.
Mittwoch, den 3. März, 12:30 Uhr
Paula Modersohn-Becker, Kleines Kind neben einem Birkenstamm, 1904 Tempera auf Karton
Die Malerin Paula Modersohn-Becker (* 8. Februar 1876 in Dresden-Friedrichstadt; † 20. November 1907 in Worpswede) war eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. In den knapp vierzehn Jahren, in denen sie künstlerisch tätig war, schuf sie 750 Gemälde, etwa 1.000 Zeichnungen und 13 Radierungen, die die bedeutendsten Aspekte der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in sich vereinen.
In Bezug auf die Vorliebe für unspektakuläre Motive bei gleichzeitiger Entfaltung der sinnlichen Qualitäten einer pastosen Malweise scheint Paula Modersohn-Becker nicht weit entfernt von den deutschen Impressionisten, wenn man das kleine Bild mit dem Kind neben einem Birkenstamm anschaut. Zwar spielte sich ihr Leben als Malerin hauptsächlich im Umkreis der Worpsweder Malerschule ab, doch wird ihr Werk, das zunehmend von der französischen Kunst inspiriert war, bereits dem frühen Expressionismus zugerechnet. Das hat vor allem damit zu tun, dass Paula Modersohn-Becker nicht mehr malen wollte, was sich ihr als unmittelbarer Seheindruck darbot, sondern etwas, das ihren persönlichen Ideen und Emotionen im Hinblick auf die sie umgebende Wirklichkeit entsprach. Mütter und Kinder spielen in diesem Weltbild eine große Rolle, aber ebenso der Wunsch nach einer möglichst unmittelbaren, unverfälschten Naturbeziehung. Dieses romantische Naturverhältnis teilt sie mit den anderen Malern der Künstlerkolonie, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Akademie und den großen Städten den Rücken kehrten und sich auf das Land nahe Bremen zurückzogen, um hier eine schlichte, ungekünstelte Malerei in freier Natur zu praktizieren und die Nähe zu den als ursprünglich und unverdorben empfundenen Moorbauern zu suchen.
Das Bild des Kindes neben einem Baumstamm teilt viel von dieser Haltung mit. Obwohl die Figur das Format beinahe ganz ausfüllt, handelt es sich nicht um ein Porträt im herkömmlichen Sinne. Dem Kind fehlt alles Individuelle: Gesicht, Hand und Kleidung wurden farbig fein nuanciert, in den gegenständlichen Details jedoch nur summarisch behandelt. Das Ganze macht eher den Eindruck einer Farbskizze vor der Natur als einer im Atelier mit Sorgfalt ausgeführten Malerei. Auffällig ist, dass mit dem gleichen Pinselduktus wie das Kind auch die Birke im Vordergrund und die Landschaft im Hintergrund gestaltet wurde.
Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt.
Wöchentlich wird an dieser Stelle über weitere ausgewählte Exponate berichtet.
Die Familie (Entwurf für den Festsaal im Museum Folkwang Essen), 1927/28 Öl auf Leinwand