Erfurter Bachtage, 21.03. - 17.04.2011
Bache - eine Familiengeschichte Erfurts
Ohne Erfurt gäbe es wohl Johann Sebastian nicht. Die Bache stehen in Erfurt synonym für den Berufsstand des Musikers. Keine Stadt war so sehr mit der Familie verbunden wie die heutige Landeshauptstadt Thüringens.
Das Musikleben Erfurts wurde im 17. Jahrhundert maßgeblich von zahlreichen Mitglieder der Familie Bach mitbestimmt, von denen drei nacheinander die Leiter der Erfurter Ratskapelle waren. Die Söhne von Johann Bach dem Spielmann (gest. 1626), Johann (1604 - 1673) - der 1635 nach Erfurt kam - und Christoph (1613 - 1661) begründeten im 17. Jahrhundert den musikalischen Ruf der Bache in Erfurt.
Die Erfurter Kaufmannskirche könnte eigentlich auch die Bachkirche sein, denn 61 Kinder sind von den Bachen hier getauft worden, 12 Bachpaare haben sich hier das Jawort gegeben und auf diesem Fleck sind auch alle begraben.
In Erfurt lebten die meisten Mitglieder der Familie und von hier aus hat sich die Dynastie über ganz Mitteldeutschland verbreitet. Johann Egydius (1645 - 1717) wurde Direktor der Ratsmusik und Organist der Michaeliskirche. Sein Bruder Christoph (1613 - 1661) kam 1642 nach Erfurt. Dessen Sohn Johann Ambrosius (1645 - 1695) heiratete in der Kaufmannskirche die Erfurterin Elisabeth Lämmerhirt. 1671 zieht das Paar nach Eisenach, wo 1685 ihr fünfter Sohn Johann Sebastian (1685 - 1750) geboren wird. Johann Sebastian prüfte 1716 die Orgel der Augustinerkirche. Johann Christoph Bach (1671 - 1721), ältester Bruder von Johann Sebastian, war in Erfurt Schüler von Johann Pachelbel, dem Organisten der Predigerkirche.
Johann Gottfried Walther - ein Verwandter Johann Sebastians - war an der Erfurter Thomaskirche tätig. Johann Christian Lebrecht Kittel wurde als letzter Bachschüler 1756 Organist der Barfüßer- und kurz darauf der Predigerkirche.
Diese Tradition ist den Erfurtern bewusst. Erfurt war in den vergangenen 70er- und 80er-Jahren ein Zentrum der Bach-Tage des Bezirkes Erfurt und gehörte seit der Gründung der Thüringer Bach-Wochen im Jahre 1992 zum Kern der Veranstalter dieses Festivals. Von daher ist das Selbstbewusstsein der Landeshauptstadt zu ihren "Bachen" ungebrochen und gerechtfertigt. Mit den Konzerten der Erfurter Bach-Tage soll sich neben der Pflege der Werke der Bachfamilie der Ruf Erfurts als Bachstadt weiter verbreiten.