In der Michaelisstraße, gegenüber der Michaeliskirche, in der Luther 1522 predigte, sind die Reste des Collegium maius der 1392 von den Erfurter Bürgern gegründeten und im 15. Jahrhundert sehr bedeutenden Universität zu sehen. Sie ist die drittälteste auf heutigem deutschen Boden.
Der hervorragende wissenschaftliche Ruf der Erfurter Universität lockte viele Studenten nach Erfurt, unter Ihnen auch Martin Luther. Er nahm 1501, im Alter von 17 Jahren, hier sein Studium auf. Die Universität vereinte alle vier mittelalterlichen Fakultäten: Philosophie, Theologie, Medizin und Rechte. Zunächst widmete sich Martin Luther, wie alle Studenten damals, den "Sieben freien Künsten" (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, und Musik), später auf Wunsch des Vaters auch den Rechtswissenschaften. Doch ein einschneidendes persönliches Erlebnis veränderte das Leben des jungen Luther radikal und er trat am 17. Juli 1505 in das Evangelische Augustinerkloster zu Erfurt ein, wo er seine theologische Ausbildung begann.
Die alte Universität, 1816 von den Preußen geschlossen, wurde 1944 fast vollständig zerstört. Seit 1998 befindet sich das Gebäude im Wiederaufbau. Die Erfurter Universität wurde 1994 neu gegründet und bietet seither ausgezeichnete Bedingungen für rund 5.000 Studierende.
Die Universität Erfurt ist heute eine geisteswissenschaftliche Reformuniversität mit kultur- und gesellschaftswissenschaftlichem Profil und übrigens die jüngste Universität in Deutschland.
Das Collegium maius befindet sich heute im Besitz der Evangelischen Kirche und wird aktuell als Verwaltungssitz der EKM (Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland) ausgebaut.
In Erinnerung an Martin Luther wurde das Martin-Luther-Institut als Institut für Evangelische Theologie an der Universität Erfurt gegründet.
Das Martin-Luther-Institut verbindet den Lehrstuhl für Evangelische Theologie und Kulturgeschichte des Christentums in der Philosophischen Fakultät und die Lehrstühle für Bibelwissenschaften und für Religionspädagogik in der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. Als Brückeninstitut ist es eine Besonderheit der Universität Erfurt und trägt fakultätsübergreifend einen interdisziplinären Charakter.