Vernachlässigung und Misshandlung von Kleinkindern: Fachtagung des Netzwerks Frühe Hilfen und Kinderschutz Erfurt

17.11.2017 11:29

Am 29. November findet unter Federführung des Jugendamtes der Stadt Erfurt und in Zusammenarbeit mit der Erfurter Kinderschutzgruppe am Helios Klinikum die 9. Fachtagung des Netzwerks Frühe Hilfen und Kinderschutz Erfurt im Auditorium des Helios Klinikums statt. Im Rahmen des wissenschaftlich interdisziplinären Programms sollen Fachkräfte aus Bereichen wie der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und Bildungswesens, der Justiz sowie der Polizei umfassende Informationen und Handlungsempfehlungen zur Thematik „Vernachlässigung und Misshandlung von Kleinkindern“ erhalten.

Das Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz wurde 2013 initiiert, um insbesondere junge Eltern in ihrer Beziehungs- und Erziehungskompetenz zu unterstützen sowie die Bindung zwischen Kindern und Eltern durch verschiedene Angebote und Hilfen zu fördern. 

Sobald die Bindung zwischen Kindern und Eltern gestört ist oder die Kompetenzen der Eltern unzureichend sind, kann es zu verschiedenen Formen der Kindeswohlgefährdung kommen. In die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gelangen dabei aber nur spektakuläre Fälle von körperlicher Mangelversorgung, Kindesmisshandlung oder sexueller Gewalt.

Werden Kinder jedoch kontinuierlich physisch, emotional und erzieherisch vernachlässigt, ist dies zwar nicht lebensbedrohlich, kann für die Kinder aber schwerwiegende und langfristige Folgen haben. Diese Formen der Vernachlässigung werden oft unterschätzt und durch die Öffentlichkeit wenig beachtet, sie haben sich aber in allen Ländern, in denen bislang die Häufigkeit verschiedener Formen von Kindeswohlgefährdung untersucht wurde, als mit Abstand häufigste Form erwiesen. Für Deutschland wurde dies in einer Studie an Fällen bestätigt, in denen das Familiengericht über einen Eingriff in die elterliche Sorge entscheiden musste. In 65 % der Fälle lag eine Kindesvernachlässigung vor. Bei 50 % wurde die Vernachlässigung als zentrale Gefährdungsursache angesehen. 35 % der betroffenen Kinder waren jünger als drei Jahre alt (vgl. DJI – Deutsches Jugendinstitut – Online 2010).