Im historischem Gebälk

26.05.2008 00:00

Hinter der Fassade des Vorderhauses an der Michaelisstraße mit einem reliefgeschmückten, wappengezierten Sitznischenportal aus der Mitte des 16. Jahrhunderts findet man heute den Kulturhof zum Güldenen Krönbacken mit vielfältigem kulturellem Angebot.

Die nächste Krön-Führung findet am 28. Mai 2007, 17:00 Uhr, im Foyer der Galerie Waidspeicher im Kulturhof Krönbacken, Michaelisstraße 10 statt. Der Eintritt ist frei.

Nur noch bis zum 1. Juni sind im alten Waidspeicher zwei Ausstellungen geöffnet: im Obergeschoss des Waidspeichers ist eine Werkschau des Erfurter Künstlers und Hochschullehrers Lothar Hammer zu sehen und im Untergeschoss werden zeitgleich Bilder und Objekte des Thüringer Künstlers Ekkehard Franz gezeigt.
Lothar Hammer, der große Meister des kleinen Bildformats, hat in seinen Bildern das Alltägliche zum Besonderen erhoben, das Bewahrenswerte anschaulich gemacht und er lehrt uns beim Betrachten, die Vielfalt der Erscheinungen in der Natur und der Kunst, den Reichtum an Farben und Formen genauer zu sehen und tiefer zu erleben. Als Professor für Kunstmethodik hat er ganze Kunsterziehergenerationen und junge Wissenschaftler/innen in der DDR ausgebildet. Dabei ist er seinem Bedürfnis nach eigener künstlerischer Produktivität täglich nachgekommen. So sind wohl unzählige Malereien, Zeichnungen und Skizzen entstanden, zumeist Bilder auf kleinem Format, die das künstlerische Lebenswerk von Lothar Hammer heute krönen. Mit dieser Ausstellung soll der Kunstpädagoge Prof. Dr. Lothar Hammer († 2007) als Künstler in seiner Vielseitigkeit und Besonderheit vorgestellt und gewürdigt werden.
Ekkehard Franz fasziniert neben der Malerei das Arbeiten mit Holz. Über Jahre hinweg entstanden immer auch geheimnisvoll anmutende Schatullen, Truhen, Schränke und Wandobjekte. Auf dieses Spektrum seiner Möglichkeiten greift er in der thematischen, stärker auf Malerei orientierten Ausstellung "vom Boot aus" zurück und schreibt u.a. dazu selbst: "Das Boot – ein Ort, der mir erlaubt, das Ufer und das Geschehen dort mit Abstand zu betrachten, unbeteiligt daran vorbei zu gleiten und beliebig das auszuwählen, was mir bedeutend erscheint, um es dann als Bild festzuhalten." Die Ausstellung überrascht mit vielfältigen, unerwarteten bildnerischen Interpretationen dieser Gedanken.
Zeitgenössische Kunst im historischen Gebälk zu erleben, ist nicht nur für Nicht-Erfurter beeindruckend. Der Waidspeicher bildet mit Hof und Vorderhaus ein Bauensemble, das lebendige Erfurter Stadt- und Architekturgeschichte erzählt und zugleich Reichtum und Kunstsinn der Patrizier dokumentiert, die als Hausbesitzer schon seit dem 12. Jahrhundert an der mittelalterlichen Magistrale in nächster Nachbarschaft der Via regia auch Stadtgeschichte schrieben. Und außerdem, was ist eigentlich ein Krönbacken?