Wirtschaftsstandort Erfurt: Gartenbau und Nahrungsgüter

Im Gewächshaus von N. L. Chrestensen bestäubt ein Mädchen mit einem Pinsel rosafarbige Blumen.
Foto: Bestäubung von Blüten im Gewächshaus Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Erfurt als Blumenstadt weltbekannt

Entstehung und Entwicklung der Branche in Erfurt

Schon aus der Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Erfurts im Jahre 742 n. Chr. wird von einer erfolgreichen Landwirtschaft in Erfurt berichtet. Mit der Fruchtbarmachung der Geraauen wurde damals der Grundstein für das heutige Kompetenzfeld "Gartenbau, Landwirtschaft und Nahrungsgüterindustrie" gelegt und der Anbau von Wein, Obst und Gemüse auf den hiesigen Löß- und Schwarzerdeböden gefördert.  

Dazu spielt die Lage Erfurts am Südrand des Thüringer Beckens, auf den windabgewandten Seiten von Harz und Thüringer Wald gerade für die Entwicklung des Gartenbaus eine entscheidende Rolle. Das durch diesen Lee-Effekt geprägte regionale Klima beschreiben Meteorologen als trocken-warm, niederschlagsarm und leicht kontinental. Diese Bedingungen verhalfen Erfurt schon frühzeitig durch den Anbau der Färberpflanze Waid zu Reichtum, der sich bis zur Gegenwart im mittelalterlichen Stadtbild belegen lässt.

Die Branche heute

Heute liegen die gartenbaulichen Schwerpunkte Erfurts in Zucht und Handel von Blumen- und Gemüsesamen, Stecklingen und Kakteen sowie im Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbau. Der Egapark Erfurt (Erfurter Gartenbauausstellung), das Deutsche Gartenbaumuseum und international agierende Unternehmen wie N. L. Chrestensen und Kakteen-Haage zeichnen Erfurt weit über seine Grenzen hinaus als Standort des Gartenbaus aus. Zudem beginnen bereits jetzt die Vorbereitungen für die Bundesgartenschau (Buga), die 2021 in Erfurt stattfinden wird.

Eng verwoben mit Landwirtschaft und Gartenbau ist die Erfurter Nahrungsgüterproduktion. Zahlreiche Mühlen, die einst von der Gera und ihren Nebenarmen angetrieben wurden, dienten der Getreideverarbeitung und Ölgewinnung. Sie belieferten die hiesige Nudelproduktion ebenso wie die ansässigen Brauereien, die zusätzlich von den Erfurter Malzwerken profitierten. Die Produktion von Nudeln und Öl konnte sich ebenso wie das Brauereigewerbe bis zur Gegenwart behaupten. Ergänzt wird die heutige Nahrungsgüterindustrie in der Thüringer Landeshauptstadt durch Milchwerke, Großbäckerei und fleischverarbeitende Betriebe zur Herstellung der beliebten Thüringer Fleisch- und Wurstspezialitäten. Auch Senf und Schittchen stehen für die Erfurter Nahrungsgüterwirtschaft.

Die zentrale Lage Erfurts in der Mitte Deutschlands bietet mit schnellen Wegen von der Produktion in die Regale außerdem optimale betriebswirtschaftliche Bedingungen.

Passendes Fachkräfteangebot

Erfurt bietet den genannten Branchen neben optimalen Anbaubedingungen auch Forschungsmöglichkeiten und vor allem traditionell gut ausgebildete Fachkräfte. Das Angebot der Ausbildungsberufe ergänzt die Fachhochschule Erfurt mit ihrer Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst mit spezialisierten Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Erfurter Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau und das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) bereichern außerdem das branchenbezogene Bildungs- und Forschungsangebot.