Brücken und Türme

Erfurt – seine Brücken und Türme

Brücken sorgen für Verbindung – Türme verschaffen Weit-Sicht. Erfurt bietet von beiden Bauwerken mehr als genug. Erfurt trägt deshalb den Beinamen „erfordia turrita – das türmereiche Erfurt“. Er soll ihr von Martin Luther verliehen worden sein. Türme verkünden schon aus der Ferne dem Reisenden, dass das Ziel nah ist. Türme prägen die Silhouette einer Stadt. Erfurts Silhouette ist seit Jahrhunderten vom Ensemble zweier mächtiger Sakralbauten bestimmt: vom Marien-Dom und der Kirche St. Severi. Doch auch die Symbole des Verbindens, die Brücken, haben der Stadt Gepräge und legendären Ruf verschafft.

Erfurt wird von kleinen Flüsschen wie der Gera, dem Berg- und Walkstrom durchzogen. Zahllose Brücken überspannen die Wasserläufe. So bekam das Stadtgebiet um die Augustinerstraße dann auch den volkstümlichen Namen „Klein-Venedig“.

Erfurt und seine Brücken

Die Krämerbrücke ist nach Dom und St. Severi wohl das bekannteste Bauwerk der Stadt Erfurt. Eine Brücke als Wahrzeichen zu haben, lässt aber noch keinen Schluss auf die Bedeutung von Brücken für die Stadt zu. Für die Landeshauptstadt Thüringens kann aber durchaus behauptet werden: Erfurt ist eine Stadt der Brücken. Dies mag bei den Erfurtern und ihren Gästen Verwunderung auslösen. Bei der alltäglichen Nutzung der Straßen und Wege nämlich werden die Brücken als wichtige Bestandteile der städtischen Infrastruktur weniger wahr genommen als die vielen interessanten Bürgerhäuser, Kirchen und Türme. Das liegt in Erfurt auch daran, dass kein großer Strom zu überbrücken ist. In Erfurt ist es der Fluss namens „Gera“, die – außer in Hochwassersituationen – eher nur ein Flüsschen ist.

Doch Erfurt „liegt“ eigentlich nicht an der Gera, sondern die Gera spaltet sich im Stadtgebiet in mehrere Wasserläufe auf. Dies sind sowohl natürliche als auch künstliche Wasserläufe. So wurde der Flutgraben, der das innere Stadtgebiet umschließt, vor ca. 115 Jahren entlang der ehemaligen Stadtmauer angelegt. Er hat die Stadt seitdem vor jenen verheerenden Hochwassern geschützt, die sie in ihrer Geschichte mehrfach heimsuchten. Andere Wasserläufe sind der Berg- und Walkstrom, die sich in der Innenstadt zum Breitstrom vereinen. Der wiederum gliedert sich an der Krämerbrücke in kleinere Wasserläufe, die dem Stadtgebiet um die Augustinerstraße den volkstümlichen Namen „Klein-Venedig“ einbrachten. Diese Arme der Gera sind für die Stadt Erfurt ein wichtiges städtebauliches Element. Sie prägen durch ihre Wasserflächen und den begleitenden Baumbestand das Bild der Altstadt, schaffen aber andererseits einen großen Bedarf an Überbrückungen für Straßen und Gassen. Immerhin führen 100 der insgesamt 158 Brücken und Stege der Stadt über Wasserläufe der Gera.

Der Gerafluss ist aber nicht der einzige Anlass zum Brückenbau in Erfurt gewesen. Die Stadt hat zwar nicht versucht, ihre Verkehrsprobleme mit Stadtautobahnen zu lösen, aber ab den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden auch in Erfurt Verkehrsknotenpunkte erweitert und Brücken für niveaufreie Kreuzungen von Straßen, Fußwegen und Straßenbahnlinien gebaut.

Nach der Aufhebung des Festungsstatus der Stadt, ab 1873, wurde die Eisenbahn auf die ehemaligen Wallanlagen der Stadtbefestigung verlegt. Durch diese Dammlage machte sich der Bau von 28 Eisenbahnbrücken über Straßen und Flussläufe erforderlich.

Im Ergebnis der Gebietsreform von 1994 wurde das Stadtgebiet beträchtlich erweitert und auch der Bestand an Brücken vergrößert. Mit insgesamt 234 Bauwerken (Stand 1.1.2004) hat die Stadt Erfurt als Baulastträger eine bemerkenswerte Anzahl an Brücken und Stegen.

Insofern ist die These von der Stadt der Brücken tragfähig. Allenfalls ist eine Relativierung bezüglich der Größe der Bauwerke erforderlich. Es gibt in Erfurt keine spektakulären Großbrücken, die Masse der Bauwerke liegt im Bereich der kleinen und mittleren Stützweiten. Aber neben der großen Anzahl gibt es in Erfurt als Besonderheit noch 34 Brücken, die inzwischen als historisch bezeichnet werden können. Das sind bis auf wenige Ausnahmen Bogen- und Gewölbebrücken, die wegen ihrer künstlerischen Ausstattung oder statisch-konstruktiven Ausführung einmalig sind.

Von den wichtigsten vier Geraübergängen im mittelalterlichen Erfurt ist leider nur noch die Krämerbrücke mit ihren steinernen Gewölben aus dem Jahre 1325 als originales Bauwerk erhalten geblieben. Die anderen Fahrbrücken der Altstadt, wie die Lehmannsbrücke, die Schlösserbrücke und die Lange Brücke wurden im Laufe der Zeit durch tragfähigere Zweckbauten ersetzt. Auch in Erfurt sind die alten Brücken eben nicht nur technische Denkmale mit Museumscharakter, sondern haben eine fortdauernde Zweckbestimmung: sie sollen verbinden.

Übersicht der Brücken

Tabelle der Brücken
Name Beschreibung
Einzige Erfurter Brücke mit künstlerischem Skulpturenschmuck
Einzige überdachte Holzbrücke in der Stadt Erfurt
Einzige mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen
Bogenbrücke aus Ziegelmauerwerk über den Flutgraben
Brücken im Straßenzug "Lange Brücke"
Im Jahre 1670 - ursprünglich mit Holzjochen - errichtet
Bogenbrücke aus Ziegelmauerwerk
Erbaut etwa 1750
Sechsbogige Brücke über den Breitstrom
Mit einer Länge von 202 m ist sie die längste Erfurter Brücke
1898 erbaute Bogenbrücke

Erfurt und seine Türme

Seit dem Mittelalter wurde das Antlitz Erfurts durch den Bau zahlreicher Kirchen und Klöster geprägt. Die hoch in den Himmel ragenden Bauwerke waren nicht nur Monumente der Gottesfürchtigkeit der Menschen jener Zeit. Sie symbolisierten auch Macht, Stärke, Ansehen. So zählte Erfurt 21 Pfarrkirchen, mehr als 15 Klosterkirchen und Kapellen, 11 Klöster und 4 Stiftskirchen. Heute sind es noch 24 Gotteshäuser, die das Stadtbild prägen. Nicht alle sind noch vollständig erhalten. So ist von der ehemaligen Paulskirche lediglich der Turm übrig, seit sie 1736 abbrannte.

Das vor allem sakrale Bauten das Stadtbild prägten, fand nicht zu allen Zeiten Anklang der politisch Mächtigen. So wird berichtet, dass Walter Ulbricht – damals mächtigster Mann der DDR – anlässlich eines Besuches in Erfurt forderte, ein großes Hotelhochhaus auf dem Petersberg als „neue Stadtkrone“ zu errichten, die Dom und St. Severi überragt hätte. Petersberg und Domplatz sollten zum städtebaulichen Höhepunkt der „modernen sozialistischen Bezirksstadt“ gemacht werden und den „Sieg der sozialistischen Ordnung über die Vergangenheit“ symbolisieren. Geplant war, das Hotel mit einer breiten Treppenanlage mit dem Domplatz zu verbinden. Die Realisierung des Projektes scheiterte. Glücklicherweise.

Übersicht der Türme

Tabelle der Türme
Name Beschreibung
Fünfoktaviges, 60-teiliges Glockenspiel
1132 erstmalig urkundlich erwähnt
Errichtung der romanischen Kirche im 12. Jahrhundert
1216 schriftliche Erwähnung der Paulskirche