Für Gott und die Welt - Franziskaner in Thüringen

15.05.2009 09:48

Eine Sonderausstellung in Kooperation mit den Mühlhäuser Museen. Franziskus von Assisi (1181/82-1226) ist einer der populärsten Heiligen der katholischen Kirche und fasziniert bis heute auch Menschen weit über die Kirche hinaus. Seine durch die christliche Botschaft der Nachfolge Jesu und der Nächstenliebe angestoßene Lebenswende hin zum Verzicht auf materiellen Reichtum und zu den Benachteiligten der Gesellschaft war vielen seiner Zeitgenossen wegweisend und ist es bis in unsere Tage geblieben. Gerade seine Hinwendung zur beseelten Schöpfung und seine Abwendung von Habgier und Macht lassen ihn heute zum Vorbild für viele Menschen in ihrem Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung und den Frieden werden.

Von Assisi aus zogen Franziskus und seine Weggefährten nach Europa und darüber hinaus bis an die Grenzen der Welt des 13. Jahrhunderts. Thüringen und seine Bewohner erreichten sie früh und nachhaltig: Schon zu Lebzeiten ihres Ordensgründers kamen sie nach Erfurt, Eisenach, Gotha, Mühlhausen und Nordhausen, machten ihr von Franziskus inspiriertes Leben durch Predigt und Handeln bekannt und beeindruckten Menschen lebensverändernd. Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207–1231) gibt hier nur das prominenteste Beispiel.

Fortan prägten Franziskaner durch ihre Botschaft, durch Klosterbauten und ihre Ausstattung den thüringischen Raum, machten ihn bis in die Reformationszeit hinein zu einer stark franziskanisch akzentuierten Klosterlandschaft. Und auch heute noch gibt es auf dem im Eichsfeld gelegenen Hülfensberg franziskanisches Leben in Thüringen.

Erfurt erreichten die ersten sieben Franziskaner am Martinstag vor 785 Jahren. Wenig später begannen sie am Geraufer mit dem Bau ihrer Klosteranlage und der Klosterkirche, die für die Kirchenbaukunst des späten Mittelalters nicht nur in Deutschland Vorbildwirkung haben sollte. Schon kurze Zeit nach dem Tod des Ordensgründers (1226) ließ man für die Erfurter Barfüßerkirche ein Franziskusfenster gestalten - es gilt als die früheste Darstellung des Franziskus-Lebens nördlich der Alpen. Die beiden erhaltenen Glasmalereien ("Papst Honorius III. bestätigt die Ordensregel" und "Stigmatisierung des Heiligen Franziskus") gehören zu den ältesten Farbglasfenstern der Stadt Erfurt.

Unter dem Titel "Für Gott und die Welt" zeigten im vergangenen Jahr die Mühlhäuser Museen eine große Sonderausstellung zur Geschichte der Franziskaner in Thüringen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zahlreiche einstige Klosterstandorte des Ordens unterstützten das Projekt mit Leihgaben - so auch das Angermuseum Erfurt und die Predigergemeinde. Die in Vorbereitung der Mühlhäuser Ausstellung gewonnenen Erkenntnisse sind im Katalog zusammengefaßt; der Textteil der Ausstellung wurde als Wanderschau aufbereitet und ist nun nach dem Stadtmuseum Saalfeld, das sein Domizil in der am besten erhaltenen franziskanischen Klosteranlage Thüringens hat, in der Erfurter Barfüßerkirche zu sehen.

Zur Langen Nacht der Museen am 15. Mai finden ab 20 Uhr Führungen und Gespräche in der Ausstellung, zur Geschichte und zu den Kunstwerken der Barfüßerkirche sowie die Wandlung des Marienkrönungsaltares (22 Uhr) statt.

Ausstellung vom 15. Mai bis 19. Juli 2009
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr
Angermuseum Erfurt - Barfüßerkirche
Barfüßerstraße 20, 99084 Erfurt
Katalog "Für Gott und die Welt" 29,90 EUR