Vier Vorträge und eine Lesung in der Ausstellung „Beobachtung und Ideal. Ferdinand Bellermann - ein Maler aus dem Kreis um Humboldt"

20.11.2014 09:53

Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Beobachtung und Ideal. Ferdinand Bellermann - ein Maler aus dem Kreis um Humboldt“ lädt das Angermuseum Erfurt, Anger 18, im Dezember 2014 und Januar 2015 zu vier Vorträgen und einer Lesung ein.

Im Vorfeld der Jubiläumsausstellung wurden zahlreiche bisher unbekannte Originaldokumente entdeckt

In Braun-, Gelb- und Grüntönen gehaltenes Gemälde einer Waldlandschaft.
Foto: Carl Blechen, Waldinneres mit abgebrochenen Ästen, nach 1833, Öl/Papier/Holz, 22 x 32 cm Foto: © Stiftung Fürst Pückler Museum, Park und Schloss Branitz

Das hilfreiche Auge

Den Reigen eröffnet am Dienstag, dem 2. Dezember, 18 Uhr, die Wissenschaftshistorikerin und Publizistin Dr. habil. Petra Werner  aus Berlin mit ihrem Vortrag „Das hilfreiche Auge? Maler um Alexander von Humboldt“.

Ölgemälde eines Mannes mit rostfarbener Weste und weißem Tuch auf einem Stein sitzend. Auf dessen Knien ein aufgeschlagenes Buch, in dessen rechter Hand eine zartrosafarbene Blüte. Im Hintergrund ein Baum, links, und eine weite Landschaft.
Foto: Friedrich Georg Weitsch, Portrait Alexander von Humboldt, 126 x 92,5 cm, Öl/Lwd. Foto: © Nationalgalerie Berlin, Foto: Jürgen Liepe

Fähigkeit, das Wesentliche zu erfassen

Dass neueste wissenschaftliche Erkenntnisse Künstler angeregt haben, ist bekannt. Aber war es auch umgekehrt? Petra Werner behauptet, dass Künstler durch ihre Fähigkeit, das Wesentliche zu erfassen, durch genaue Beobachtung und Darstellung der Wirklichkeit, auf Wissenschaftler im 19. Jahrhundert Einfluss hatten.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Zusammenarbeit Alexander von Humboldts mit verschiedenen Malern bzw. Zeichnern, darunter Johann Moritz Rugendas, Karl Friedrich Schinkel und Ferdinand Bellermann.

Der erste Lehrer Bellermanns

In seinem Vortrag „Carl Blechen – Landschaft als Spiegel der Seele“ am Dienstag, dem 9. Dezember, 18 Uhr, beschäftigt sich Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Kunsthistoriker aus Berlin, mit einem der ersten Lehrer Bellermanns, der ein ganz anderes Verhältnis zur Natur als sein Schüler besaß. Dessen Werdegang und Erfolg im Dienst der Geographie wird nur verständlich durch seine Abkehr von den Quellen, aus denen Blechens Kunst gespeist wurde. Der Blick auf den Älteren führt die Krise der eigentlich romantischen Malerei vor Augen.

Steingefaßter Weg durch bergiges Land, wolkenummantelte Gipfel. Rechts und links vom Weg ziegelgedeckte Bauten, auf dem Weg zwei Personen, mit Lasteseln.
Foto: Ferdinand Bellermann: Straße in La Guaira. Alter Kolonialweg zwischen Caracas und La Guaira, 1845, Öl auf Leinwand, 33,5 x 26,7 cm Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Foto: Volker H. Schneider

Einsichten in das künstlerische Œuvre Bellermanns

Der Kurator Thomas von Taschitzki stellt im Vortrag „Objektive Schönheitsfülle der Naturwirklichkeit - Neue Funde und Erkenntnisse zu Leben und Werk des Landschaftsmalers Ferdinand Bellermann“ neu gewonnene Einsichten in das künstlerische Œuvre Bellermanns und dessen Rezeption durch die Kunstkritik des 19. Jahrhunderts am Dienstag, dem 16. Dezember, 18 Uhr, vor.

Unbekannte Originaldokumente

Im Vorfeld der Jubiläumsausstellung wurden zahlreiche bisher unbekannte Originaldokumente entdeckt, u.a. eine autobiografische Schrift Bellermanns, ein vermisster Tagebuchbericht der Venezuelareise, ein Konvolut von Briefen aus Italien sowie 12 Briefe von Alexander von Humboldt an den Künstler.

Zwei Herren präsentieren ein Kunstwerk.
Foto:  Kurator Thomas von Taschitzki im Gespräch mit dem Ururenkel des Malers Ferdinand Bellermann in Vorbereitung der Ausstellung Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Entdeckungsfreude und Wagemut

Die Lesung aus Briefen und Tagebüchern von Ferdinand Bellermann am Dienstag, dem 6. Januar 2014, 18 Uhr, mit Thomas von Taschitzki reflektiert wichtige Lebensstationen und vermittelt Eindrücke der Persönlichkeit Bellermanns, die ebenso von Entdeckungsfreude und Wagemut wie von genauer Beobachtungsgabe und Humor geprägt war.

Das Staunen über die Großartigkeit und Schönheit der Vegetation war für die Tropenreisenden früherer Jahrhunderte immer mit dem Bewusstsein für das Geheimnisvolle, Gefahrvolle und Hinterhältige dieser Natur verbunden.

Wilde Wildnis

Schon seit der frühen Neuzeit, als die ersten Bilder und Schilderungen aus Südamerika und Südostasien nach Europa kamen, wurde von gefährlichen Kämpfen, Jagden, lauernden Blutsaugern und heimtückischen Pflanzen berichtet. Der Vortrag am Dienstag, 13. Januar 2014, 18 Uhr, „Wilde Wildnis – Zur Motivgeschichte des Tropenwaldes in Malerei, Illustration und Literatur“ mit dem Berliner Kunsthistoriker Dr. Thilo Habel, geht dieser Motivgeschichte, in die auch Ferdinand Bellermann eingebunden war, mit Beispielen aus Malerei, Illustration und Literatur nach.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.